Freitag, 01.07.2016

Wie hoch ist die Umsatzsteuer?

Grundsätzlich unterliegen Umsätze dem vollen Umsatzsteuersatz – Regelsteuersatz (§ 12 Abs. 1 UStG) –, der seit dem 1.1.2007 19 % beträgt. Bestimmte Umsätze sind begünstigt durch den ermäßigten Steuersatz von 7 % (§ 12 Abs. 2 UStG, Anlage 2 zum UStG). Daneben gibt es noch weitere Umsatzsteuersätze. Die wichtigsten mit 7 % ermäßigt besteuerten Produkte und Leistungen sind (BMF-Schreiben vom 5.8.2004, BStBl. 2004 I S. 638):

  • Land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse/Futtermittel (z.B. lebende Tiere, Fleisch, Getreide, Obst, Gemüse, Holz, Düngemittel), Pflanzenlieferung durch eine Gärtnerei (nicht aber das Einpflanzen: BFH-Urteil vom 25.6.2009, V R 25/07, BFH/NV 2009 S. 1746), Lebensmittel (mit 19 % steuerpflichtig sind aber z.B. Säfte, Alkohol und Umsätze von Restaurants oder Cafés), die Abgabe von Speisen und Getränken durch Imbissbuden, Party-Service, Catering-Unternehmen, Mahlzeiten-Dienste usw. ohne überwiegende zusätzliche Dienstleistungen (BMF-Schreiben vom 20.3.2013, BStBl. 2013 I S. 444);

  • Erzeugnisse von Verlagen, Druckereien und grafischem Gewerbe (Bücher, Zeitungen, Hörbücher auf CD usw.); für E-Books und Internetdownloads gilt jedoch der Satz von 19 %;

  • die Vermietung von Wohn- und Schlafräumen, die ein Unternehmer zur kurzfristigen Beherbergung von Fremden bereithält, sowie die kurzfristige Vermietung von Campingflächen. Für die damit zusammenhängende Verpflegung (z.B. bei Hotelübernachtung mit Frühstück) gilt der USt-Satz von 19 % (BFH-Urteil vom 24.4.2013, XI R 3/11, BStBl. 2014 II S. 86);

  • Leistungen von Zahntechnikern, gleichartige Leistungen von Zahnärzten; orthopädische Hilfsmittel und Körperersatzstücke (z.B. Rollstühle, Prothesen, Hörgeräte); nicht begünstigt sind Medikamente;

  • Übertragung von Urheberrechten (z.B. für Werke von Schriftstellern, Journalisten, Pressediensten, Grafikern, Designern, Cartoonisten, Pressezeichnern, Karikaturisten, Bildberichterstattern, Kameramänner, Übersetzern); der Verkauf von Software zur üblichen Nutzung wird mit 19 % besteuert;

  • die Lieferung von Trinkwasser sowie das Verlegen oder Reparieren eines Wasseranschlusses ans Haus durch ein Wasserversorgungsunternehmen (BGH, Urteil vom 18.4.2012, VIII ZR 253/11, UR 2012 S. 639; BFH-Urteil vom 8.10.2008, V R 61/03, V R 27/06, BStBl. 2009 II S. 321, 325);

  • Taxifahrten innerhalb einer Gemeinde oder bis zu einer Beförderungsstrecke von 50 km. Bei einer Strecke darüber fällt 19 % an. Verkauf einer Taxikonzession (LfSt Bayern 29.5.2009, DB 2009 S. 1269).

Falls Sie Ihren Kunden die Umsatzsteuer gesondert in Rechnung stellen, ergibt sich der Nettoumsatz und der Umsatzsteuerbetrag unmittelbar aus der Rechnung. Haben Sie in Ihren Rechnungen die Umsatzsteuer nicht gesondert ausgewiesen oder tätigen Sie Barverkäufe ohne Rechnungen (z.B. Einzelhandel), müssen Sie die Umsatzsteuer und den Nettoumsatz (Entgelt oder Bemessungsgrundlage genannt) aus dem Bruttobetrag herausrechnen.

Umsatzsteuersatz

Multiplikator für das Herausrechnen der Umsatzsteuer (Abschn. 15.4. Abs. 3 UStAE 2010)

19 % bzw. 7 %

15,97 % (= 19/119) bzw. 6,54 % (= 7/107)

Bei einem Rechnungspreis von 174,00 € und einem USt-Satz von 19 % ergibt sich eine Umsatzsteuer von 174,00 € × 15,97 % = 27,78 €. Der Nettoumsatz beträgt dann 174,00 € ./. 27,78 € = 146,22 €.

Werden unterschiedlichen Umsatzsteuersätzen unterliegende Leistungen zu einem pauschalen Gesamtpreis verkauft, der niedriger als die Summe der Einzelverkaufspreise ist (z.B. in der Fast-Food-Branche), ist der Rabatt nach dem Verhältnis der Einzelverkaufspreise aufzuteilen (BMF-Schreiben vom 28.11.2013, BStBl. 2013 I S. 1594).

Warenlieferungen mit Auslandsbezug

Bei Einfuhr von Waren aus dem Nicht-EU-Ausland muss der ausländische Lieferant die Rechnung netto, also ohne ausländische Mehrwertsteuer ausstellen. Auf den Nettopreis erhebt dann die Bundeszollverwaltung von Ihnen die deutsche Mehrwertsteuer in Höhe von 19 % bzw. 7 % als sog. Einfuhrumsatzsteuer und händigt Ihnen die Ware nach Bezahlung aus. Haben Sie für Ihren Betrieb im Ausland eingekauft, dürfen Sie die Einfuhrumsatzsteuer als Vorsteuer geltend machen. Im Teilprogramm Gewinnermittlung gibt es in der Maske Umsatzsteuererklärung im Unterfenster abziehbare Vorsteuer ein Eingabefeld für die entrichtete Einfuhrumsatzsteuer sowie im Hilfetext dazu weitere Hinweise zu deren Abzug als Betriebsausgabe.

Bei Einfuhr von Waren aus der EU (innergemeinschaftlicher Erwerb) wird keine Einfuhrumsatzsteuer erhoben. Die Waren gelangen wegen des Binnenmarkts unversteuert über die deutsche Grenze und werden dann über die Abgabe der Umsatzsteuererklärung inkl. Anlage UR vom deutschen Finanzamt mit Umsatzsteuer belastet. Voraussetzung für die umsatzsteuerfreie Lieferung über die Grenze ist, dass Lieferant und Erwerber eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer besitzen. In Deutschland muss diese beim Bundeszentralamt für Steuern beantragt werden. Im Programm Gewinnermittlung ist in der Maske Umsatzsteuererklärung im Unterfenster Anlage UR der Rechnungsbetrag netto (ohne USt.) für den EU-Kauf in das betreffende Feld bei steuerpflichtige innergemeinschaftliche Erwerbe einzutragen. Das Programm errechnet dann die Umsatzsteuer und setzt diese gleichzeitig als Vorsteuer an. Für Kleinunternehmer fällt keine Umsatzsteuer auf einen innergemeinschaftlichen Erwerb an (§ 1 Abs. 1 Nr. 5 i.V.m. § 1a Abs. 3 Nr. 1 Bstb. b UStG).

Eine Lieferung ins EU-Ausland (innergemeinschaftliche Lieferung) gilt als umsatzsteuerfreier Umsatz mit Vorsteuerabzug. Erbringt ein Unternehmer mit Sitz in Deutschland eine grenzüberschreitende Dienstleistung, ist die Leistung seit 2010 dort umsatzsteuerpflichtig, wo der Ausführungsort ist: bei Leistung an einen ausländischen Unternehmer im Ausland, bei Leistung an eine ausländische Privatperson im Inland (§ 3a Abs. 1, 2 UStG).

Leistungsort bei elektronischen Dienstleistungen

Ab 1.1.2015 ist es zu einer Neubestimmung des Leistungsorts bei elektronischen Dienstleistungen (z.B. E-Books, Filme, Datenbanken, Webhosting) an Nicht-Unternehmer im Ausland gekommen. Die Leistung unterliegt nicht mehr wie bisher am Ort des leistenden Unternehmers der Umsatzsteuer, sondern am Wohnsitz des Kunden (§ 3a Abs. 5 UStG). Damit gilt das Empfängerortprinzip, das bisher nur bei Unternehmer-Kunden galt, nun auch bei Privatkunden. Der Unternehmer darf also keine deutsche Umsatzsteuer erheben, sondern muss den Steuersatz des Landes anwenden, in dem der Empfänger wohnt.

Aus Vereinfachungsgründen dürfen deutsche Unternehmer ihre Umsätze mit Privatkunden im EU-Ausland bei einer dafür eingerichteten zentralen Stelle in Deutschland erklären. Die Anmeldung der Umsätze muss vierteljährlich bis zum 20. Tag des Folgemonats erfolgen. Für dieses Verfahren namens Mini-One-Stop-Shop (abgekürzt MOSS) ist eine Registrierung erforderlich. Details dazu finden Sie auf www.bzst.bund.de.

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