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Thema: Abendgymnasium 
beccarehDatum: 24.04.2004 20:14:54 


Guten Abend in die Runde,

eine Freundin meinerseits macht neben ihrer Tätigkeit als Zahnarzthelferin ihr Abitur im Abendgymnasium. Nun stellte sie mir die Frage, welche Kosten sie ansetzen könnte in der EST- Erklärung und ob es SA oder WK nach § 19 sind. Diese Frage beantwortete ich erstmal mit SA und das man km zur Schule und zu Lerngruppen ansetzen könnte. War diese Aussage richtig und wie berechnen sich die km? Sie fährt mit dem Auto 12 km zur Arbeit( 5 Tage in der Woche- auch als WK angesetzt über 230 Tage) und von der Arbeit 12 km zur Schule(natürlich nicht in den Ferien).

Für Eure Meinung danke ich mal wiede im Vorhinein!

LG Beccareh
florian47Datum: 25.04.2004 19:11:09 


Hallo beccareh,

noch herrschende Lehrmeinung ist dieses

Der Besuch einer allgemein bildenden Schule, zum Beispiel Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Abendgymnasium, Fachoberschule, Berufsaufbauschule, ist Ausbildung, die Kosten sind nur begrenzt als Sonderausgaben abzugsfähig.

Dabei spielt es grundsätzlich keine Rolle, ob die Schule vor dem Eintritt ins Berufsleben besucht wird oder ob während der Berufsausübung ein Schulabschluss nachgeholt wird (BFH-Urteil vom 22.1.1993, BFH/NV 1993 S. 527; BFH-Urteil vom 10.12.1971, BStBl. 1972 II S. 242). Eine Ausnahme gilt nur dann, wenn der Schulabschluss Teil eines Ausbildungsdienstverhältnisses ist (BFH-Urteil vom 28.9.1984, BStBl. 1985 II S. 89).

Dann noch dieses aktuelle Urteil des BfH

Fahrten zur Fortbildungsstätte mit dem eigenen PKW sind bei einer länger dauernden Fortbildung nach neuerer BFH-Rechtsprechung nicht mit der Dienstreisepauschale bzw. dem tatsächlichen Kilometer-Kostensatz abzugsfähig, sondern nur mit der Entfernungspauschale (BFH-Urteil vom 29.4.2003, BFH/NV 2003 S. 997). Der Grund: Der Ort der Fortbildung ist von Beginn an regelmäßige »Arbeitsstätte«, die Fahrten zum Fortbildungsort sind deshalb Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, die nur mit der Entfernungspauschale abziehbar sind (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG).

Ich würde trotzdem die Dienstreisepauschale versuchen. Jedoch muss an diesen Tagen die Entfernungspauschale halbiert werden, da die Freundin nur "hin" fährt und zurück von der Fortbildungsstätte nach Haus mit Dienstreisepauschale.

Wenn das Abendgymnasium einem erklärten Ziel dient, nämlich die Hochschulereife zu erlangen und Zahnmedizin zu studieren, würde ich auch WK erklären und ausführlich darstellen.

florian
forianDatum: 25.04.2004 20:10:49 


Doch noch gefunden:

Bisher war Ausbildung jede Bildungsmaßnahme, die absolviert wurde, um einen erstmaligen Beruf oder einen neuen Beruf (Umschulung) zu erlernen. Da diese Aufwendungen bei fast jedem Steuerpflichtigen entstehen, waren Ausbildungskosten nach bisheriger Rechtsprechung nur als Sonderausgaben im Rahmen von Höchstbeträgen abzugsfähig (§ 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG). Das Gleiche galt ausnahmslos auch für ein Erststudium an einer Hochschule oder Fachhochschule.

Mit drei Grundsatzurteilen hat sich der BFH weitestgehend von der Ausbildung verabschiedet. Sowohl die erste Berufsausbildung als auch die Umschulung oder ein berufsbegleitendes Erststudium sind nicht mehr Ausbildung, sondern Fortbildung, wenn die jeweilige Bildungsmaßnahme aus beruflichen Gründen absolviert wird (BFH-Urteil vom 4.12.2002, BStBl. 2003 II S. 403; BFH-Urteil vom 17.12.2002, BStBl. 2003 II S. 407; BFH-Urteil vom 27.5.2003, BFH/NV 2003 S. 1119).

Durch die neue BFH-Rechtsprechung gibt es für die Vorschrift zur Ausbildung (§ 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG) eigentlich keinen Anwendungsbereich mehr. Es ist deshalb möglich, dass es vonseiten der Finanzverwaltung Anweisungen zur Anwendung der neuen Rechtsprechung geben bzw. der Gesetzgeber mit einer Gesetzesänderung auf die geänderte Rechtsprechung reagieren wird.

Bis es so weit ist, empfehlen wir, die Kosten für jede beruflich veranlasste Bildungsmaßnahme als Werbungskosten geltend zu machen. Erkennt das Finanzamt die Kosten nicht als Werbungskosten, sondern nur als Sonderausgaben an, sollten Sie unbedingt Einspruch einlegen und auf die neue Rechtsprechung verweisen (BFH-Urteil vom 4.12.2002, BStBl. 2003 II S. 403; BFH-Urteil vom 17.12.2002, BStBl. 2003 II S. 407; BFH-Urteil vom 27.5.2003, Az. VI R 33/01; noch nicht veröffentlicht).

florian
beccarehDatum: 26.04.2004 13:41:57 


Hallo Florian,

mal wieder eine super Antwort...ich danke auch dafür. Aber eine Frage bleibt: Sie fährt jeden Tag zur Arbeit 12 km und dann von dort 12 km in die Schule. Setzt sie dann also nur in den WK 12 km als Fahrten Wohnung/Arbeit an, obwohl sie 2*12 km gefahren ist? das wäre ja dumm sagt sie, da sie dann ja keinen Vorteil hat, denn so entfallen ja die Fahrten zur Arbeit während der Schulzeit was denkst du, sollte Sie es einfach probieren mit der sog. Doppelansetzung...

LG ’Beccareh
florian47Datum: 27.04.2004 09:39:00 


Hallo beccareh,

an normalen Tagen fährt die Freundin zur Arbeit und erhält für 12 km eine Entfernungspauschale von 3,60 €.
An Tagen mit Schule erhält sie 6 Km E-Pauschale = 1,80 plus 12 km Dienstreisepauschale = 3,60. Macht zusammen 5,40 €.
Womit wir schon bei >Besser< sind.
Natürlich muß die Freundin von der Schule nach Hause fahren. Von der Entfernung war noch gar keine Rede. Hier zählen wieder die Diensreise-Km.

Sie erklärt in der Anlage N, Zeile 36 alle normalen Arbeitstage. In der Zeile 37 alle Tage mit halber Entfernung.
Erläutert ihre Fortbildung, wann und wo und wie incl. der Fahrten Arbeit - Fortbildung - Wohnung in der Abt. Fortbildungskosten.
Und von häuslichem Arbeitszimmer, PC-Nutzung und Arbeitsmittel war noch keine Rede ?

florian

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