Dienstag, 29.07.2014

Weitere abziehbare Werbungskosten

Kontoführungsgebühren des Gehaltskontos

Gebühren für das Führen eines Gehaltskontos bei der Bank sind als Werbungskosten nur mit dem Teil abzugsfähig, der auf die Buchung von Gehaltsgutschriften entfällt (BFH-Urteil vom 9.5.1984, BStBl. 1984 II S. 560). Ebenfalls absetzbar sind Gebühren für beruflich veranlasste Überweisungen, z.B. zur Begleichung von Rechnungen für Fachliteratur, Arbeitsmittel usw. Aus Vereinfachungsgründen erkennen die Finanzämter einen Pauschbetrag von € 16,00 jährlich für beruflich veranlasste Überweisungen als Werbungskosten an (so auch FG München vom 22.9.2005, 10 K 1667/03).

Gebühren für Kreditkarten

Wenn Sie überzeugend darlegen können, dass Sie Ihre Kreditkarte so gut wie ausschließlich bei Auswärtstätigkeiten verwenden, sind die Gebühren in voller Höhe als Werbungskosten abzugsfähig. Ansonsten teilen Sie die Gebühren anhand des Umsatzvolumens auf die berufliche und private Nutzung auf.

Eigene Aufwendungen für das Dienstzimmer oder Büro

Als Werbungskosten abziehbar sind Gegenstände im Dienstzimmer/Büro, die Sie bei Ihrer beruflichen Tätigkeit nutzen und aus eigener Tasche bezahlt haben (BFH-Urteil vom 14.5.1991, BStBl. 1991 II S. 837). Dazu gehören z.B. ein Schreibtischstuhl oder eine Schreibtischlampe, nicht aber Bilder.

Betriebsausflug

Aufwendungen, die Ihnen durch die Teilnahme an einem Betriebsausflug entstehen, sind keine Werbungskosten (FG Düsseldorf vom 12.1.2004, 10 K 2335/00 E, EFG 2004 S. 645). Wenn Sie aber in offizieller Funktion für Ihren Arbeitgeber den Betriebsausflug des ganzen Betriebes bzw. der ganzen Dienststelle organisieren, vorbereiten oder leiten, oder wenn Sie rechtlich zur Teilnahme verpflichtet sind (z.B. Klassenlehrer beim Schulausflug), sind die Aufwendungen abziehbar wie bei Auswärtstätigkeiten.

Berufliche Krankheitskosten

Krankheitskosten sind beruflich veranlasst bei typischen Berufskrankheiten, bei einem Arbeitsunfall, Dienstunfall oder Unfall auf dem Weg zur Arbeit (BFH-Urteil vom 9.2.1962, VI 10/61 U, BStBl. 1962 III S. 235). Werbungskosten sind auch die Folgekosten eines Sportunfalls, wenn die Sportveranstaltung betrieblich veranlasst war (FG Rheinland-Pfalz vom 24.10.1989, 2 K 98/87, EFG 1990 S. 226). Sollte infolge eines Arbeitsunfalls eine Kur erforderlich werden, so sind auch die damit zusammenhängenden und Ihnen verbleibenden Aufwendungen als Werbungskosten absetzbar.

Die Aufwendungen, die nicht von der Krankenkasse, Krankenversicherung oder vom Träger der gesetzlichen Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft, Gemeindeunfallversicherungsverband) übernommen werden, sind in voller Höhe als Werbungskosten abziehbar.

Erleiden Sie auf der Fahrt zu oder von einem Arztbesuch, der der Behandlung eines Gesundheitsschadens aus einem Arbeits- bzw. Wegeunfall dient, einen Autounfall, dann sind auch die Reparaturkosten des Pkw als Werbungskosten ansatzfähig (Hessisches FG vom 14.4.1988, EFG 1988 S. 556).

Klassenfahrten/Gastlehrer

Fahren Sie als Lehrer als Betreuer bei einer Klassenfahrt mit, ist diese Reise beruflich veranlasst. Ihre Aufwendungen können Sie wie bei einer Auswärtstätigkeit absetzen (BFH-Urteil vom 11.5.1990, VI R 140/86, BStBl. 1990 II S. 777). Begleiten Sie Ihre Schüler als Aufsichtsperson ins Ausland, liegt eine mehrtägige Auslandsdienstreise vor. Nicht abziehbar sind dagegen die Aufwendungen für den mitfahrenden Ehepartner, selbst wenn dieser als Begleitperson teilnimmt (FG Saarland vom 28.2.1992, 1 K 389/91, EFG 1992 S. 442). Nimmt ein Berufsschüler an einer Klassenfahrt teil, kann er die dabei entstehenden Kosten absetzen, wenn die Teilnahme an der Klassenfahrt Pflicht ist (BFH-Urteil vom 7.2.1992, VI R 93/90, BStBl. 1992 II S. 531). Aufwendungen, die bei der Vorbereitung einer Klassenfahrt entstehen, sind ebenfalls als Werbungskosten abzugsfähig (z.B. Kosten für Reiseführer). Die Kosten einer Reise an das Ziel der Klassenfahrt zu deren Vorbereitung vor Ort werden nur anerkannt, wenn sich das Programm der Reise von dem einer »allgemeintouristischen« Reise unterscheidet (BFH-Urteil vom 27.4.2004, VI R 81/00, BFH/NV 2005 S. 42).

Nehmen Lehrer im Rahmen eines Schüleraustausches Gastlehrer bei sich auf, können sie die Unterkunfts- und Verpflegungskosten als Werbungskosten absetzen, wenn die Aufnahme beruflich veranlasst ist (BFH-Urteil vom 18.10.2007, VI R 43/04, BFH/NV 2008 S. 357).

Führerscheinkosten

Die Kosten für den Erwerb des EU-Führerschein (Klasse B) bzw. des alten Führerscheins Klasse III sind nicht als Werbungskosten abziehbar (BFH-Beschluss vom 15.2.2005, VI B 188/04, BFH/NV 2005 S. 890). Erwerben Sie auf Wunsch Ihres Arbeitgebers den Lkw-Führerschein, sind die Kosten dafür als Werbungskosten absetzbar (FG Münster vom 25.2.1998, 7 K 5197/96, EFG 1998 S. 941). Beruflich veranlasst ist auch der Erwerb des EU-Führerschein der Klasse C (LfSt Bayern vom 26.6.2009, DB 2009 S. 1902).

Verlust oder Beschädigung von Privatgegenständen

Vermögensschäden durch Verlust oder Beschädigung von privaten Gegenständen sind im Jahr der Entstehung als Werbungskosten abziehbar, wenn der Gegenstand ein Arbeitsmittel ist (das ist z.B. der zu mindestens 90 % beruflich genutzte Laptop) oder als Nichtarbeitsmittel gestohlen oder beschädigt wird, und zwar bei der beruflichen Verwendung (z.B. Verschmutzung der Privatkleidung während der Büroarbeit durch Druckertoner) oder aus in der Berufssphäre liegenden Gründen (z.B. beruflich bedingtes Rachedelikt: BFH-Urteil vom 19.3.1982, VI R 25/80, BStBl. 1982 II S. 442).

Wurde Ihnen Privatkleidung am Arbeitsplatz entwendet, ist der Schaden leider nicht als Werbungskosten absetzbar (FG Köln vom 8.6.1990, EFG 1991 S. 193). Wird die Kleidung während einer Auswärtstätigkeit geklaut (z.B. aus dem Hotelzimmer), ist ein Werbungskostenabzug möglich, wenn die Kleidung für die Auswärtstätigkeit notwendig war (z.B. Mantel, Anzug) und Sie die nötigen Sicherheitsvorkehrungen gegen Diebstahl getroffen hatten (BFH-Urteil vom 30.6.1995, VI R 26/95, BStBl. 1995 II S. 744).

Wurde Ihnen Geld, Scheck, Kreditkarte oder Schmuck am Arbeitsplatz oder bei einer beruflichen Reise gestohlen, ist das steuerlich unbeachtlich (betreffend eine Reise: BFH-Urteil vom 4.7.1986, VI R 227/83, BStBl. 1986 II S. 771); Ausnahme: Sie haben das Geld vom Arbeitgeber für einen bestimmten Zweck erhalten (z.B. Reisekostenvorschuss: FG Hamburg vom 13.10.1982, II 392/81, EFG 1983 S. 344) und von Ihrer privaten Barschaft getrennt aufbewahrt. Müssen Sie für den Verlust von Firmengeldern (z.B. Fehlbeträge in der Kasse) Ersatz leisten, sind das Werbungskosten (BFH-Urteil vom 11.7.1969, VI 68/65, BStBl. 1970 II S. 69).

Bei Beschädigung sind die Reparaturkosten abziehbar oder der nicht reparierte Schaden ist als Absetzung für außergewöhnliche Abnutzung (AfaA) ansetzbar. Bei Diebstahl oder Verlust kann nur der (fiktive) Restwert im Zeitpunkt des Schadenseintritts als AfaA geltend gemacht werden. Erstattungen der Versicherung müssen vom abziehbaren Betrag abgesetzt werden.

Ausgleichszahlung bei Scheidung

Leistet ein Beamter bei einer Scheidung im Rahmen des öffentlich-rechtlichen Versorgungsausgleichs an seine Ehefrau (oder umgekehrt) eine Ausgleichszahlung, um eine Minderung seiner späteren Versorgungsbezüge zu vermeiden, ist die Zahlung in voller Höhe als vorab entstandene Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit abziehbar (BFH-Urteil vom 8.3.2006, IX R 107/00, BStBl. 2006 II S. 446). Finanziert der Ausgleichspflichtige diese Zahlung durch ein Darlehen, zählen auch die Zinsen zu den Werbungskosten (BFH-Urteil vom 8.3.2006, IX R 78/01, BStBl. 2006 II S. 448). Werbungskosten liegen ebenfalls vor, wenn der Beamte für sich selbst Auffüllungsbeträge an seinen Dienstherrn zahlt (BMF-Schreiben vom 20.7.1981, BStBl. 1981 I S. 567).

Wer als Angestellter bei Scheidung für seinen Ehepartner im Rahmen des Versorgungsausgleichs Beiträge in dessen gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, geht steuerlich leer aus. Ein Werbungskostenabzug ist leider nicht möglich (FG Baden-Württemberg vom 12.12.2002, 10 K 288/96, EFG 2003 S. 1611; Revision X R 54/03 zurückgenommen). Leisten Sie Auffüllungsbeträge auf Ihr eigenes Rentenkonto, gehören diese zu den begrenzt als Sonderausgaben abziehbaren Altersvorsorgeaufwendungen. Direkte Zahlungen eines gesetzlich Rentenversicherten zählen weder zu den Werbungskosten noch zu den Sonderausgaben (Hessisches FG vom 21.2.2008, 13 K 1754/07, EFG 2008 S. 1366).

Sonstige Kosten

Zusätzlich können noch viele weitere Aufwendungen beruflich veranlasste Werbungskosten sein, zum Beispiel: bei einer beruflichen Auslandsfahrt gezahlte Bußgelder; die Anschaffungskosten für Büromaterial; die Aufwendungen aus der Inanspruchnahme einer beruflich veranlassten Bürgschaft; die mit der Teilnahme am auf die Dienstzeit angerechneten Dienstsport verbundenen Aufwendungen; der Kaufpreis für einen Fotoapparat bzw. Digitalkamera bei Fotografen, Journalisten oder Gutachtern; die GEZ-Gebühren für ein Autoradio in einem ausschließlich beruflich genutzten Fahrzeug (FG Düsseldorf vom 5.7.2000, 15 K 303/98 E, DStRE 2000 S. 1068) sowie für einen beruflich genutzten Computer mit Internetanschluss; die Anschaffungskosten für ein Hörgerät, wenn der Hörschaden eine Berufskrankheit ist (BFH-Beschluss vom 22.4.2003, VI B 275/00, BFH/NV 2004 S. 1052); in bestimmten Fällen Kinderbetreuungskosten; die Kosten für die Selbsthilfe von Mobbing-Opfern (Niedersächsisches FG vom 8.6.2006, 14 K 57/03, EFG 2007 S. 1013); der Kaufpreis eines Reisekoffers zur Mitnahme von Berufskleidung; eine bei der Arbeit nötige Schutzbrille; der Kaufpreis eines elektronischen Terminplaners (PDA) oder Taschenrechners bei fast ausschließlicher beruflicher Nutzung; der Versorgungszuschlag, den infolge der Privatisierung von Deutscher Bundesbahn und Deutscher Bundespost beurlaubte Beamte als Arbeitslohn versteuern müssen; Aufwendungen für den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit (BFH-Urteil vom 18.5.1984, VI R 130/80, BStBl. 1984 II S. 588; auch keine außergewöhnliche Belastung: FG Baden-Württemberg vom 15.6.1982, III 186/80, EFG 1983 S. 163); der Arbeitnehmeranteil zur Winterbeschäftigungs-Umlage im Bauhauptgewerbe, Dachdeckerhandwerk sowie Garten- und Landschaftsbau (Verfügung der OFD Koblenz vom 15.6.2007, DStR 2007 S. 1165). Das mit dieser Umlage u.a. finanzierte Zuschuss-Wintergeld und Mehraufwands-Wintergeld für die Arbeitnehmer dieser Branchen ist gemäß § 3 Nr. 2 EStG steuerfrei und unterliegt auch nicht dem Progressionsvorbehalt.

Müssen Sie wegen der Arbeitnehmerhaftung Schadenersatz leisten und erhalten Sie keine Leistungen von einer Versicherung, sind Ihre Ausgaben Werbungskosten, wenn der Schaden im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit steht (BFH-Urteil vom 6.2.1981, VI R 30/77, BStBl. 1981 II S. 362).

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