Donnerstag, 23.11.2017

Gesundheitsgefährdende Stoffe im Haus

Aufwendungen für die Entgiftung von existenznotwendigen Gegenständen wie das selbst genutzte Haus, die eigene Wohnung, der Hausrat und die Möbel werden als außergewöhnliche Belastung anerkannt, wenn gesundheitliche Beeinträchtigungen konkret zu befürchten sind, Sie an der Belastung kein Verschulden trifft (z.B. Schimmelpilz wegen falschen Lüftungsverhaltens) und auch kein Baumangel vorliegt (R 33.2 Nr. 2 EStR 2012). Auch Schutzmaßnahmen gegen Immissionen sind absetzbar, wenn Grenzwerte überschritten werden.

Eine konkrete Gesundheitsgefährdung kann etwa vorliegen, wenn

  • in Innenräumen der Wohnung die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte einer Schadstoffbelastung überschritten sind, z.B. infolge von mit Formaldehyd verseuchter Möbel (BFH-Urteil vom 23.5.2002, III R 52/99, BStBl. 2002 II S. 592);

  • bei einem mit Asbestplatten errichteten Hausdach die Freisetzung von Asbest droht (BFH-Urteil vom 29.3.2012, VI R 47/10, BFH/NV 2012 S. 1235);

  • objektiv feststellbare, starke Geruchsbelästigungen vorliegen, z.B. wegen eines beim Bau eines Holz-Fertighauses verwendeten speziellen Holzschutzmittels (BFH-Urteil vom 29.3.2012, VI R 21/11, BFH/NV 2012 S. 1239);

  • starke Strahlungen von Mobilfunk-Basisstationen vorliegen (FG Köln vom 8.3.2012, 10 K 290/11, EFG 2012 S. 1345).

Vor Durchführung der Beseitigungs- bzw. Wiederherstellungsmaßnahmen müssen Sie kein amtsärztliches Attest eingeholt haben (BFH-Urteil vom 29.3.2012, VI R 21/11, BFH/NV 2012 S. 1239). Es empfiehlt sich aber, zu Beweiszwecken gegenüber dem Finanzamt zuvor ein technisches Gutachten einzuholen, in dem die Quelle der Ausgasungen bzw. Immissionen, die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen und die nicht wiederverwendbaren Gegenstände genau beschrieben sein. Welche technischen Stellen Sie mit einem Gutachten beauftragen können, erfragen Sie am besten beim Umweltberater Ihrer Gemeinde oder bei der für Sie zuständigen Oberfinanzdirektion. In Betracht kommt insbesondere der TÜV.

Als außergewöhnliche Belastung abziehbar sind Aufwendungen für die eigentliche Sanierung des selbst genutzten Hauses oder der selbst genutzten Eigentumswohnung, die Entsorgung des verseuchten Materials, die Ersatzbeschaffung von durchseuchten Möbeln, das Gutachten, einen wegen der Wohnungssanierung erforderlichen, vorübergehenden Auszug. Ein durch die Sanierung erlangter Gegenwert hindert den Abzug nicht (BFH-Urteil vom 29.3.2012, VI R 21/11, BFH/NV 2012 S. 1239).

Anrechnen lassen müssen Sie sich auf Ihre Aufwendungen eine Schadenersatzleistung sowie den Vorteil einer evtl. Werterhöhung durch die Sanierung bzw. den Austausch des verseuchten Gegenstandes (BFH-Urteil vom 9.8.2001, III R 6/01, BStBl. 2002 II S. 240).

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