Freitag, 24.11.2017

Kauf neuer Arbeitsmittel

Werden neue Arbeitsmittel gekauft, sind die Anschaffungskosten als Werbungskosten abzugsfähig. Das sind neben dem reinen Kaufpreis auch die Mehrwertsteuer, Auslagen für Porto und Verpackung, Fracht sowie Fahrtkosten für Fahrten zum Kauf des Arbeitsmittels und für Fahrten, um sich vor dem Kauf entsprechend zu informieren (BFH-Urteil vom 10.3.1981, VIII R 195/77, BStBl. 1981 II S. 470). Steuerlich maßgeblich ist immer der Zeitpunkt der Anschaffung, also der Zeitpunkt der Übergabe bzw. Lieferung.

Sofortabzug bei Anschaffungskosten bis 410,00 € (ohne MwSt.)

Handelt es sich um selbstständig nutzbare Wirtschaftsgüter und betragen die Anschaffungskosten nicht mehr als 410,00 € (ohne Mehrwertsteuer) oder 438,70 €/487,90 € (inkl. 7 %/19 % MwSt.), dürfen Sie die Anschaffungskosten in voller Höhe im Jahr der Anschaffung als Werbungskosten absetzen (R 9.12 LStR 2015). Das ist die Sofortabschreibung nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 7 Satz 2 EStG. Sie können aber auch die Abschreibung über die Nutzungsdauer wählen. Die Regelungen zur Abschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter im Betriebsvermögen gelten nicht für Werbungskosten aus nicht selbstständiger Arbeit.

Bei gemischt genutzten Arbeitsmitteln (z.B. Computer) kommt es auf den vollen Kaufpreis an, nicht auf die Höhe des beruflichen Anteils.

Abschreibung bei Anschaffungskosten über 410,00 € (ohne MwSt.)

Betragen die Anschaffungskosten mehr als 410,00 € (ohne MwSt., § 9b Abs. 1 EStG) oder 438,70 €/487,90 € (inkl. 7 %/19 % MwSt.), müssen Sie die Anschaffungskosten auf die voraussichtliche Nutzungsdauer des Arbeitsmittels verteilen, also abschreiben. Nur die jeweilige Jahresrate (Absetzung für Abnutzung, kurz: AfA) ist dann als Werbungskosten abziehbar (§ 9 Abs. 1 Nr. 7 EStG). Zulässig ist nur die lineare AfA.

Die Abschreibung beginnt im im Jahr der Anschaffung (Zeitpunkt der Lieferung) und muss im ersten Jahr monatsgenau erfolgen. Der Monat der Anschaffung zählt mit. Über welche Zeitdauer ein Arbeitsmittel abzuschreiben ist, ist in amtlichen AfA-Tabellen festgelegt. Grundsätzlich sind aber auch kürzere Nutzungsdauern möglich (z.B. bei besonders hohem technischen Verschleiß).

Sie haben sich am 14.5.2015 einen PC für 1.800,00 € inkl. MwSt. gekauft, den Sie beruflich nutzen. Bei einer Nutzungsdauer von drei Jahren beträgt die Jahres-AfA 600,00 € (1.800,00 € : 3). Als AfA dürfen Sie 2015 8/12 von 600,00 € = 400,00 € ansetzen. In den Jahren 2016 und 2017 können Sie die volle Jahres-AfA von 600,00 € und im Jahr 2018 den restlichen AfA-Betrag i.H.von 200,00 € ansetzen.

Kaufen Sie mehrere Gegenstände, gilt die Grenze von 410,00 € netto jeweils für den einzelnen Gegenstand. Nur wenn die Einzelteile nicht selbstständig nutzbar sind, werden sie zu einem einheitlichen Wirtschaftsgut zusammengefasst (BFH-Urteil vom 21.7.1998, III R 110/95, BStBl. 1998 II S. 789).

Eine versehentlich nicht angesetzte AfA können Sie nicht nachholen. Sie müssen vielmehr den zu hohen Restwert gleichmäßig auf die restliche Nutzungsdauer verteilen. Dadurch erhöhen sich die AfA-Beträge in den Folgejahren (H 7.4 unterlassene AfA EStH 2014).

Impressum AGB Kontakt Mediadaten Datenschutz
Seitenanfang