Samstag, 01.10.2016

Weitere abziehbare Werbungskosten

Kontoführungsgebühren des Gehaltskontos

Gebühren für das Führen eines Gehaltskontos bei der Bank sind als Werbungskosten nur mit dem Teil abzugsfähig, der auf die Buchung von Gehaltsgutschriften entfällt (BFH-Urteil vom 9.5.1984, VI R 63/80, BStBl. 1984 II S. 560). Ebenfalls absetzbar sind Gebühren für beruflich veranlasste Überweisungen, z.B. zur Begleichung von Rechnungen für Fachliteratur, Arbeitsmittel usw. Aus Vereinfachungsgründen erkennen die Finanzämter einen Pauschbetrag von 16,00 € jährlich für beruflich veranlasste Überweisungen als Werbungskosten an (so auch FG München vom 22.9.2005, 10 K 1667/03 ).

Gebühren für Kreditkarten

Wenn Sie anhand von Belegen nachweisen können, dass Sie Ihre Kreditkarte so gut wie ausschließlich bei Auswärtstätigkeiten verwenden, sind die Gebühren in voller Höhe als Werbungskosten abzugsfähig. Ansonsten teilen Sie die Gebühren anhand des Umsatzvolumens auf die berufliche und private Nutzung auf.

Betriebsausflug

Aufwendungen, die Ihnen durch die Teilnahme an einem Betriebsausflug entstehen, sind keine Werbungskosten (FG Düsseldorf vom 12.1.2004, 10 K 2335/00 E, EFG 2004 S. 645). Wenn Sie aber in offizieller Funktion für Ihren Arbeitgeber den Betriebsausflug des ganzen Betriebes bzw. der ganzen Dienststelle organisieren, vorbereiten oder leiten, oder wenn Sie rechtlich zur Teilnahme verpflichtet sind (z.B. Klassenlehrer beim Schulausflug), sind die Aufwendungen abziehbar wie bei Auswärtstätigkeiten.

Berufliche Krankheitskosten

Krankheitskosten sind beruflich veranlasst insbesondere bei typischen Berufskrankheiten, die der Gesetzgeber in der Berufskrankheiten-Verordnung aufgelistet hat. Berufsbedingt sind auch ein Arbeitsunfall, Dienstunfall oder Unfall auf dem Weg zur Arbeit (BFH-Urteil vom 9.2.1962, VI 10/61 U, BStBl. III 1962 S. 235). Werbungskosten sind auch die Folgekosten eines Sportunfalls, wenn die Sportveranstaltung betrieblich veranlasst war (FG Rheinland-Pfalz vom 24.10.1989, 2 K 98/87, EFG 1990 S. 226).

Ausnahmsweise wurden auch die Kosten einer Berufsmusikerin für die Behandlung eines Schultergelenkleidens als Werbungskosten anerkannt (Sächsisches FG vom 26.10.2010, 5 K 435/06 ), ebenso können die Kosten einer Dispokinese-Therapie Werbungskosten sein (BFH-Urteil vom 17.7.2013, VI R 37/12, DStR 2013 S. 6).

Beim Mobbing am Arbeitsplatz durch Vorgesetzte, Kollegen oder Schüler besteht u.E. ein Zusammenhang zwischen dem Beruf und der Krankheit als Folge des Mobbings. Anerkannt wurden zum Beispiel Kosten für die Teilnahme an einer Mobbing-Selbsthilfegruppe (Niedersächsisches FG vom 8.6.2006, 14 K 57/03, EFG 2007 S. 1013) oder eine stationäre Behandlung in einer Privatklinik (FG Rheinland-Pfalz vom 22.8.2012, 2 K 1152/12 ). Wichtig: Sie müssen Nachweise dafür erbringen, dass Sie gemobbt werden. Betroffene sollten die Vorfälle protokollieren und schriftliche Beschwerden an die Adresse des Arbeitgebers richten. Ob Burn-out eine typische Berufskrankheit ist, muss der BFH noch klären (Az. VI R 36/13).

Sollte infolge eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit eine Kur erforderlich werden, so sind auch die damit zusammenhängenden und Ihnen verbleibenden Aufwendungen als Werbungskosten absetzbar (FG Baden-Württemberg vom 16.7.2010, 10 K 4686/09, EFG 2011 S. 433).

Erleiden Sie auf der Fahrt zu oder von einem Arztbesuch, der der Behandlung eines Gesundheitsschadens aus einem Arbeits- bzw. Wegeunfall dient, einen Autounfall, dann sind auch die Reparaturkosten des Pkw als Werbungskosten ansatzfähig (Hessisches FG vom 14.4.1988, EFG 1988 S. 556).

Die Aufwendungen, die nicht von der Krankenkasse, Krankenversicherung oder vom Träger der gesetzlichen Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft, Gemeindeunfallversicherungsverband) übernommen werden, sind in voller Höhe als Werbungskosten abziehbar.

Klassenfahrten/Gastlehrer

Fahren Sie als Lehrer als Betreuer bei einer Klassenfahrt mit, ist diese Reise beruflich veranlasst. Ihre Aufwendungen können Sie wie bei einer Auswärtstätigkeit absetzen (BFH-Urteil vom 11.5.1990, VI R 140/86, BStBl. 1990 II S. 777). Begleiten Sie Ihre Schüler als Aufsichtsperson ins Ausland, liegt eine mehrtägige Auslandsdienstreise vor. Nicht abziehbar sind dagegen die Aufwendungen für den mitfahrenden Ehepartner, selbst wenn dieser als Begleitperson teilnimmt (FG Saarland vom 28.2.1992, 1 K 389/91, EFG 1992 S. 442).

Nimmt ein Berufsschüler an einer Klassenfahrt teil, kann er die dabei entstehenden Kosten absetzen, wenn die Teilnahme an der Klassenfahrt Pflicht ist (BFH-Urteil vom 7.2.1992, VI R 93/90, BStBl. 1992 II S. 531).

Aufwendungen, die bei der Vorbereitung einer Klassenfahrt entstehen, sind ebenfalls als Werbungskosten abzugsfähig (z.B. Kosten für Reiseführer). Die Kosten einer Reise an das Ziel der Klassenfahrt zu deren Vorbereitung vor Ort werden nur anerkannt, wenn sich das Programm der Reise von dem einer allgemeintouristischen Reise unterscheidet (BFH-Urteil vom 27.4.2004, VI R 81/00, BFH/NV 2005 S. 42).

Nehmen Lehrer im Rahmen eines Schüleraustausches Gastlehrer bei sich auf, können sie die Unterkunfts- und Verpflegungskosten als Werbungskosten absetzen, wenn die Aufnahme beruflich veranlasst ist (BFH-Urteil vom 18.10.2007, VI R 43/04, BFH/NV 2008 S. 357).

Führerscheinkosten

Kosten für die Erlangung des Führerscheins sind Werbungskosten, wenn dieser Voraussetzung für die Berufsausübung ist (z.B. für Lkw-, Bus- oder Taxifahrer). Aufwendungen für den Erwerb des Führerscheins Klasse B (Pkw) sind nicht absetzbar, auch wenn Arbeitnehmer für die Fahrten zur Arbeit auf einen Pkw angewiesen sind (BFH-Beschluss vom 15.2.2005, VI B 188/04, BFH/NV 2005 S. 890). Beruflich veranlasst ist auch der Erwerb des EU-Führerschein der Klasse C (LfSt Bayern 26.6.2009, DB 2009 S. 1902).

Verlust oder Beschädigung von Privatgegenständen

Vermögensschäden durch Verlust oder Beschädigung von privaten Gegenständen sind im Jahr der Entstehung als Werbungskosten abziehbar, wenn der Gegenstand ein Arbeitsmittel ist (das ist z.B. der zu mindestens 90 % beruflich genutzte Laptop) oder als Nichtarbeitsmittel gestohlen oder beschädigt wird, und zwar bei der beruflichen Verwendung (z.B. Verschmutzung der Privatkleidung während der Büroarbeit durch Druckertoner) oder aus in der Berufssphäre liegenden Gründen (z.B. beruflich bedingtes Rachedelikt: BFH-Urteil vom 19.3.1982, VI R 25/80, BStBl. 1982 II S. 442).

Wurde Ihnen Privatkleidung am Arbeitsplatz entwendet, ist der Schaden leider nicht als Werbungskosten absetzbar (FG Köln vom 8.6.1990, fehlt, EFG 1991 S. 193). Wird die Kleidung während einer Auswärtstätigkeit geklaut (z.B. aus dem Hotelzimmer), ist ein Werbungskostenabzug möglich, wenn die Kleidung für die Auswärtstätigkeit notwendig war (z.B. Mantel, Anzug) und Sie die nötigen Sicherheitsvorkehrungen gegen Diebstahl getroffen hatten (BFH-Urteil vom 30.6.1995, VI R 26/95, BStBl. 1995 II S. 744).

Wurde Ihnen Geld, Scheck, Kreditkarte oder Schmuck am Arbeitsplatz oder bei einer beruflichen Reise gestohlen, ist das steuerlich unbeachtlich (betreffend eine Reise: BFH-Urteil vom 4.7.1986, VI R 227/83, BStBl. 1986 II S. 771); Ausnahme: Sie haben das Geld vom Arbeitgeber für einen bestimmten Zweck erhalten (z.B. Reisekostenvorschuss: FG Hamburg vom 13.10.1982, II 392/81, EFG 1983 S. 344) und von Ihrer privaten Barschaft getrennt aufbewahrt. Müssen Sie für den Verlust von Firmengeldern (z.B. Fehlbeträge in der Kasse) Ersatz leisten, sind das Werbungskosten (BFH-Urteil vom 11.7.1969, VI 68/65, BStBl. 1970 II S. 69).

Bei Beschädigung sind die Reparaturkosten abziehbar oder der nicht reparierte Schaden ist als Absetzung für außergewöhnliche Abnutzung (AfaA) ansetzbar. Bei Diebstahl oder Verlust kann nur der (fiktive) Restwert im Zeitpunkt des Schadenseintritts als AfaA geltend gemacht werden. Erstattungen der Versicherung müssen vom abziehbaren Betrag abgesetzt werden.

Sonstige Kosten

Zusätzlich können noch viele weitere Aufwendungen beruflich veranlasste Werbungskosten sein, zum Beispiel: die Anschaffungskosten für Büromaterial; die Aufwendungen aus der Inanspruchnahme einer beruflich veranlassten Bürgschaft; Verzicht auf eine noch werthaltige Darlehensforderung gegenüber dem Arbeitgeber (BFH-Urteil vom 25.11.2010, VI R 34/08, BFH/NV 2011 S. 680); die mit der Teilnahme am auf die Dienstzeit angerechneten Dienstsport verbundenen Aufwendungen; der Kaufpreis für beruflich genutzte Gegenstände im Dienstzimmer/Büro, jedoch keine Ausschmückungen (BFH-Urteil vom 14.5.1991, VI R 119/88, BStBl. 1991 II S. 837); der Kaufpreis für einen Fotoapparat bzw. Digitalkamera bei Fotografen, Journalisten oder Gutachtern; die GEZ-Gebühren (Rundfunkgebühren) für ein Autoradio in einem ausschließlich beruflich genutzten Fahrzeug (FG Düsseldorf vom 5.7.2000, 15 K 303/98 E, DStRE 2000 S. 1068) sowie für einen beruflich genutzten Computer mit Internetanschluss; die Anschaffungskosten für ein Hörgerät, wenn der Hörschaden eine Berufskrankheit ist (BFH-Beschluss vom 22.4.2003, VI B 275/00, BFH/NV 2004 S. 1052); der Kaufpreis eines Reisekoffers zur Mitnahme von Berufskleidung; die Kosten für einen Reisepass samt Passbilder (FG Saarland vom 22.1.2014, 1 K 1441/12, EFG 2014 S. 828); eine bei der Arbeit nötige Schutzbrille; der Kaufpreis eines elektronischen Terminplaners (PDA) oder Taschenrechners bei fast ausschließlicher beruflicher Nutzung; der Versorgungszuschlag, den infolge der Privatisierung von Deutscher Bundesbahn und Deutscher Bundespost beurlaubte Beamte als Arbeitslohn versteuern müssen; der Arbeitnehmeranteil zur Winterbeschäftigungs-Umlage im Bauhauptgewerbe, Dachdeckerhandwerk sowie Garten- und Landschaftsbau (Verfügung der OFD Koblenz vom 15.6.2007, DStR 2007 S. 1165). Das mit dieser Umlage u.a. finanzierte Zuschuss-Wintergeld und Mehraufwands-Wintergeld für die Arbeitnehmer dieser Branchen ist gemäß § 3 Nr. 2 EStG steuerfrei und unterliegt auch nicht dem Progressionsvorbehalt.

Müssen Sie wegen der Arbeitnehmerhaftung Schadenersatz leisten und erhalten Sie keine Leistungen von einer Versicherung, sind Ihre Ausgaben Werbungskosten, wenn der Schaden im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit steht (BFH-Urteil vom 6.2.1981, VI R 30/77, BStBl. 1981 II S. 362).

Nicht abziehbar sind z.B. Aufwendungen für den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit (BFH-Urteil vom 18.5.1984, VI R 130/80, BStBl. 1984 II S. 588; auch keine außergewöhnliche Belastung: FG Baden-Württemberg vom 15.6.1982, III 186/80, EFG 1983 S. 163) oder um die eigenen Kinder zur Schule zu bringen (FG Rheinland-Pfalz vom 22.6.2011, 2 K 1885/10 ), der Mitgliedsbeitrag für einen Golfklub (FG Köln vom 16.6.2011, 10 K 3761/08, EFG 2011 S. 1782), der Verlust aus dem Verkauf von Belegschaftsaktien (FG Nürnberg vom 22.10.2010, 1 K 1846/2007, DStRE 2011 S. 346).

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