Freitag, 24.11.2017

Kurkosten

Sie können für sich, Ihren Ehepartner oder Ihr kindergeldberechtigtes Kind selbst bezahlten Kosten für Heilkuren bzw. Reha-Maßnahmen nach einer Operation als außergewöhnliche Belastung absetzen, wenn die Behandlung zur Heilung oder Linderung einer Krankheit notwendig ist, weil eine andere Behandlung nicht erfolgversprechend ist, und sie unter ärztlicher Leitung und Überwachung steht (FG Münster vom 6.9.2011, 1 K 2809/08 ; BFH-Urteil vom 17.12.1997, III R 32/97, BFH/NV 1998 S. 839).

Zum Nachweis der medizinischen Notwendigkeit müssen Sie ein vor Kurantritt ausgestelltes amtsärztliches Attest oder eine Bescheinigung des medizinischen Dienstes einer Krankenversicherung vorlegen, aus der sich auch Dauer und Ort der Kur ergeben müssen (§ 64 Abs. 1 Nr. 2 Bstb. a EStDV). Bei einer Vorsorgekur ist auch die Gefahr einer durch die Kur abzuwendenden Krankheit zu bescheinigen. Kommt es für den Heilerfolg der Kur auch auf das Klima an, muss sich aus dem Attest außerdem ergeben, welcher medizinische Behandlungsort angezeigt ist und wie lange die Maßnahme dauern soll. Das gilt auch bei einer Abmagerungskur, da starkes Übergewicht nicht in jedem Fall krankhaft ist (BSG, Beschluss vom 19.10.2004, B 1 KR 3/03 R ).

Wurde die Notwendigkeit einer Kur bei der Bewilligung von Zuschüssen oder Beihilfen anerkannt, genügt bei Pflichtversicherten die Bescheinigung der Versicherungsanstalt (also Krankenkasse, Unfallkasse, Berufsgenossenschaft und Rentenversicherung) und bei öffentlich Bediensteten die Bescheinigung der zuständigen Beihilfestelle (R 33.4 Abs. 1 Satz 7 EStR 2012). Aus der Bescheinigung muss hervorgehen, dass eine Überprüfung der medizinischen Notwendigkeit der Kur vorgenommen wurde. Eine OFD verlangt zusätzlich, dass die Zuschüsse auch für Unterkunfts- und Verpflegungskosten gewährt werden (Verfügung der OFD Karlsruhe vom 8.11.2013, VASt Aktuell 7/2013).

Hat Ihre Heilkur den Charakter einer Erholungsreise, werden die Kurkosten trotz Attestes nicht anerkannt (H 33.1 Kur EStH 2014; BFH-Urteil vom 10.3.1972, VI R 256/69, BStBl. 1972 II S. 534). Versuchen Sie auch nicht, auch die Reise- und Unterkunftskosten für Ihren Ehepartner abzusetzen, wenn dieser Sie ohne medizinische Notwendigkeit an den Kurort begleitet. Sie riskieren sonst die Einstufung als Erholungsreise, sodass der Finanzbeamte auch die Kurkosten für Sie selbst nicht anerkennt.

Absetzbar sind die folgenden Aufwendungen, soweit sie nicht erstattet werden:

  • Kosten für Arzt, Medikamente, Kurmittel (Bäder, Massagen usw.), Kurtaxe, Eigenanteil für Kurklinik usw. (nicht Trinkgelder);

  • nachgewiesene Verpflegungsmehraufwendungen, gekürzt um eine Haushaltsersparnis von 20 % der Ausgaben (R 33.4 Abs. 3 EStR 2012), angemessene Kosten der Unterkunft, Kosten für die Fahrt zum und vom Kurort in Höhe vergleichbarer Bahnkosten, außer Sie sind auf Ihren Pkw angewiesen (H 33.1 Kur EStH 2014), für die Fahrten zum Kurarzt und zur Anwendung der Kurmittel am Kurort (z.B. mit öffentlichen Verkehrsmitteln);

  • Fahrt- und Aufenthaltskosten für eine Begleitperson bei Kindern und alten hilflosen Personen, wenn die Notwendigkeit der Betreuung in einem vor Reisebeginn ausgestellten amtsärztlichen Attest bestätigt wird (§ 64 Abs. 1 Nr. 2 Bstb. d EStDV). Ist in Ihrem Schwerbehindertenausweis die Notwendigkeit ständiger Begleitung vermerkt, benötigen Sie kein Attest.

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