Donnerstag, 23.10.2014

Abschreibungen auf Anlagevermögen

Was wird abgeschrieben?

Wenn Sie für Ihren Betrieb Wirtschaftsgüter anschaffen oder herstellen, die zum Betriebsvermögen zählen und die mehrere Jahre lang betrieblich genutzt werden, dann können Sie die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten dieses sog. betrieblichen Anlagevermögens nur in Form jährlicher Abschreibungsbeträge als Betriebsausgaben abziehen (§ 7 Abs. 1 EStG). Anschaffungskosten sind alle Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Kauf und der Inbetriebnahme des Wirtschaftsgutes (z.B. Lieferkosten, Steuern und Abgaben, Montagekosten, Bearbeitungsgebühren). Unterliegen Sie der Umsatzsteuer, zählt nur der von Ihnen gezahlte Nettopreis zu den Anschaffungskosten; die auf der Rechnung ausgewiesene Umsatzsteuer können Sie sofort als Betriebsausgabe abziehen. Sind Sie nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt, gehört die Umsatzsteuer zu den abschreibbaren Anschaffungskosten.

Bei einer Einlage aus dem Privatvermögen ins Betriebsvermögen ist der Einlagewert (i.d.R. der Teilwert) Bemessungsgrundlage für die Abschreibung (→Einlage). War das Wirtschaftsgut aber vor der Einlage im Rahmen von Überschusseinkünften (z.B. Arbeitnehmereinkünfte) genutzt worden, gilt zur Vermeidung doppelter Abschreibungen als Bemessungsgrundlage für die Abschreibung der Restwert, also die ursprünglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten (AHK) abzüglich der bisherigen Abschreibungen (§ 7 Abs. 1 Satz 5 EStG).

Bei der Einlage von Gebäuden aus dem Privat- ins Betriebsvermögen ist aber im Falle von Wertsteigerungen der Ansatz der niedrigeren AHK anstelle des Teilwertes (aktueller Marktwert zum Zeitpunkt der Einlage) von Nachteil, weil dann die künftigen Abschreibungen niedriger sind. Entgegen der Auffassung der Finanzverwaltung (R 7.3 Abs. 6 EStR 2008) hat der BFH den Ansatz des Teilwerts zugelassen (BFH-Urteil vom 18.8.2009, X R 40/06, BFH/NV 2010 S. 283).

Beginn, Höhe und Dauer der Abschreibung

Bei Kauf fällt der Abschreibungsbeginn mit dem Zeitpunkt der Anschaffung zusammen, das heißt dem auf dem Lieferschein angegebenen Tag der Lieferung (R 7.4 Abs. 1 EStR 2008). Der Zeitpunkt der Bezahlung spielt für den Abschreibungsbeginn keine Rolle; das gilt auch bei einem Ratenkauf. Manchmal beginnt die Abschreibung auch erst mit der Inbetriebnahme des Anlagegutes (z.B. bei Zulassung). Bei eigener Herstellung des Wirtschaftsgutes beginnt die Abschreibung mit dem Zeitpunkt der Fertigstellung. Im Jahr der Anschaffung oder Herstellung müssen Sie monatsweise abschreiben (§ 7 Abs. 1 Satz 4 EStG).

Auf die jährliche Abschreibung dürfen Sie nicht verzichten, sonst geht sie verloren (BFH-Urteil vom 8.4.2008, VIII R 64/06, BFH/NV 2008 S. 1660). Haben Sie in einem Jahr die Abschreibung bei einem beweglichen Wirtschaftsgut aber versehentlich nur vergessen, dürfen die künftigen AfA-Beträge entsprechend erhöht werden (BFH-Urteil vom 3.7.1980, BStBl. 1981 II S. 255). Ob eine insgesamt unterlassene Abschreibung für Wirtschaftsgüter des notwendigen Betriebsvermögens noch nachgeholt werden kann, muss der BFH klären (Az. VIII R 3/08).

Scheidet ein Wirtschaftsgut aus dem Betriebsvermögen aus, steht Ihnen im letzten Jahr nur noch die zeitanteilige AfA zu. Der Restbuchwert, der danach noch übrig bleibt, ist anschließend als Betriebsausgabe auszubuchen. Endet dagegen bei einem Wirtschaftsgut im Privatvermögen die Einkunftserzielung, geht das bis dahin noch nicht verbrauchte AfA-Volumen steuerlich endgültig verloren.

Wenn Sie ein Wirtschaftsgut gebraucht kaufen oder es aus Ihrem Privatvermögen in den Betrieb einlegen, richtet sich die Nutzungsdauer nach der Zeit, die das Wirtschaftsgut voraussichtlich noch betrieblich genutzt wird (BFH-Urteil vom 19.5.1976, BStBl. 1977 II S. 60). Wenn Sie Gegenstände des Privatvermögens für Ihren Betrieb einsetzen, dann sollten Sie unbedingt die anteilige Abschreibung in Ihrer Einnahmen-Überschuss-Rechnung ansetzen. Zulässig ist dafür nur die Sofortabschreibung für geringwertige Wirtschaftsgüter und die lineare Abschreibung.

Die Höhe der Abschreibung (AfA) richtet sich vor allem nach der »technischen Nutzungsdauer«, das heißt, wie lange das Wirtschaftsgut voraussichtlich genutzt werden kann. Das Bundesfinanzministerium hat eine amtliche AfA-Tabelle für allgemein verwendbare Wirtschaftsgüter herausgegeben.

Auszug aus der amtlichen AfA-Tabelle1)

(in Klammern die Werte bei Anschaffung bis 31.12.2000)

Allgemein verwendbare Anlagegüter

Technische Nutzungsdauer in Jahren

Aktenvernichter

Autotelefon

Büromöbel

Computer, Drucker, Scanner u.Ä.

Handy

Faxgerät

Kopierer

Ladeneinrichtung

Lkw

Pkw2)

Fotovoltaikanlage

Schreibmaschine

Telefon (Kommunikationsendgerät)

8(5)

5(4)

13(10)

3(4)

5(4)

6(5)

7(5)

8(7)

9(7)

6(5)

20(20)

9(5)

8(6)

Für die Abschreibung betriebswirtschaftlicher Softwaresysteme (ERP-Software) ist grundsätzlich eine Nutzungsdauer von fünf Jahren anzusetzen (BMF-Schreiben vom 18.11.2005, BStBl. 2005 I S. 1025), für Anwendungssoftware (z.B. Buchführungsprogramm) drei Jahre oder Sofortabschreibung als GWG. Aus Vereinfachungsgründen behandelt die Finanzverwaltung alle Computerprogramme mit einem Kaufpreis bis zu € 450,00 als GWG (R 5.5 Abs. 1 EStR 2008).

Für einzelne Industriezweige gibt es spezielle Branchentabellen, die im Fachbuchhandel erhältlich sind.

Jede Verkürzung der amtlich vorgegebenen Nutzungsdauern in der Einnahmen-Überschuss-Rechnung muss dem Finanzamt begründet werden (z.B. wegen technischer Überholung). Haben Sie zunächst versehentlich eine zu hohe Nutzungsdauer angesetzt, können Sie das korrigieren. Verteilen Sie dazu den Restbuchwert auf die Restnutzungsdauer, denn die früheren Steuerbescheide sind nur änderbar, wenn sie noch nicht bestandskräftig sind.

Das Anlagenverzeichnis

Bei Anschaffungen bzw. Einlagen ab dem 6.5.2006 muss für abnutzbares Anlagevermögen ein Anlagenverzeichnis geführt werden, das Sie Ihrer EÜR beilegen müssen. Das PC-Programm »Steuer-Spar-Erklärung« erstellt dieses Verzeichnis automatisch im Teil »Gewinnermittlung«.

Das Anlageverzeichnis muss die Abschreibungen ausweisen für unbewegliche Wirtschaftsgüter, bewegliche Wirtschaftsgüter (mit über € 1.000,00 Anschaffungs- oder Herstellungskosten), Sammelposten, in denen selbstständig nutzungsfähige Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten zwischen € 150,01 und € 1.000,00 zusammengefasst werden, immaterielle Wirtschaftsgüter und Sonderabschreibungen. Das Verzeichnis muss die Bezeichnung des Wirtschaftsguts, das Datum der Anschaffung bzw. Herstellung, die Höhe der Anschaffungs- oder Herstellungskosten, die Nutzungsdauer, den AfA-Satz, die Höhe der Abschreibung, den Restwert zum Jahresende und den Tag des Ausscheidens aus dem Betriebsvermögen enthalten.

Ein Wirtschaftsgut, das am Ende seiner Nutzungsdauer noch im Betriebsvermögen vorhanden ist, ist im Normalfall zu diesem Zeitpunkt vollständig abgeschrieben. Das Abschreibungsvolumen (i.d.R. die AHK) ist dann bis auf einen Restbuchwert von € 1,00 (Erinnerungswert im Anlagenverzeichnis dafür, dass das Wirtschaftsgut noch da ist) als Betriebsausgabe abgesetzt worden.

Abschreibung beweglicher, materieller Wirtschaftsgüter

Für abnutzbare bewegliche, materielle Wirtschaftsgüter (wie in obiger Tabelle aufgezählt) haben Sie bei den Gewinneinkünften - im Gegensatz zu den Überschusseinkünften (dort nur lineare AfA zulässig →Kapitel »Arbeitsmittel«) - die Wahl zwischen verschiedenen Abschreibungsmethoden:

GWG-Abschreibung

Geringwertige Wirtschaftsgüter (abgekürzt »GWG«) sind neue oder gebrauchte, selbstständig nutzbare, bewegliche Gegenstände des Anlagevermögens mit Anschaffungskosten, Herstellungskosten oder einem Einlagewert bis einschließlich € 1.000,00 netto, also ohne Umsatzsteuer. Für die GWG-Abschreibung gilt Folgendes:

Anschaffung, Herstellung oder Einlage im Jahr

2008 oder 2009

2010

Sofortabschreibung (zwingend), Anschaffungskosten netto

150,00 €

Sammelposten (zwingend), Anschaffungskosten netto (AfA 20 %)

151,00 € bis 1.000,00 €

Alternative 1 (§ 6 Abs. 2 EStG):

-

Sofortabschreibung oder lineare/degressive Abschreibung über die betriebliche Nutzungsdauer, Anschaffungskosten netto

bis 410,00 €

-

lineare/degressive Abschreibung über die betriebliche Nutzungsdauer, Anschaffungskosten netto

über 410,00 €

Alternative 2 (§ 6 Abs. 2a EStG):

-

Sofortabschreibung oder Abschreibung über die Nutzungsdauer, Anschaffungskosten netto

bis 150,00 €

-

Sammelposten (Poolabschreibung über fünf Jahre), Anschaffungskosten netto

151,00 € bis 1.000,00 €

Es kann nur entweder Alternative 1 oder Alternative 2 gewählt werden. Eine Vermischung, also die Abschreibung einzelner GWG nach Alternative 1 und anderer GWG nach Alternative 2, ist nicht erlaubt.

GWGs im Wert von über € 150,00 sind in ein fortlaufend zu führendes Verzeichnis aufzunehmen, bei Abschreibung über die Nutzungsdauer erfolgt die Aufnahme ins betriebliche Anlagenverzeichnis. Für Pool-GWGs besteht keine besondere Aufzeichnungspflicht.

Bei der Poolabschreibung gemäß § 6 Abs. 2a EStG ist für jedes Jahr ein eigener Sammelposten mit den in diesem Jahr angeschafften GWGs zu bilden und über fünf Jahre abzuschreiben. Die AfA beträgt somit 20 % pro Jahr, wobei im Anschaffungsjahr keine zeitanteilige Kürzung des Abschreibungsbetrages erfolgt.

Wirtschaftsgut

Kauf, Herstellung, Einlage am

Nettokosten

Schreibtisch

Bürostuhl

Lampe

Computer

14.4.2010

23.4.2010

18.7.2010

5.9.2010

627,12 €

482,00 €

248,15 €

856,95 €

Sammelposten (Summe)

2.214,22 €

Die Summe aller Nettokosten von € 2.214,22 wird gleichmäßig über fünf Jahre abgeschrieben. Im Zeitraum 2010 bis 2014 ergibt sich damit pro Jahr ein Pool-Abschreibungsbetrag von € 442,84 (€ 2.214,22 × 20 %).

Scheidet ein Wirtschaftsgut aus Ihrem Betriebsvermögen aus, zum Beispiel infolge eines irreparablen Schadens, eines Verkaufs oder einer Entnahme, darf der Sammelposten nicht vermindert werden (§ 6 Abs. 2a Satz 3 EStG). Den Restbuchwert dürfen Sie also nicht wie sonst üblich außerplanmäßig abschreiben.

Wenn Sie für die Anschaffung eines Wirtschaftsgutes in einem früheren Jahr einen →Investitionsabzugsbetrag in Höhe von 40 % der Anschaffungskosten gebildet haben, können Sie die Anschaffungskosten nachträglich um den Abzugsbetrag verringern und diese so noch unter die Grenze von € 150,00 drücken.

Ursprüngliche Anschaffungskosten

Kürzung um Investitionsabzugsbetrag (40 %)

./.

250,00 €

100,000 €

Anschaffungskosten für GWG-Grenze

150,00 €

Die GWG-Neuregelung ab 2008 gilt nur für Gewinneinkünfte, nicht für den Werbungskostenabzug bei den Überschusseinkünften (z.B. aus Vermietung).

Lineare Abschreibung

Dies ist eine AfA mit konstantem AfA-Satz und gleich hohen Euro-Jahresbeträgen (§ 7 Abs. 1 EStG), weil Bemessungsgrundlage immer die gleichbleibenden Anschaffungskosten sind. Bei einer Nutzungsdauer von z.B. fünf Jahren beträgt der AfA-Satz 20 % p.a. der ursprünglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten, bei 10 Jahren 10 % p.a. Im ersten Jahr muss zeitanteilig abgeschrieben werden (§ 7 Abs. 1 Satz 4 EStG; R 7.4 Abs. 2 EStR 2008). Für einen angebrochenen Monat kann die AfA voll oder nur tageweise berechnet werden. Nachträgliche Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten werden zum Buchwert bei Jahresbeginn addiert, anschließend teilen Sie den Gesamtbetrag durch die verbleibende Nutzungsdauer (R 7.4 Abs. 9 EStR 2008).

Bei einer nachträglichen Kaufpreisminderung im Jahr nach der Anschaffung berechnen Sie im Jahr des Erwerbs die AfA anhand der ursprünglichen Anschaffungskosten. Im Folgejahr ist die Bemessungsgrundlage für die Berechnung der AfA aufgrund der geminderten Anschaffungskosten niedriger.

Wenn Sie ein Wirtschaftsgut anschaffen, für das Sie vorher einen →Investitionsabzugsbetrag gebildet haben, dürfen Sie im Jahr der Anschaffung eine zusätzliche Abschreibung von 40 % vornehmen. Die Bemessungsgrundlage für die lineare AfA verringert sich dann um diesen Betrag.

Degressive Abschreibung

Die degressive Abschreibung gibt es nur für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die Sie bis zum 31.12.2007 und vom 1.1.2009 bis 31.12.2010 angeschafft haben. Bei Anschaffungen im Jahr 2008 ist nur die lineare AfA möglich. Entscheidend ist der Lieferzeitpunkt. Wurde das Wirtschaftsgut noch im Jahr 2008 geliefert, steht Ihnen die degressive AfA nicht zu, auch wenn die Zahlung des Kaufpreises erst im Jahr 2009 erfolgt ist. Zu den beweglichen Wirtschaftsgütern gehören auch Büroausstattungen, Klimaanlagen und fest montierte Anlagen.

Die degressive AfA hat einen konstantem AfA-Satz und fallende Euro-Jahresbeträge (§ 7 Abs. 2 EStG), weil Bemessungsgrundlage der jährliche Restbuchwert - also Anschaffungskosten abzüglich Summe der bisherigen Abschreibungen - ist: Für Anschaffungen vor dem 1.1.2001 und vom 1.1.2006 (bzw. ab dem 1.1.2001 bis zum 31.12.2005) bis zum 31.12.2007 beträgt der degressive AfA-Satz das Dreifache (bzw. Zweifache) der linearen AfA, jedoch maximal 30 % (bzw. 20 %) des jeweiligen Restbuchwertes und bei Anschaffung vom 1.1.2009 bis 31.12.2010 das 2,5-Fache der linearen AfA, maximal 25 %. Damit ist bei einer Nutzungsdauer des Wirtschaftsguts von über vier Jahren die degressive AfA höher als die lineare AfA. Im letzten Jahr der Nutzungsdauer ist der verbliebene Restbuchwert voll abzuschreiben.

Beträgt die Nutzungsdauer 20 Jahre, beträgt die lineare AfA 5 % p.a. (20 Jahre × 5 % = 100 %) und die degressive AfA 12,5 % (2,5 × 5 % = 12,5 %, somit weniger als 25 %).

Sie dürfen auf die lineare AfA umsteigen (§ 7 Abs. 3 EStG), was sinnvoll ist, wenn der degressive Abschreibungsbetrag unter dem der linearen AfA liegt. Der Betrag der linearen AfA nach dem Übergang berechnet sich wie folgt: Restbuchwert geteilt durch Restnutzungsdauer. Ein Umstieg von linearer zu degressiver AfA ist nicht möglich.

Im ersten Jahr darf nur zeitanteilig abgeschrieben werden (§ 7 Abs. 2 Satz 3 EStG). Für einen angebrochenen Monat kann die AfA voll oder nur tageweise berechnet werden. Nachträgliche Anschaffungs- oder Herstellungskosten werden zum Restbuchwert addiert, sodass Sie ab dann die AfA von diesem höheren Betrag berechnen. Der Prozentsatz wird beibehalten (R 7.4 Abs. 9 EStR 2008).

Bei einer Minderung des Kaufpreises ziehen Sie den Betrag, um den der Kaufpreis herabgesetzt wird, von den ursprünglichen Anschaffungskosten ab. Für die Kürzung der Anschaffungskosten um den →Investitionsabzugsbetrag gilt dasselbe wie bei der linearen AfA.

Abschreibung für außergewöhnliche Abnutzung

Bei einer stärkeren Abnutzung als betriebsgewöhnlich infolge von nicht vorhersehbaren, außergewöhnlichen Einwirkungen technischer oder wirtschaftlicher Art hat der Gesetzgeber die Absetzung für außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzung (AfaA) vorgesehen (§ 7 Abs. 1 Satz 6 EStG). Voraussetzung dafür ist immer eine erhebliche Beeinträchtigung der Nutzungsfähigkeit des Wirtschaftsguts. Durch die außergewöhnliche Abnutzung verringert sich die Restnutzungsdauer des Wirtschaftsgutes, sodass der Abschreibungsbetrag steigt. Entweder berechnen Sie aufgrund der insgesamt geringeren Nutzungsdauer einen neuen fiktiven Buchwert zum Ende des Kalenderjahres des Eintritts der außergewöhnlichen Abnutzung und ermitteln zum Ende dieses Jahres bereits eine AfaA, oder Sie verteilen den aufgrund der bisherigen Abschreibungen entstandenen tatsächlichen Buchwert auf die niedrigere Restnutzungsdauer.

Die AfaA ist nur eine Ergänzung zur normalen Abschreibung, die deshalb immer zusätzlich angesetzt werden muss. Degressive AfA und AfaA schließen sich jedoch gegenseitig aus. Sie haben aber die Möglichkeit, vorher zur linearen Abschreibung überzugehen und dann die AfaA geltend zu machen.

Abgeschafft: Die Ansparabschreibung

Die Bildung einer Ansparabschreibung war letztmals in der Einnahmen-Überschuss-Rechnung 2006 möglich (BFH-Beschluss vom 13.10.2009, VII B 62/09, DStR 2009 S. 2362; § 52 Abs. 23 EStG).

Existenzgründer haben bis zu fünf Jahre Zeit für die Anschaffung des Wirtschaftsguts. Hatten Sie Ihren Betrieb 2001 eröffnet, war das Jahr 2006 die letzte Gelegenheit zur Bildung einer Ansparabschreibung für den geplanten Kauf eines Wirtschaftsgutes im Jahr 2011. Der Höchstbetrag beträgt € 307.000.

Nach spätestens fünf Jahren müssen Existenzgründer - alle übrigen Selbstständigen nach zwei Jahren - die Ansparabschreibung zwingend gewinnerhöhend auflösen, d.h. in Höhe der bisherigen Abschreibung eine Betriebseinnahme ansetzen, auch wenn es zu keiner Investition gekommen ist (§ 7 g Abs. 4 Satz 2 EStG a.F.). Damit wird der Liquiditätsvorteil durch die Bildung der Anspar-AfA wieder beseitigt und der Gegenstand von da an erstmals normal abgeschrieben (degressiv oder linear). Die Anspar-AfA ist also eine Steuerstundung bis zur Auflösung. Die Auflösung der Ansparabschreibung kann nur im Jahr des Fristablaufs erfolgen, nicht in einem späteren Jahr (BFH-Urteil vom 31.3.2008, VIII B 212/07, BFH/NV 2008 S. 1322). Einen Gewinnzuschlag bei nicht erfolgter Investition gibt es für Existenzgründer nicht.

Sonderabschreibung für kleine und mittlere Betriebe

Bei neuen oder gebrauchten beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens (z.B. Maschinen, Fahrzeuge, EDV-Anlagen), die Sie nach dem 31.12.2007 angeschafft oder hergestellt haben, dürfen Sie unter bestimmten Voraussetzungen im Jahr der Anschaffung und den vier darauffolgenden Jahren zusätzlich zur normalen Abschreibung eine Sonderabschreibung in Höhe von insgesamt 20 % der Anschaffungskosten geltend machen (§ 7 g Abs. 5 und 6 EStG). Die Sonderabschreibung darf beliebig über den 5-Jahres-Zeitraum verteilt werden. Bei Einlage eines Wirtschaftsgutes ist keine Sonder-AfA zulässig. Ungeklärt ist, ob für Pool-Wirtschaftsgüter (GWGs) eine Sonderabschreibung zulässig ist.

Das Wirtschaftsgut muss mindestens bis zum Ende des auf die Anschaffung oder Herstellung folgenden Jahres im Betrieb verbleiben und bis dahin nahezu ausschließlich (mindestens zu 90 %) betrieblich genutzt werden. Damit wird eine Sonderabschreibung für den auch privat genutzten Betriebs-Pkw ab 2008 fast unmöglich. Fällt eine unberechtigte Sonder-AfA bei einer Betriebsprüfung auf, werden die entsprechenden Steuerbescheide korrigiert (§ 7 g Abs. 4 EStG).

Bei Anschaffung eines Wirtschaftsgutes im Januar und einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von fünf Jahren können Sie im ersten Jahr bereits 40 % (20 % lineare Abschreibung plus 20 % Sonderabschreibung) der Anschaffungskosten abschreiben. Im zweiten, dritten und vierten Jahr bleibt es bei dem linearen Abschreibungssatz von 20 %. Aufgrund der Sonderabschreibung ist das Wirtschaftsgut bereits nach vier Jahren vollständig abgeschrieben.

Bei längerer Nutzungsdauer (z.B. 13 Jahre für Büromöbel) wird nach Ablauf des fünfjährigen Begünstigungszeitraumes der noch vorhandene Restwert des Wirtschaftsgutes auf die Restnutzungsdauer verteilt und der jährliche Abschreibungsbetrag neu ermittelt (§ 7 a Abs. 9 EStG).

Einnahmen-Überschuss-Rechner haben nur dann einen Anspruch auf die Sonderabschreibung, wenn ihr Gewinn im Jahr vor der Anschaffung des Wirtschaftsgutes nicht mehr als € 100.000,00 (für 2009/2010: jeweils € 200.000) betragen hat (bei Bilanzierern: Betriebsvermögen von höchstens € 235.000 bzw. für 2009/2010 jeweils € 335.000; bei Land- und Forstwirten: Wirtschaftswert von nicht mehr als € 125.000 bzw. für 2009/2010 jeweils € 175.000). Dabei ist zu berücksichtigen, dass Investitionsabzugsbeträge den Gewinn des Vorjahres nicht beeinflussen dürfen. Der Gewinn ist daher gegebenenfalls zu erhöhen.

Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung können bei einem Wirtschaftsgut zusammentreffen.

Kneipenwirt Hugo hat 2009 für die Anschaffung einer Spülmaschine einen Investitionsabzugsbetrag in Höhe von € 800,00 erfasst. Im März 2010 erwirbt Hugo die Maschine für € 2.000,00. Die Auflösung des Investitionsabzugsbetrags im Jahr 2010 führt zu einer Betriebseinnahme von € 800,00. Zusätzlich kürzt er wahlweise die Anschaffungskosten der Spülmaschine um € 800,00. Dadurch verringert sich die Bemessungsgrundlage für die normale Abschreibung und die Sonderabschreibung von € 2.000,00 auf € 1.200,00. Es darf nur noch einen Betrag von € 240,00 (20 % von € 1.200,00) als Sonderabschreibung erfasst werden.

Abschreibung unbeweglicher, materieller Wirtschaftsgüter

Für Betriebsgebäude gelten eigene Abschreibungsvorschriften (§ 7 Abs. 4, 5, 5a EStG), die sich von denen für zu Wohnzwecken vermieteten Gebäuden unterscheiden. Die lineare AfA beträgt bei ursprünglicher Bauantragstellung nach dem 31.3.1985 (§ 7 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 EStG) 4 % (3 %), wenn der Beginn der Herstellung bzw. der Abschluss des Kaufvertrages vor dem 1.1.2001 (nach dem 31.12.2000) liegt (§ 52 Abs. 21b EStG). Ladeneinbauten, Außenanlagen usw. werden ebenfalls linear abgeschrieben. Neue Betriebsgebäude können bei Bauantrag oder Kaufvertrag vor dem 1.1.1994 auch degressiv abgeschrieben werden (§ 7 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 EStG). Wird ein zunächst vermietetes Gebäude ins Betriebsvermögen eingelegt, ist Bemessungsgrundlage für die Abschreibung der Teilwert zum Zeitpunkt der Einlage (BFH-Urteil vom 18.8.2009, X R 40/06, BFH/NV 2010 S. 283).

Betriebsgrundstücke (nicht abnutzbares Anlagevermögen) sind nicht im Anlageverzeichnis für bewegliches Anlagevermögen, sondern in einem eigenen Verzeichnis zu führen.

Abschreibung immaterieller Wirtschaftsgüter

Für immaterielle Wirtschaftsgüter (z.B. Urheberrechte, Patente, Lizenzen, Herstellungsverfahren, Software, Geschäfts-/Praxiswert, Vertreterrecht, erstellte Internet-Website) gibt es ebenfalls nur die lineare AfA. Ob Standardsoftware ein materielles Wirtschaftsgut ist, muss der BFH noch klären (Az. X R 26/09). Der Abschreibungszeitraum ist unterschiedlich (z.B. Geschäftswert: 15 Jahre; Einzelpraxiswert: 3-5 Jahre; Lizenz gegen Einmalzahlung: vertragliche Nutzungsdauer, laufende Lizenzgebühren: sofort abziehbar; Vertreterrecht: betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer, Webdesign: 2-3 Jahre). Der Kaufpreis für eine erworbene Domain-Adresse ist erst im Zeitpunkt der Veräußerung oder Entnahme als Betriebsausgabe absetzbar (BFH-Urteil vom 19.10.2006, III R 6/05, BStBl. 2007 II S. 301).

Nicht abnutzbare Wirtschaftsgüter

Bestimmte Wirtschaftsgüter sind gesetzlich als nicht abnutzbar definiert, und daher gibt es für sie auch keine laufenden Abschreibungen (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG). Dazu zählen z.B. Wertpapiere, Grundstücke, Antiquitäten und - bei gewerblichem Grundstückshandel - Gebäude des Umlaufvermögens. Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten dürfen Sie erst im Zeitpunkt des Zuflusses des Veräußerungserlöses als Betriebsausgaben absetzen (§ 4 Abs. 3 Satz 4 EStG). Dies gilt für alle nicht abnutzbaren Wirtschaftsgüter, die Sie nach dem 5.5.2006 angeschafft, hergestellt oder in Ihr Betriebsvermögen eingelegt haben. Ob Aufwendungen für den Erwerb einer vertragsärztlichen Zulassung abschreibbar sind oder nicht, muss der BFH entscheiden (Az. VIII R 13/08).

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