Donnerstag, 23.10.2014

Wie hoch ist die Umsatzsteuer?

Grundsätzlich unterliegen Umsätze dem vollen Umsatzsteuersatz - »Regelsteuersatz« (§ 12 Abs. 1 UStG) -, der seit dem 1.1.2007 19 % beträgt. Bestimmte Umsätze sind begünstigt durch den ermäßigten Steuersatz von 7 % (§ 12 Abs. 2 UStG, Anlage 2 zum UStG). Daneben gibt es noch weitere Umsatzsteuersätze. Die wichtigsten mit 7 % ermäßigt besteuerten Produkte und Leistungen sind (BMF-Schreiben vom 5.8.2004, BStBl. 2004 I S. 638):

  • Land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse/Futtermittel (z.B. lebende Tiere, Fleisch, Getreide, Obst, Gemüse, Holz, Düngemittel), Pflanzenlieferung durch eine Gärtnerei (nicht aber das Einpflanzen: BFH-Urteil vom 25.6.2009, V R 25/07, BFH/NV 2009 S. 1746), Lebensmittel (mit 19 % steuerpflichtig sind aber z.B. Säfte, Alkohol und Umsätze von Restaurants oder Cafés), die Abgabe und das Anliefern von Speisen und Getränken durch Imbissbuden, Party-Service, Catering, Mahlzeiten-Dienste usw. ohne zusätzliche Serviceleistungen (BMF-Schreiben vom 16.10.2008, BStBl. 2008 I S. 949), mit Service jedoch 19 % (z.B. Party-Service, der zusätzlich Geschirr und Besteck überlässt und anschließend reinigt: BFH-Urteil vom 1.4.2009, XI R 3/08, BFH/NV 2009 S. 1469). Bzgl. einer Verzehreinrichtung am Imbissstand siehe Revision V R 35/08;
  • Erzeugnisse von Verlagen, Druckereien und grafischem Gewerbe (Bücher, Zeitungen usw., jedoch keine reinen Werbedrucke und kein PDF-Download von wissenschaftlichen Arbeiten);
  • Kunstgegenstände und Sammlungsstücke (z.B. Gemälde, Zeichnungen, Drucke, Sammler-Briefmarken; der Kauf von amtlichen Briefmarken ist aber gemäß § 4 Nr. 8i UStG umsatzsteuerfrei);
  • Leistungen von Zahntechnikern, gleichartige Leistungen von Zahnärzten; orthopädische Hilfsmittel und Körperersatzstücke (z.B. Rollstühle, Prothesen, Hörgeräte); nicht begünstigt sind Medikamente;
  • Übertragung von Urheberrechten (z.B. für Werke von Schriftstellern, Journalisten, Pressediensten, Grafikern, Designern, Cartoonisten, Pressezeichnern, Karikaturisten, Bildberichterstattern, Kameramänner, Übersetzern);
  • die Lieferung von Trinkwasser sowie das Verlegen oder Reparieren eines Wasseranschlusses ans Haus durch ein Wasserversorgungsunternehmen (BMF-Schreiben vom 7.4.2009, DB 2009 S. 878; BFH-Urteil vom 8.10.2008, V R 61/03, V R 27/06, BStBl. 2009 II S. 321, 325);
  • Taxifahrten innerhalb einer Gemeinde oder bis zu einer Beförderungsstrecke von 50 km. Bei einer Strecke darüber fällt 19 % an. Verkauf einer Taxikonzession (LfSt Bayern vom 29.5.2009, DB 2009 S. 1269).

Bei Einfuhr von Waren aus dem Nicht-EU-Ausland muss der ausländische Lieferant die Rechnung netto, also ohne ausländische Mehrwertsteuer ausstellen. Auf den Nettopreis erhebt dann die Bundeszollverwaltung von Ihnen die deutsche Mehrwertsteuer in Höhe von 19 % bzw. 7 % als sog. Einfuhrumsatzsteuer und händigt Ihnen die Ware nach Bezahlung aus. Haben Sie für Ihren Betrieb im Ausland eingekauft, dürfen Sie die Einfuhrumsatzsteuer als Vorsteuer geltend machen. In unserem Teilprogramm »Gewinnermittlung« gibt es in der Maske »Umsatzsteuererklärung« im Unterfenster »abziehbare Vorsteuerbeträge« ein Eingabefeld für die entrichtete Einfuhrumsatzsteuer sowie im Hilfetext dazu weitere Hinweise zu deren Abzug als Betriebsausgabe.

Bei Einfuhr von Waren aus der EU (innergemeinschaftlicher Erwerb) wird keine Einfuhrumsatzsteuer erhoben. Die Waren gelangen wegen des Binnenmarkts unversteuert über die deutsche Grenze und werden dann über die Abgabe der Umsatzsteuererklärung inkl. Anlage UR vom deutschen Finanzamt mit Umsatzsteuer belastet. Voraussetzung für die umsatzsteuerfreie Lieferung über die Grenze ist, dass Lieferant und Erwerber eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer besitzen. In Deutschland muss diese beim Bundeszentralamt für Steuern beantragt werden. Im Programm »Gewinnermittlung« ist in der Maske »Umsatzsteuererklärung« im Unterfenster »Umsatzsteuer lt. Anlage UR« der Rechnungsbetrag netto (ohne USt.) für den EU-Kauf in das betreffende Feld bei »steuerpflichtige innergemeinschaftliche Erwerbe« einzutragen. Das Programm errechnet dann die Umsatzsteuer und setzt diese gleichzeitig als Vorsteuer an.

Eine Lieferung ins EU-Ausland (innergemeinschaftliche Lieferung) gilt als umsatzsteuerfreier Umsatz mit Vorsteuerabzug. Erbringt ein Unternehmer mit Sitz in Deutschland eine grenzüberschreitende Dienstleistung, ist die Leistung ab 2010 dort umsatzsteuerpflichtig, wo der Ausführungsort ist: bei Leistung an einen ausländischen Unternehmer im Ausland, bei Leistung an eine ausländische Privatperson im Inland (§ 3 a Abs. 1, 2 UStG).

Falls Sie Ihren Kunden die Umsatzsteuer gesondert in Rechnung stellen, ergibt sich der Nettoumsatz und der Umsatzsteuerbetrag unmittelbar aus der Rechnung. Haben Sie in Ihren Rechnungen die Umsatzsteuer nicht gesondert ausgewiesen oder tätigen Sie Barverkäufe ohne Rechnungen (z.B. Einzelhandel), müssen Sie die Umsatzsteuer und den Nettoumsatz (»Entgelt« oder »Bemessungsgrundlage« genannt) aus dem Bruttobetrag herausrechnen.

Umsatzsteuersatz

Multiplikator für das Herausrechnen der Umsatzsteuer (Abschnitt 194 Abs. 3 UStR 2008)

19 % bzw. 7 %

15,97 % bzw. 6,54 %

Bei einem Rechnungspreis von € 174,00 und einem USt-Satz von 19 % ergibt sich eine Umsatzsteuer von € 174,00 × 15,97 % = € 27,78. Der Nettoumsatz beträgt dann € 174,00 ./. € 27,78 = € 146,22.

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