Samstag, 27.08.2016

Fahrtkosten

Im Rahmen einer Auswärtstätigkeit können Sie insbesondere folgende Fahrten steuerlich absetzen:

  • Fahrt von Ihrer Wohnung oder ersten Tätigkeitsstätte zum Zielort der Auswärtstätigkeit (auswärtige Tätigkeitsstätte, z.B. Filiale, oder Unterkunft, z.B. Hotel) und zurück;

  • Fahrten von einer auswärtigen Tätigkeitsstätte zur anderen sowie zwischen Tätigkeitsstätte und Unterkunft (H 9.5 Allgemeines LStH 2015);

  • Fahrt während der Auswärtstätigkeit zu einer Gaststätte zwecks Einnahme einer Mittagsmahlzeit (FG Baden-Württemberg vom 8.4.1992, 2 K 176/88, EFG 1992 S. 444);

  • Zwischenheimfahrten während einer längeren Auswärtstätigkeit (BFH-Urteil vom 24.4.1992, VI R 105/89, BStBl. 1992 II S. 664). Ob auch die Kosten für Besuchsfahrten des Ehepartners zum Tätigkeitsort des Steuerpflichtigen wegen dessen beruflicher Unabkömmlichkeit als Werbungskosten berücksichtigt werden können, ist Gegenstand einer Revision beim BFH (Az. VI R 22/14). Die Vorinstanz hatte dies bejaht (FG Münster vom 28.8.2013, 12 K 339/10 E, EFG 2014 S. 1289);

  • Fahrten innerhalb eines weiträumigen Tätigkeitsgebiets (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4a Satz 4 EStG);

  • Umweg zur Erledigung dienstlicher Besorgungen auf der Fahrt zu Ihrer ersten Tätigkeitsstätte, zum Beispiel zwecks Abholen der Geschäftspost;

  • Fahrten zu Vorstellungsgesprächen (R 9.4 Satz 2 LStR 2015);

  • Fahrten im Zusammenhang mit beruflicher Fortbildung außerhalb eines Ausbildungsdienstverhältnisses (z.B. während der Arbeitslosigkeit, Elternzeit oder zwischen Ausbildung und Berufsantritt);

  • Fahrten im Zusammenhang mit einem beruflich veranlassten Wohnungsumzug.

Reisen Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln, beispielsweise mit Bahn (auch erster Klasse), Straßenbahn, Bus, Flugzeug, Schiff, Taxi oder Mietwagen, können Sie Ihre Auslagen in voller Höhe als Werbungskosten absetzen (R 9.5 Abs. 1 Satz 2 LStR 2015).

Erwerben Sie eine BahnCard 25, 50 oder 100 der Deutschen Bahn, können Sie den Kaufpreis mit dem beruflichen Anteil als Werbungskosten absetzen. Dazu müssen Sie Ihre Gesamtfahrten aufteilen in privat bzw. zur ersten Tätigkeitsstätte unternommene Fahrten und Fahrten bei beruflicher Auswärtstätigkeit.

Führen Sie Fahrten bei Auswärtstätigkeit mit Ihrem eigenen Fahrzeug durch, können Sie Ihren tatsächlichen Kilometer-Kostensatz ansetzen. Wollen Sie die Kosten Ihres Autos nicht im Einzelnen nachweisen, können Sie alternativ Ihre Fahrtkosten mit der Reisekostenpauschale (auch Dienstreise- oder Kilometerpauschale genannt) abrechnen, und zwar für jeden gefahrenen Kilometer. Das gilt auch bei beruflichen Fahrten im Ausland mit Ihrem Pkw.

Erstattet Ihr Arbeitgeber die Reisekostenpauschale, können Sie in Ihrer Steuererklärung zum höheren Kilometer-Kostensatz wechseln und die Differenz als Werbungskosten geltend machen.

Wechseln Sie das Fahrzeug, ist auch während des Jahres ein Wechsel zum günstigeren Kostenansatz möglich (BFH-Urteil vom 7.4.1992, VI R 113/88, BStBl. 1992 II S. 854).

Handelt es sich um Dienstreisen mit einem Firmen- bzw. Dienstwagen, können Sie keine Reisekostenpauschale geltend machen, weil für diese Fahrten kein Nutzungswert versteuert wird (R 9.5 Abs. 2 Satz 3 LStR 2015). Das Gleiche gilt u.E. auch bei von einem Angehörigen kostenlos geliehenen Fahrzeug.

Fahren Sie wegen der beruflich veranlassten Mitnahme von Personen einen Umweg, gibt es seit 2014 keine Mitnahmepauschale mehr. Nur für den Umweg selbst sind u.E. die zusätzlichen Fahrtkilometer mit der Reisekostenpauschale absetzbar. Für die Mitnahme von Gepäck gibt es ebenfalls keine zusätzliche Pauschale.

Mit der Reisekostenpauschale sind alle gewöhnlichen, das heißt alle laufenden und typischen Fahrzeugkosten abgegolten: Abschreibung, Benzin, Inspektion, Kfz-Steuer, Kreditzinsen sowie Werkstattreparaturen infolge normalen Verschleißes.

Zusätzlich abziehbar sind aber außergewöhnliche Autokosten anlässlich einer beruflichen Fahrt, für die die Reisekostenpauschale zum Ansatz kommt (H 9.5 Pauschale Kilometersätze LStH 2015). Das sind Kosten wegen Unfalls, Beschädigungen, Diebstahls und nicht auf einem normalen Verschleiß beruhende Reparaturen (BFH-Beschluss vom 22.4.2009, VI B 128/08 ). Bei einem außergewöhnlichen Motorschaden sind die Reparaturkosten nur mit dem Anteil als Werbungskosten abzugsfähig, den die beruflich veranlassten Fahrten an der Gesamtfahrleistung des Pkw haben (FG Rheinland-Pfalz vom 24.6.2004, 6 K 1105/01, DStRE 2004 S. 1264).

Impressum AGB Kontakt Mediadaten Datenschutz
Seitenanfang