Freitag, 24.11.2017

Wahlrecht bei Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Fahren Sie mit Straßenbahn, U-Bahn, Bus oder Zug zur Arbeit (z.B. im innerstädtischen Bereich), dann können Sie wählen: entweder die Entfernungspauschale bis maximal 4.500,00 € p.a. oder – falls höher – die tatsächlichen Fahrtkosten. Dieses Wahlrecht kann nicht pro Arbeitstag, sondern nur auf das ganze Jahr bezogen ausgeübt werden (§ 9 Abs. 2 Satz 2 EStG).

Sie fahren mit der Straßenbahn zu Ihrem Arbeitsplatz, der 4 km von Ihrer Wohnung entfernt liegt. Die Jahresfahrkarte kostet 500,00 €. Bei Ansatz der Entfernungspauschale wären absetzbar: 230 Tage × 4 km × 0,30 €/km = 276,00 €. Da das niedriger als Ihre tatsächlichen Fahrtkosten ist, können Sie in Ihrer Steuererklärung 500,00 € als Werbungskosten für Fahrten Wohnung–Arbeitsstätte geltend machen.

Eine vorab bezahlte BahnCard 100 wird im Jahr der Zahlung als vorweggenommene Werbungskosten anerkannt, wenn sie schon ab Dezember gilt (FG Baden-Württemberg vom 17.1.2008, 6 K 2192/07, EFG 2008 S. 1019). Das wurde aber abgelehnt, wenn die BahnCard erst ab dem nächsten Jahr gültig ist (Niedersächsisches FG vom 21.10.2014, 12 K 79/13 ). Nun muss der BFH entscheiden (Az. VI R 10/15).

Fliegen Sie mit einer Linienmaschine zum Arbeitsort, können Sie für die Entfernung von Ihrer Wohnung zum Heimatflughafen und vom Zielflughafen zum Arbeitsplatz die Entfernungspauschale beanspruchen (Summe der einfachen Entfernungen). Für die Flugstrecke sind aber nur die tatsächlichen Flugkosten steuerlich absetzbar (auch wenn sie über 4.500,00 € liegen), nicht die Entfernungspauschale (§ 9 Abs. 1 Nr. 4 Satz 3 EStG; BFH-Urteil vom 26.3.2009, VI R 42/07, BStBl. 2009 II S. 724).

Die Kosten für Fahrten mit einem Taxi sind ebenfalls in voller Höhe als Werbungskosten abziehbar, sofern sie nach allgemeiner Verkehrsauffassung nicht als unangemessen hoch anzusehen sind (BFH-Urteil vom 20.5.1980, VI R 241/77, BStBl. 1980 II S. 582). Die Fahrstrecke einer Autofähre wird nicht berücksichtigt, dafür aber die Fährkosten.

Fahren Sie nur bis zur nächstgelegenen Haltestelle eines öffentlichen Verkehrsmittels am Stadtrand, stellen dort Ihren Wagen ab und fahren mit Bus oder Bahn weiter (park and ride), wird zur Berechnung der Entfernungspauschale die Teilstrecke, die Sie mit dem Pkw zurückgelegt haben, kilometermäßig voll angesetzt. Der verbleibende Teil der kürzesten Entfernung ist die Teilstrecke, die auf die öffentlichen Verkehrsmittel entfällt, auch wenn mit diesen eine längere Teilstrecke zurückgelegt wurde. Nur für diese Teilstrecke gilt dann der Höchstbetrag von 4.500,00 € (BMF-Schreiben vom 31.10.2013, BStBl. 2013 I S. 1376Tz. 1.1 und 1.6). Es werden die Kosten für die Fahrkarten nur anerkannt, wenn sie höher sind als die gesamte Entfernungspauschale, also einschließlich für den mit dem Pkw gefahrenen Weg (§ 9 Abs. 2 Satz 2 EStG).

Herr Meyer fährt täglich mit dem eigenen Pkw 4 km zum nächsten Bahnhof und von dort 52 km mit der Bahn zur Arbeit. Die kürzeste Straßenverbindung von seiner Wohnung zur Arbeitsstätte beträgt 47 km. Die Bahn-Fahrkarten kosten monatlich 250,00 €. Von der maßgeblichen Entfernung von 47 km entfällt eine Teilstrecke von 4 km auf die Fahrtstrecke mit dem Pkw. Nur für die restliche Teilstrecke mit der Bahn von 43 km (= 47 km ./. 4 km) gilt der Höchstbetrag von 4.500,00 €.

Entfernungspauschale für die Teilstrecke mit Pkw:

230 Tage × 4 km × 0,30 €/km =

276,00 €

Entfernungspauschale für die Teilstrecke mit Bahn:

230 Tage × 43 km × 0,30 €/km = 2.967,00 €
(max. 4.500,00 €)


2.967,00 €

Enfernungspauschale insgesamt

3.243,00 €

Fahrkartenkosten (12 × 250,00 €)

3.000,00 €

Insgesamt abziehbar (höherer Betrag)

3.243,00 €

Wechseln Sie während des Jahres das Verkehrsmittel, gilt der Höchstbetrag von 4.500,00 € nur für die Tage, an denen Sie nicht mit dem Pkw gefahren sind.

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