Donnerstag, 23.11.2017

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Das Grundprinzip einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) zur Ermittlung der Einkünfte (Gewinn oder Verlust) sieht wie folgt aus (§ 4 Abs. 3 EStG):

Betriebseinnahmen

./.

Betriebsausgaben

=

Gewinn oder Verlust

Sie erfassen also einfach Ihre Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben – für jede selbstständige Tätigkeit getrennt – und stellen sie einander gegenüber. Einen Kontenplan (wie etwa den Spezialkontenrahmen SKR 04 von DATEV) benötigen Sie dafür nicht. Das Ergebnis dieser Rechnung, also Ihr Gewinn oder Verlust für den betreffenden Veranlagungszeitraum, ist in der Anlage S einzutragen. Dem Finanzamt müssen Sie Ihre EÜR, die Anlage S sowie ggf. ein Anlagenverzeichnis vorlegen, Ihre Einzelbelege aber nur auf Aufforderung.

Ihre Einnahmen-Überschuss-Rechnung können Sie mit dem Teilprogramm Gewinnermittlung erstellen. Der dort ermittelte Gewinn oder Verlust ist dann von Ihnen noch in das Hauptprogramm Steuererklärung in die Eingabemaske Selbstständige oder freiberufliche Tätigkeit zu importieren.

Der ermittelte Gewinn bzw. Verlust geht in Ihren Gesamtbetrag der Einkünfte ein und erhöht bzw. senkt damit das nach dem Grund- oder Splittingtarif zu versteuernde Einkommen. Die sog. Thesaurierungsbegünstigung gemäß § 34a EStG – das heißt die mit einem Steuersatz von nur 28,25 % ermäßigte Besteuerung des nicht entnommenen Gewinns – ist nur für bilanzierende Einzelunternehmer und Mitunternehmer einer Personengesellschaft möglich.

Es gilt grundsätzlich das Zufluss- und Abflussprinzip

Bei der Erstellung einer EÜR gilt steuerlich das Zufluss- und Abflussprinzip, das heißt, Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben werden im Jahr der Zahlung erfasst § 11 EStG. Ausnahmsweise sind gemäß § 11 Abs. 1 Satz 2 EStG Zahlungen zwingend im Jahr der wirtschaftlichen Zugehörigkeit zu erfassen, wenn es sich um regelmäßig monatlich, vierteljährlich oder jährlich wiederkehrende Einnahmen oder Ausgaben handelt, die innerhalb von 10 Tagen um den Jahreswechsel herum geleistet werden (22.12. bis 10.1.) und in diesem Zeitraum fällig sind (z.B. Mieten, Zinsen, Löhne, Versicherungen). Eine weitere Ausnahme gibt es bei bestimmtem Umlaufvermögen. Die Anschaffungskosten von Anlagegütern werden über die Nutzungsdauer verteilt abgeschrieben.

Bei Zahlung mit EC-Karte bzw. Kreditkarte ist für die Betriebsausgabe nicht der Zeitpunkt der Abbuchung vom Bankkonto entscheidend, sondern das davor liegende Datum des Buchungsbelegs bzw. der Unterschrift auf dem Belastungsbeleg (FG Rheinland-Pfalz vom 18.3.2013, 5 K 1875/10, EFG 2013 S. 1029) bzw. des getätigten Kaufs im Internet, bei Scheckzahlung der Tag der persönlichen Übergabe bzw. Aufgabe zur Post (Entgegennahme des gedeckten Schecks), bei Überweisung der Tag des Eingangs des Überweisungsträgers bei der Bank (Gutschrift auf dem Konto), bei einer Lastschrift der Tag der Abbuchung (Gutschrift auf dem Konto).

Durchlaufende Posten (z.B. von Anwälten gezahlte Gerichtskostenvorschüsse für Mandanten, Weiterleitung von TÜV-Gebühren durch eine Fahrschule für die Fahrprüfung) sind keine Betriebseinnahmen und gehören daher nicht in die EÜR. Bei der Weiterberechnung eines durchlaufenden Postens an den Mandanten darf keine Umsatzsteuer ausgewiesen werden.

Haben Sie Ausgaben für eine Nutzungsüberlassung von mehr als fünf Jahren im Voraus geleistet – für Immobilienleasing ab 2004, für Mobilienleasing ab 2005 (BMF vom 5.4.2005, BStBl. 2005 I S. 617) –, müssen Sie diese gleichmäßig auf den Zeitraum verteilen, für den die Vorauszahlung geleistet wird (§ 11 Abs. 2 Satz 3 EStG), bei entsprechenden Betriebseinnahmen haben Sie ein Wahlrecht (§ 11 Abs. 1 Satz 3 EStG).

Forderungen aus Warenverkäufen und Dienstleistungen

Haben Sie an einen Kunden Waren geliefert oder ihm eine Dienstleistung erbracht, müssen Sie eine entsprechende Betriebseinnahme erst dann »verbuchen«, wenn der Kunde Ihre Rechnung bezahlt oder angezahlt hat. Wann Ihre Forderung fällig wird oder Sie die Rechnung geschrieben haben, ist unerheblich. Auch Vorschüsse oder Nachzahlungen sind im Jahr der Zahlung steuerlich als Einnahme zu erfassen.

Sogar wenn bei Erstellen der Einnahmen-Überschuss-Rechnung feststeht, dass Sie den erhaltenen Betrag wieder zurückzahlen müssen, müssen Sie ihn zunächst als Betriebseinnahme versteuern. Verrechnen Sie Ihre Forderung mit einem Gegenanspruch des Kunden, gilt das trotzdem als Betriebseinnahme. Verzichten Sie auf eine Forderung nicht aus betrieblichen, sondern aus privaten Gründen, wird Ihnen eine fiktive Betriebseinnahme zugerechnet.

Bei Ärzten fließt das Honorar erst mit Überweisung seines Anteils durch die kassenärztliche Vereinigung zu (H 11 Arzthonorar EStH 2014). Honorare von Privatpatienten, die durch eine privatärztliche Verrechnungsstelle eingezogen werden, sind dem Arzt bereits mit dem Eingang bei dieser Stelle zugeflossen (R 11 Vereinnahmung und Verausgabung EStR 2012).

Provisionen eines Versicherungsvertreters, die auf einem Kautionskonto zur Sicherung von Gegenforderungen des Versicherungsunternehmens gutgeschrieben werden, sind bereits mit der Gutschrift zugeflossen.

Verbindlichkeiten aus Wareneinkäufen und Dienstleistungen

Haben Sie von einem Lieferanten Waren bezogen oder eine Dienstleistung in Anspruch genommen, dürfen Sie eine entsprechende Betriebsausgabe erst dann buchen, wenn Sie die Rechnung dafür bezahlt haben. Wie bei den Betriebseinnahmen spielt es auch hier keine Rolle, für welches Jahr Sie eine Zahlung geleistet haben, ob bereits eine Zahlungsverpflichtung bestand, ob es sich um eine Nachzahlung für mehrere Jahre oder um eine Vorauszahlung für künftige Jahre handelte. Somit haben Sie die steuerliche Gestaltungsmöglichkeit, Betriebsausgaben in gewünschte Kalenderjahre zu verlagern.

Warenbestände, ungewisse Verbindlichkeiten, Wertminderungen

Der Einkauf von Waren oder Vorräten wirkt sich erst zum Zeitpunkt der Bezahlung als Betriebsausgabe aus. Wie viel von den Vorräten verbraucht wird, ist unerheblich. Rückstellungen für der Höhe nach ungewisse Schulden dürfen nicht gebildet werden, eine Teilwertabschreibung bei Wertverlust des Betriebsvermögens ist nicht möglich.

Die Anlage EÜR

Wenn Sie sich an die Steuererklärung seit dem Veranlagungszeitraum 2005 machen, müssen Sie eine Gewinnermittlung nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck beifügen (§ 60 Abs. 4, § 84 Abs. 3c EStDV), nämlich die Anlage EÜR. Diese Abgabeverpflichtung ist rechtens (BFH-Urteil vom 16.11.2011, X R 18/09, BStBl. 2012 II S. 129). Die Anlage EÜR müssen Sie seit 2011 per Elster an das Finanzamt übersenden (ausgenommen in Härtefällen: kein Computer, kein Internet).

Liegen Ihre Betriebseinnahmen (ink. Umsatzsteuer), also der Umsatz im betreffenden Jahr, unter 17.500,00 € (Nichtbeanstandungsgrenze der Finanzverwaltung), können Sie freiwillig eine Anlage EÜR abgeben oder Ihre Einnahmen-Überschuss-Rechnung formlos erstellen (entspricht im Programm Gewinnermittlung dem Ergebnis). Ein Elster-Versand ist dann nicht erforderlich (BMF-Schreiben vom 2.10.2014, BStBl. 2014 I S. 1153). Diese Grenze gilt auch bei Aufnahme Ihrer selbstständigen Tätigkeit erst während des Jahres. Mit Betriebseinnahmen ist u.E. die Summe der Betriebseinnahmen auf Seite 1 der Anlage EÜR gemeint.

Wenn ein Unternehmer mehrere Betriebe mit eigener Buchführung hat (etwa eine gewerbliche und eine freiberufliche Tätigkeit ausübt), muss er für jeden Betrieb eine eigene Anlage EÜR abgeben. Die Art der Tätigkeit wird in die Zeile 5 des Formulars eingetragen. Eintragungen machen Sie nur in den weißen Feldern des Formulars. Wird ein Betrieb im Laufe des Jahres gegründet oder aufgegeben, sind u.E. die Betriebseinnahmen nicht auf einen Jahresbetrag hochzurechnen.

Geben Sie die Anlage EÜR trotz Überschreitens der Nichtbeanstandungsgrenze nicht ab, sondern machen Ihre EÜR formlos, liegt nach Auffassung der Finanzverwaltung keine gültige Einnahmen-Überschuss-Rechnung vor. In diesem Fall wird das Finanzamt ein Zwangsgeld festsetzen (aber keinen Verspätungszuschlag), um die Abgabe des Formulars zu erzwingen (§ 329 AO).

Sind Sie umsatzsteuerpflichtig, tragen Sie auf der Seite 1 der Anlage EÜR Ihre Betriebseinnahmen als Netto-Jahresbetrag in die Zeile umsatzsteuerpflichtige Betriebseinnahmen und die von Ihren Kunden eingenommene Mehrwertsteuer in die Zeile Vereinnahmte Umsatzsteuer ein. Umsatzsteuerrückerstattungen des Finanzamtes (z.B. aufgrund einer USt-Voranmeldung oder USt-Jahreserklärung) gehören gesondert in die Zeile Vom Finanzamt erstattete und ggf. verrechnete Umsatzsteuer. Sind Sie nicht umsatzsteuerpflichtig, tragen Sie auf der Seite 1 Ihre Betriebseinnahmen als Brutto-Jahresbetrag in die Zeile umsatzsteuerfreie Betriebseinnahmen ein. Kleinunternehmer füllen die Zeile Betriebseinnahmen als umsatzsteuerlicher Kleinunternehmer aus. Nicht einkommensteuerpflichtige Einnahmen wie z.B. die Investitionszulage, Überbrückungsgeld, Gründungszuschuss (§ 3 Nr. 2 EStG) sind nicht anzugeben.

Auf den Seiten 1 und 2 der Anlage EÜR haben umsatzsteuerpflichtige Unternehmer die Betriebsausgaben als Nettobeträge in die passende Ausgabenzeile sowie die an Lieferanten bezahlte Mehrwertsteuer in die Zeile Gezahlte Vorsteuerbeträge einzutragen. Dagegen müssen Kleinunternehmer, Unternehmer mit ausschließlich umsatzsteuerfreien Umsätzen und Unternehmer mit pauschaler Vorsteuerermittlung hier die Brutto-Betriebsausgaben einsetzen. Bei Inanspruchnahme einer Betriebsausgabenpauschale oder des Freibetrages nach § 3 Nr. 26 EStG ist der entsprechende Euro-Betrag in die gleichnamige Zeile im Abschnitt Betriebsausgaben zu vermerken. Umsatzsteuerzahlungen ans Finanzamt (z.B. aufgrund einer USt-Voranmeldung oder USt-Jahreserklärung) gehören gesondert in die Zeile An das Finanzamt gezahlte und ggf. verrechnete Umsatzsteuer.

Auf der Seite 3 folgt die Ermittlung des Gewinns als Differenz zwischen Summe der Betriebseinnahmen und Summe der Betriebsausgaben und ergänzende Angaben, etwa zu Rücklagen, Abzug gebildeter und Hinzurechnung aufgelöster Investitionsabzugsbeträge, Gewinnzuschlag von 6 % p.a., wenn eine steuermindernde Rücklage nach § 6c EStG ohne erfolgte Neuanschaffung aufgelöst wurde, Gewinn- bzw. Verlustanteile aus Beteiligungen an Personengesellschaften (z.B. Sozietät; wird keine Anlage EÜR abgegeben, sind die Anteile in der Anlage G bzw. S einzutragen), und Entnahmen (Privatanteile z.B. für Betriebs-Pkw, -Telefon) bzw. Einlagen (z.B.des Privat-Pkw) bei erfolgten Ansatz von Schuldzinsen als Betriebsausgaben. Den Gewinn bzw. Verlust übertragen Sie anschließend bei gewerblicher Tätigkeit in die Anlage G und bei freiberuflicher Tätigkeit in die Anlage S.

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