Donnerstag, 25.08.2016

Diese Personen dürfen Sie steuerbegünstigt unterstützen

Greifen Sie Angehörigen finanziell unter die Arme, können Sie Ihre Leistungen für deren gewöhnlichen Unterhalt und die Berufsausbildung pro Jahr bis zu einem Höchstbetrag steuerlich als außergewöhnliche Belastung absetzen (§ 33a Abs. 1 EStG).

Unterhaltsberechtigte Empfänger müssen wegen ihrer Bedürftigkeit den empfangenen Unterhalt nicht versteuern und auch nicht in der Steuererklärung angeben (§ 22 Nr. 1 Satz 2 EStG).

Die unterstützte Person muss gegenüber Ihnen oder Ihrem Ehepartner bzw. eingetragenen Lebenspartner nach deutschem Recht unterhaltsberechtigt sein. Die Unterhaltsberechtigung gilt für Verwandte in gerader Linie (§ 1601 BGB) sowie für eingetragene Lebenspartner. Eine Unterhaltspflicht lediglich nach ausländischem Recht reicht für den Steuerabzug nicht aus (BFH-Urteil vom 4.3.2005, VI S 14/03 (PKH), BFH/NV 2005 S. 1067).

Ferner prüft Ihr Finanzamt grundsätzlich, ob Bedürftigkeit vorliegt (R 33a.1 Abs. 1 Satz 3 EStR 2012; BFH-Urteil vom 5.5.2010, VI R 29/09, BStBl. 2011 II S. 116). Der Unterhaltsberechtigte ist bedürftig, wenn er außerstande ist, sich selbst zu unterhalten (wegen Vermögenslosigkeit und fehlenden Einkommens) und seiner Erwerbspflicht nicht nachkommen kann (z.B. wegen seines Alters, Gesundheitszustandes oder seiner Berufsausbildung). Die Bedürftigkeit wird unterstellt, wenn die unterstützte Person unterhaltsberechtigt und unbeschränkt steuerpflichtig ist, also im Inland wohnt (R 33a.1 Abs. 1 Satz 4 EStR 2012). In diesem Fall wird auch von der Erwerbsobliegenheit abgesehen (R 33a.1 Abs. 2 Satz 2 EStR 2012). Das Gleiche gilt, wenn Sie Ihren im Ausland lebenden Ehe-/Lebenspartner unterstützen.

Die Unterhaltsleistung eines nachrangig Unterhaltspflichtigen wird steuerlich nur anerkannt, wenn der vorrangig Unterhaltsverpflichtete seiner Unterhaltspflicht nicht nachkommen kann.

Zum unterhaltsberechtigtem Personenkreis gehören:

  • der im In- oder Ausland getrennt lebende oder geschiedene Ehegatte im Jahr nach der Trennung oder Scheidung, nicht aber der Ehegatte in intakter Ehe, wenn Anspruch auf den Splittingtarif besteht. Wahlweise können Sie Ihre Unterhaltsleistungen auch als Sonderausgaben absetzen;

  • die Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft (§ 5 LPartG). Ein Abzug von Unterhalt ist bei intakter Partnerschaft aber nicht möglich, da nach neuer Rechtslage Anspruch auf den Splittingtarif besteht. Somit kommt nur bei dauerndem Getrenntleben oder nach Auflösung der Lebenspartnerschaft ein Abzug infrage;

  • Ihre Eltern und nachrangig Ihre Schwiegereltern, auch wenn Sie selbst von Ihrem Ehepartner dauernd getrennt leben (BFH-Urteil vom 27.7.2011, VI R 13/10 , BStBl. 2011 II S. 965), nicht aber Ihre Stiefeltern;

  • die Mutter eines nichtehelichen Kindes. Ihr gegenüber ist der Vater mindestens sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt gesetzlich zum Unterhalt verpflichtet (§ 1615 l Abs. 1 BGB).

  • leibliche oder adoptierte Kinder, Enkelkinder (nachrangig), Stiefkinder nur, wenn diese im Haushalt seines einkommenslosen leiblichen Elternteils (z.B. der nicht arbeitenden Mutter) und dessen Ehepartner (z.B. dem arbeitenden Stiefvater) leben. Voraussetzung ist, dass für das unterstützte Kind niemand mehr Anspruch auf Kindergeld oder die Freibeträge für Kinder hat. Zum Kindergeld zählen dabei auch kindergeldähnliche Leistungen (BFH-Urteil vom 4.12.2003, III R 32/03, BStBl. 2004 II S. 275), die zum Beispiel im Ausland für ein Kind gezahlt werden.

    Unterstützen Sie mehrere in einem gemeinsamen Haushalt lebende unterhaltsberechtigte Personen mit Kindern, für die Sie Anspruch auf Kindergeld haben, sind nur Ihre das Kindergeld übersteigenden Unterhaltsleistungen absetzbar. Überweisen also z.B. Gastarbeiter ihrer Familie in der Heimat (Nicht-EU-Land) Geld, wird unterstellt, dass sie den Kindern das deutsche Kindergeld überweisen und ihrer Ehefrau den Rest;

  • den Unterhaltsberechtigten gleichgestellte Personen. Dazu zählt der Lebensgefährte sowie in Ihrem Haushalt lebende, nicht unterhaltsberechtigte Verwandte (Verwandte in der Seitenlinie) oder Verschwägerte: Bruder und Schwester, Tante und Onkel, Nichte und Neffe, Schwiegersohn und -tochter, Schwager und Schwägerin, Stiefeltern und Stiefkind.

    Dem Unterhaltsempfänger muss wegen des Zusammenlebens mit Ihnen in einem gemeinsamen Haushalt (sozialrechtliche Bedarfsgemeinschaft) Ihr Einkommen teilweise zugerechnet und deswegen im Falle eines Antrags auf öffentliche Mittel zum Lebensunterhalt (z.B. Hartz IV, Sozialgeld) diese gekürzt oder verweigert werden (§ 33a Abs. 1 Satz 3 EStG). Ein Antrag auf die öffentlichen Mittel muss aber nicht gestellt worden sein. Entsprechendes gilt, wenn Ihr in Deutschland lebender ausländischer Lebensgefährte bei Inanspruchnahme von Sozialleistungen damit rechnen müsste, keine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten oder ausgewiesen zu werden.

Unterstützen Sie eine nicht unterhaltsberechtigte Person, mit der keine sozialrechtliche Bedarfsgemeinschaft besteht, kommt bei Notlagen ein Abzug Ihrer Aufwendungen als allgemeine außergewöhnliche Belastung nach § 33 EStG in Betracht.

Impressum AGB Kontakt Mediadaten Datenschutz
Seitenanfang