Dienstag, 30.08.2016

Dienst- oder Firmenwagen

Im Allgemeinen wird der Firmenwagen nicht nur für dienstliche Fahrten zur Verfügung gestellt, sondern er darf auch für private Fahrten sowie für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz genutzt werden. Dafür müssen Sie einen geldwerten Vorteil versteuern, den sog. Nutzungswert. Diesen Nutzungswert berechnet der Arbeitgeber monatlich, schlägt den Betrag Ihrem Gehalt zu und behält davon Lohn- und Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag und evtl. auch Sozialversicherungsbeiträge ein. Den Nutzungswert für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte des Arbeitnehmers kann der Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen auch teilweise pauschal versteuern.

Die Ermittlung des steuerpflichtigen Nutzungswertes ist nach der Pauschalierungsmethode oder nach der Nachweismethode möglich. Der Nutzungswert ist zu kürzen, wenn Sie für den Firmenwagen noch Zahlungen an den Arbeitgeber leisten oder Kosten selbst tragen müssen. Stellt Ihnen der Arbeitgeber ein Kfz mit Chauffeur zur Verfügung, kann als zu versteuernder geldwerter Vorteil der Anteil an den tatsächlichen Lohnkosten des Fahrers, welcher seiner Einsatzdauer im Verhältnis zu dessen Gesamtarbeitszeit entspricht, angesetzt werden (BMF-Schreiben vom 15.7.2014, BStBl. 2014 I S. 1109).

Die Pauschalierungsmethode: 1 %-Regelung

Die einfachste Methode ist die sog. 1 %-Regelung, bei der weder Sie Ihre Privatfahrten nachweisen müssen noch Ihr Arbeitgeber die Gesamtkosten belegen muss (§ 8 Abs. 2 Satz 2 und 3 EStG; R 8.1 Abs. 9 Nr. 1 LStR 2015). Mit der Pauschalierungsmethode sind alle Privatfahrten und die Fahrten von der Wohnung zur Arbeitsstätte mit dem Firmenwagen abgegolten.

Wann ein privater Nutzungswert für den Dienstwagen nach der 1 %-Regelung zu versteuern ist, hängt von den arbeitsvertraglichen Regelungen ab. Ist im Arbeitsvertrag die private Nutzung des Dienstwagens

  • ausdrücklich untersagt und führt der Arbeitnehmer kein Fahrtenbuch, darf das Finanzamt nicht automatisch die Privatnutzung unterstellen. Es genügt für die Besteuerung nach der 1 %-Methode nicht, dass der Arbeitgeber das Privatnutzungsverbot nicht überwacht (BFH-Urteil vom 21.3.2013, VI R 42/12, BStBl. 2013 II S. 918; BFH-Urteil vom 18.4.2013, VI R 23/12, BStBl. 2013 II S. 920).

  • nicht ausdrücklich untersagt und führt der Arbeitnehmer kein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch, darf das Finanzamt den Vorteil aus der erlaubten Privatnutzung nach der 1 %-Methode versteuern. Dem Arbeitnehmer ist der Gegenbeweis verwehrt, auch wenn er wegen eines eigenen Kraftfahrzeugs den Dienstwagen privat gar nicht nutzt (BFH-Urteil vom 21.3.2013, VI R 49/11, VI R 31/10, VI R 26/10, BStBl. 2013 II S. 700).

Die 1 %-Regelung wird auch bei einem Taxi angesetzt (BFH-Beschluss vom 18.4.2013, X B 18/12, BFH/NV 2013 S. 1401), nicht aber bei einem dienstlichen Fahrzeug, das gar nicht für private Zwecke geeignet ist, wie etwa ein Werkstattwagen (BFH-Urteil vom 18.12.2008, VI R 34/07, BStBl. 2009 II S. 381).

Der private Nutzungswert beträgt:

für Privatfahrten monatlich 1 % des inländischen Listenpreises (steuerpflichtig sind damit im Jahr 12 %), auf volle 100,00 € abgerundet.

Für reine Elektro- und Hybridelektrofahrzeuge wird der Listenpreis, wenn er die Kosten des Batteriesystems beinhaltet, um dessen pauschal ermittelte Kosten gekürzt. Der pauschale Abzug für bis zum 31.12.2013 angeschaffte Kfz beträgt 500,00 € pro kWh Speicherkapazität. Dieser Abzugsbetrag verringert sich für in den Folgejahren angeschaffte Kfz jährlich um 50,00 € (2014 angeschafft: 450,00 € usw.). Der maximale Abzugsbetrag beträgt 10.000,00 € bei Anschaffung bis zum 31.12.2013 und vermindert sich für in den Folgejahren angeschaffte Kfz jeweils pro Jahr um 500,00 €. Die Abrundung des Listenpreises auf volle hundert Euro ist erst nach Abzug des Abschlags für die Kosten des Batteriesystems vorzunehmen (BMF-Schreiben vom 5.6.2014, BStBl. 2014 I S. 835).

Zum privaten Nutzungswert hinzugerechnet werden noch:

  • für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte: monatlich 0,03 % des Listenpreises pro Entfernungskilometer (kürzeste benutzbare Straßenverbindung). Das gilt auch für Fahrten von der Wohnung zu einem vom Arbeitgeber bestimmten Sammelpunkt sowie zum nächstgelegenen Zugang eines weiträumigen Tätigkeitsgebiets, da diese Fahrten ebenfalls nur mit der Entfernungspauschale absetzbar sind. Bei einem E-Bike (nicht aber bei einem Elektrofahrrad/Pedelec) sind mit dem 1 %-Wert diese Fahrten abgegolten.

    Fahren Sie z.B. als Außendienstmitarbeiter mit Ihrem Firmenwagen nicht täglich an Ihre ersten Tätigkeitsstätte im Betrieb, sind in bestimmten Fällen jeden Monat nicht 0,03 % des Listenpreises pro Entfernungskilometer zu versteuern, sondern per Einzelbewertung nur die tatsächlich durchgeführten Fahrten jeweils mit 0,002 % (BFH-Urteil vom 22.9.2010, VI R 57/09, BStBl. 2011 II S. 359; BFH-Urteil vom 4.4.2008, VI R 85/04, BStBl. 2008 II S. 887). Diese günstige Besteuerung kann durch Korrektur des Bruttoarbeitslohns in der Anlage N in den Fällen gewählt werden, in denen der Firmenwagen monatlich an weniger als 15 Tagen für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte genutzt wird (BMF-Schreiben vom 1.4.2011, BStBl. 2011 I S. 301Rz. 1 ff.). Die 0,03 %-Regelung geht nämlich von 15 Tagen aus (15 × 0,002 % = 0,03 %).

  • Bei doppelter Haushaltsführung ist für eine Heimfahrt wöchentlich kein Nutzungswert zu versteuern. Für weitere Heimfahrten in der Woche (für die kein Werbungskostenabzug möglich ist) ist aber für jede Fahrt ein Nutzungswert von 0,002 % des Listenpreises pro Entfernungskilometer zwischen Beschäftigungsort und Hauptwohnung steuerpflichtig (R 8.1 Abs. 9 Nr. 1 Satz 3 LStR 2015).

Die private Nutzung ist mit monatlich 1 % des Listenpreises auch dann anzusetzen, wenn der Arbeitnehmer den Dienstwagen tatsächlich nur gelegentlich nutzt (H 8.1 (9–10) Gelegentliche Nutzung LStH 2015). Das gilt auch, wenn das Arbeitsverhältnis mitten im Monat beginnt oder endet (FG Baden-Württemberg vom 24.2.2015, 6 K 2540/14, EFG 2015 S. 896). Steht dem Arbeitnehmer der Firmenwagen aus besonderem Anlass oder zu einem besonderen Zweck nur gelegentlich (von Fall zu Fall) für nicht mehr als fünf Tage im Monat zur Verfügung, wird der Nutzungswert für Privatfahrten und Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte nur mit 0,001 % des Listenpreises pro Fahrtkilometer berechnet. Steht Ihnen der Wagen einen vollen Monat nicht zur Verfügung (z.B. wegen Urlaub), ist für diesen Monat kein Nutzungswert zu versteuern.

Der inländische Listenpreis ist die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers für das Fahrzeug im Zeitpunkt seiner Erstzulassung (Datum siehe Kfz-Schein). Dieser umfasst auch die Mehrwertsteuer sowie die Kosten für werksseitig im Zeitpunkt der Erstzulassung eingebaute Sonderausstattungen, zum Beispiel Autoradio, Klimaanlage, Sonderlackierung, ABS, Diebstahlsicherungssystem und Satelliten-Navigationsgerät (R 8.1 Abs. 9 Nr. 1 Satz 6 LStR 2015; BFH-Urteil vom 16.2.2005, VI R 37/04, BStBl. 2005 II S. 563). Nicht zum Listenpreis gehören insbesondere die Kosten für ein Autotelefon inkl. Fernsprecheinrichtung, für Überführung und Zulassung sowie nachträglich eingebaute Sonderausstattungen wie etwa ein Flüssiggastank (BFH-Urteil vom 13.10.2010, VI R 12/09, BStBl. 2011 II S. 361). Der Listenpreis ist auf volle 100,00 € abzurunden.

Der höhere Listenpreis ist leider unvermindert auch bei niedrigerem Kaufpreis anzusetzen, etwa wegen Rabatt oder Eigenanteils am Kaufpreis, ferner bei Gebrauchtwagen, (re)importiertem Fahrzeug, Leasingfahrzeug und schwerem Geländewagen (BFH-Urteil vom 13.12.2012, VI R 51/11, BStBl. 2013 II S. 385).

Der geldwerte Vorteil durch die Überlassung des Betriebs-Pkw muss vom Arbeitgeber bei der monatlichen Gehaltsabrechnung als Sachbezug Ihrem Arbeitslohn hinzugerechnet werden. Korrekturen kann es hier geben, wenn Sie an den Arbeitgeber eine Nutzungsvergütung zahlen. Wird der Wagen vom Arbeitnehmer auch für Fahrten zu einem anderen Arbeitgeber genutzt, ist das ein zusätzlich zu versteuernder Sachbezug (Niedersächsisches FG vom 28.6.2007, 11 K 502/06, EFG 2007 S. 1582).

Wird der Nutzungswert insgesamt als steuer- und sozialversicherungspflichtiger Bruttoarbeitslohn behandelt, dürfen Sie in Ihrer Steuererklärung später die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mit der Entfernungspauschale als Werbungskosten absetzen.

Nutzen Sie beim sog. park-and-ride Ihren Firmenwagen für die Fahrt zur Arbeit nur für eine Teilstrecke und legen den anderen Teil mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück, muss der Arbeitgeber einen Nutzungswert nur für die gefahrene Teilstrecke versteuern (BFH-Urteil vom 4.4.2008, VI R 68/05, BStBl. 2008 II S. 890). Die Finanzverwaltung wendet dieses Urteil an, wenn für die restliche Teilstrecke die Nutzung des Firmenwagens ausgeschlossen ist (BMF-Schreiben vom 1.4.2011, BStBl. 2011 I S. 301Rz. 17).

Bei einem Unfall mit dem Firmenwagen gilt seit 2011: Wird der Nutzungswert nach der 1 %-Regelung ermittelt und versteuert, ist damit der geldwerte Vorteil von Unfallkosten auf privater Fahrt, die der Arbeitgeber trägt, nur abgegolten, wenn die Kosten abzgl. Erstattungen durch die Versicherung 1.000,00 € (zzgl. MwSt.) nicht übersteigen oder der Arbeitnehmer den Unfall auf einer beruflichen Fahrt ohne Alkoholeinfluss hatte (R 8.1 Abs. 9 Nr. 1 Satz 9 LStR 2015). Ansonsten muss ein zusätzlicher geldwerter Vorteil in Höhe der übernommenen Unfallkosten versteuert werden.

Ist bei Anwendung der Pauschalmethode der private Nutzungswert höher als die Gesamtkosten des Arbeitgebers für das Fahrzeug, wird der Nutzungswert auf die Gesamtkosten begrenzt (sog. Kostendeckelung), vorausgesetzt der Arbeitgeber weist diese nach (BMF-Schreiben vom 28.5.1996, BStBl. 1996 I S. 654). Damit wird aber immer noch ein Betrag versteuert, der einer Privatnutzung von 100 % (!) entspricht. Ein niedrigerer Wert kann nur mit der Nachweismethode erreicht werden.

Die Pauschalmethode ist im Vergleich zur Nachweismethode günstiger, wenn Sie den Dienstwagen in großem Umfang für Privatfahrten nutzen.

Ein Wechsel von der 1 %-Methode zur Fahrtenbuchmethode während des Jahres ist für dasselbe Fahrzeug unzulässig (BFH-Urteil vom 20.3.2014, VI R 35/12, BStBl. 2014 II S. 643). Wird der Dienstwagen im laufenden Wirtschaftsjahr ausgewechselt, ist im Monat des Kfz-Wechsels der inländische Listenpreis des Kfz zugrunde zu legen, das Sie nach der Anzahl der Tage überwiegend genutzt haben (BMF-Schreiben vom 18.11.2009, BStBl. 2009 I S. 1326Tz. 9).

Die Nachweismethode: Fahrtenbuch und Kostenbelege

In der Praxis werden die meisten Arbeitgeber wohl die Pauschalierungsmethode zugrunde legen, weil diese einfacher ist. Sollte das aber für Sie als Arbeitnehmer ungünstig sein, weil Sie z.B. den Firmenwagen privat nur wenig nutzen, so können Sie in Ihrer Einkommensteuererklärung die Nachweismethode wählen (§ 8 Abs. 2 Satz 4 EStG; R 8.1 Abs. 9 Nr. 2 LStR 2015).

Vermindern Sie dazu auf einem Zusatzblatt zur Steuererklärung den auf der Lohnsteuerbescheinigung ausgewiesenen Bruttoarbeitslohn um den darin enthaltenen pauschalen Nutzungswert und erhöhen Sie ihn um den von Ihnen ermittelten tatsächlichen Nutzungswert. Den so korrigierten Bruttoarbeitslohn geben Sie in der Anlage N an.

Der Nutzungswert errechnet sich wie folgt:

Anteil der privat und zur Arbeitsstätte gefahrenen Kilometer an den insgesamt gefahrenen Kilometer × Gesamtkosten des Fahrzeugs

Damit wäre der private Nutzungswert nur dann gleich den Gesamtkosten, wenn der Arbeitnehmer den Dienstwagen zu 100 % privat und zu 0 % dienstlich nutzen würde.

Alle Fahrzeugkosten müssen durch Belege nachgewiesen werden. Maßgebend für die Gesamtkosten des Fahrzeugs sind die Kosten, die Ihrem Arbeitgeber für Ihren Firmenwagen entstehen. Dazu gehören die vom Arbeitgeber tatsächlich vorgenommene Abschreibung bzw. bei einem Leasing-Fahrzeug die gezahlten Leasing-Raten inkl. Sonderzahlung (dagegen Revision VI R 27/14 anhängig, ob die Sonderzahlung auf die Laufzeit des Leasingvertrages zu verteilen ist), Betriebskosten inkl. Umsatzsteuer (Benzin, Öl, Reifen, Reparaturen usw.), Kfz-Steuer, Kfz-Versicherungen, Finanzierungskosten, und seit 2011 Unfallkosten, wenn diese nicht höher als 1.000,00 € sind (R 8.1 Abs. 9 Nr. 2 Satz 12 LStR 2015). Nach Auffassung des BFH zählen auch vom Arbeitnehmer selbst getragene Kosten (z.B. für Benzin) zu den Gesamtkosten und können zum Ausgleich in der Steuererklärung als Werbungskosten angesetzt werden (BFH-Urteil vom 18.10.2007, VI R 57/06, BStBl. 2009 II S. 199).

Sie müssen ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch führen, mit dem der Anteil Ihrer privaten Fahrten sowie der Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte an der Gesamtfahrleistung nachgewiesen wird. Welche Angaben im Fahrtenbuch erforderlich sind, ist in R 8.1 Abs. 9 Nr. 2 LStR 2015 aufgezählt. Im Fahrtenbuch, das bei handschriftlicher Erstellung gebunden oder jedenfalls in einer geschlossenen Form vorliegen muss (keine losen Notizzettel, sondern z.B. Schreibheft), müssen die Eintragungen fortlaufend, d.h. zeitnah erfolgen. Es reicht also nicht, am Jahresende ein Fahrtenbuch komplett nachträglich anhand von Unterlagen anzufertigen (BFH-Urteil vom 21.4.2009, VIII R 66/06, BStBl. 2009 II S. 1422). Es muss stets ununterbrochen geführt werden, Aufzeichnungen für einen repräsentativen Zeitraum von einigen Monaten genügen nicht. Die dienstlichen und privaten Fahrten müssen gesondert eingetragen werden (bei den privaten Fahrten genügt die Kilometerangabe).

Kleinere Mängel dürfen nicht zur Ablehnung des Fahrtenbuchs und Anwendung der 1 %-Regelung führen, wenn die Angaben insgesamt plausibel sind (BFH-Urteil vom 10.4.2008, VI R 38/06, BStBl. 2008 II S. 768). Geringfügige Abweichungen bei den Kilometerangaben von einem Routenplaner schaden der Anerkennung des Fahrtenbuches nicht ((Differenz von 264 km bei gefahrenen 17994 km: FG Düsseldorf vom 7.11.2008, 12 K 4479/07 E, EFG 2009 S. 324). Werden aber wesentliche Umwegfahrten nicht aufgezeichnet, ist das Fahrtenbuch zu verwerfen (BFH-Beschluss vom 14.3.2012, VIII B 120/11, BFH/NV 2012 S. 949).

Akzeptiert wird auch ein elektronisches Fahrtenbuch, wenn dies die genannten Anforderungen an ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch erfüllt. Eine mithilfe eines PC-Programms erstellte und ausgedruckte Datei muss Ihr Finanzamt nur anerkennen, wenn nachträgliche Änderungen an zu einem früheren Zeitpunkt eingegebenen Daten technisch ausgeschlossen sind oder zumindest dokumentiert und offen gelegt werden (ofd-rheinland18.2.2013, DB 2013 S. 489). Ein mithilfe eines Tabellenkalkulationsprogramms wie MS-Excel erstelltes Fahrtenbuch wird deshalb nicht anerkannt (BFH-Urteil vom 16.11.2005, VI R 64/04, BStBl. 2006 II S. 410). Schädlich ist es auch, wenn im Fahrtenbuch als Fahrtziele jeweils nur Straßennamen angegeben sind und diese Angaben erst mit nachträglich erstellten Excel-Listen präzisiert werden (BFH-Urteil vom 1.3.2012, VI R 33/10, BStBl. 2012 II S. 505).

Das Fahrtenbuch müssen Sie nur dann vorlegen, wenn Sie hierzu von Ihrem Finanzamt aufgefordert werden (Verfügung der OFD München vom 18.1.2001, DStR 2001 S. 850). Es ist 10 Jahre lang aufzubewahren (§ 147 Abs. 1 Nr. 4 AO).

Da bei der Nachweismethode die genauen Werte erst am Jahresende feststehen, berechnet der Arbeitgeber den monatlichen Nutzungswert zunächst vorläufig, und zwar mit zunächst 1/12 des Vorjahresbetrages (R 8.1 Abs. 9 Nr. 3 Satz 2 LStR 2015). Am Jahresende wird dann der tatsächliche Nutzungswert genau ermittelt. Den Differenzbetrag verrechnet der Arbeitgeber mit der nächsten Lohnabrechnung oder aber im betrieblichen Lohnsteuer-Jahresausgleich für seine Beschäftigten. Zum Ausgleich für die Versteuerung des Nutzungswertes können Sie Ihre Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte mit der Entfernungspauschale als Werbungskosten absetzen.

Pauschalversteuerung der Fahrten zur Arbeit

Egal, ob 1 %-Regelung oder Fahrtenbuch: Den Nutzungswert für die Fahrt des Arbeitnehmers zwischen Wohnung und Betrieb darf der Arbeitgeber auch mit 15 % pauschal versteuern bis zur Entfernungspauschale als Obergrenze, bei Behinderten mit einem GdB von 70 oder von mindestens 50 und Merkzeichen G oder aG sogar in voller Höhe. In den meisten Fällen werden die 15 % von dem Betrag berechnet, den Sie als Werbungskosten geltend machen könnten (§ 40 Abs. 2 Satz 2 EStG; R 40.2 Abs. 6 LStR 2015). Ist der Nutzungswert höher, müssen Sie die Differenz zwischen Nutzungswert und pauschal versteuertem Betrag als Gehalt versteuern.

Der pauschal versteuerte Betrag, der nicht im Bruttolohn enthalten ist, muss auf der Lohnsteuerbescheinigung in der Zeile Pauschal besteuerte Arbeitgeberleistungen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte gesondert ausgewiesen sein (in der Maske Lohnsteuerbescheinigung des Programms ist das die Zeile Fahrtkosten pauschal besteuert). Der ausgewiesene Betrag wird von Ihren Fahrtkosten zur Arbeit (also von der Entfernungspauschale) abgezogen und ist auf Seite 2 der Anlage N in der Zeile Arbeitgeberleistungen lt....pauschal besteuert einzutragen. Ohne Pauschalversteuerung ist die Dienstwagennutzung für Sie steuerpflichtiger Arbeitslohn; die Entfernungspauschale bleibt dann ungekürzt.

Die Pauschalversteuerung ist für Sie günstig, wenn Sie mit Ihren Werbungskosten unter dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag liegen. Allerdings darf Ihnen Ihr Arbeitgeber die Pauschalsteuer vom Lohn abziehen.

Wenn Ihnen Kosten für den Dienstwagen entstehen

Den Nutzungswert, so wie er nach einer der beiden beschriebenen Methoden ermittelt wird, haben Sie zu versteuern, wenn Sie den Dienstwagen kostenlos nutzen dürfen. Häufig aber wird vereinbart, dass sich der Arbeitnehmer an den Kosten beteiligt. Beispiele dafür sind:

  • Sie zahlen Ihrem Arbeitgeber eine Nutzungsvergütung
    Die Vergütung – also eine arbeitsvertraglich vereinbarte Monatspauschale, nutzungsabhängige Kilometerpauschale oder Übernahme von Leasingraten) – ist vom ermittelten steuerpflichtigen Nutzungswert abzuziehen (R 8.1 Abs. 9 Nr. 4 LStR 2015). Leisten Sie lediglich eine pauschale Abschlagszahlung, über die später nach den tatsächlich entstandenen Fahrzeugkosten abgerechnet wird, ist seit 1.7.2013 ein Abzug nicht mehr möglich (BMF-Schreiben vom 19.4.2013, BStBl. 2013 I S. 513).

    Sind Ihre Zuzahlungen höher als der Nutzungswert, wird der den Nutzungswert übersteigende Zuzahlungsbetrag vom Finanzamt weder als negativer Arbeitslohn noch als Werbungskosten anerkannt (BMF-Schreiben vom 19.4.2013, BStBl. 2013 I S. 513Rdnr. 4). Doch ein Finanzgericht hat diesen Überzahlungsbetrag in voller Höhe als Werbungskosten anerkannt (FG Baden-Württemberg vom 25.2.2014, 5 K 284/13, EFG 2014 S. 896). Jetzt muss der BFH darüber entscheiden (Az. VI R 24/14).

  • Sie tragen Betriebskosten ganz oder teilweise selbst
    Von Ihnen selbst getragene Kosten für den Unterhalt und Betrieb des Dienstwagens (z.B. Benzinkosten) dürfen Sie vom Nutzungswert nicht abziehen. Ob vom Arbeitnehmer selbst getragene Benzinkosten für Privatfahrten mit dem Firmenwagen als Werbungskosten absetzbar sind, muss der BFH noch entscheiden (Az. VI R 2/15).

  • Sie verzichten auf einen Teil Ihres Gehalts
    Bei arbeitsvertraglicher Vereinbarung der Gehaltsumwandlung (Umwandlung eines Teils des Gehalts in den Sachbezug Dienstwagen) errechnet sich der steuerpflichtige Arbeitslohn als Bruttoarbeitslohn abzüglich Gehaltsverzicht zuzüglich steuerpflichtiger Nutzungswert (ermittelt nach Pauschal- oder Nachweismethode).

  • Sie zahlen einen Zuschuss zu den Anschaffungskosten
    Ihre Zuzahlung können Sie bzw. Ihr Arbeitgeber im Zahlungsjahr vom Nutzungswert abziehen (R 8.1 Abs. 9 Nr. 4 LStR 2015). Sind sie höher, ist der Restbetrag auf den Nutzungswert in den darauffolgenden Kalenderjahren anzurechnen.

Die Korrektur des Nutzungswertes, der vom Arbeitgeber Ihrem Bruttolohn hinzugerechnet wird, hat ebenfalls vom Arbeitgeber zu erfolgen. Hat er dies versäumt, müssen Sie Ihren Bruttolohn in der Anlage N entsprechend verringern und dies dem Finanzamt erläutern.

Kaufen Sie den Geschäftswagen Ihrer Firma ab, entsteht ein steuerpflichtiger Arbeitslohn, wenn der gezahlte Kaufpreis unter dem Marktpreis für Gebrauchtwagen liegt (BFH-Urteil vom 17.6.2005, VI R 84/04, BStBl. 2005 II S. 795).

Erhalten Sie von Ihrem Arbeitgeber ein sog. Garagengeld, weil Sie den Dienstwagen in Ihrer eigenen Garage unterstellen, handelt es sich um steuerpflichtige Einnahmen aus Vermietung (BFH-Urteil vom 7.6.2002, VI R 145/99, BStBl. 2002 II S. 829). Ihre Garagenaufwendungen sind dann als Werbungskosten aus Vermietung abziehbar.

Impressum AGB Kontakt Mediadaten Datenschutz
Seitenanfang