Freitag, 24.11.2017

Es muss ein Kindschaftsverhältnis vorliegen

Die Voraussetzungen für das Kindergeld und die Freibeträge für Kinder sind grundsätzlich gleich. Zuerst ist zu prüfen, ob zwischen Ihnen und dem Kind, für das Sie Kindergeld beantragen, ein sog. Kindschaftsverhältnis vorliegt. Ist das erfüllt, hängt es vom Kindesalter ab, ob noch weitere Voraussetzungen erfüllt sein müssen oder nicht. Ein Kindschaftsverhältnis liegt vor bei Kindern, die im ersten Grad mit Ihnen verwandt sind, sowie bei Pflegekindern (§ 32 Abs. 1 EStG).

Im ersten Grad verwandt sind leibliche Kinder (ehelich, für ehelich erklärt oder nichtehelich) und Adoptivkinder. Das Adoptionskindschaftsverhältnis wird mit Zustellung des Adoptionsbeschlusses des Vormundschaftsgerichts begründet (H 32.1 EStH 2014).

Ein Pflegekindschaftsverhältnis wird gemäß R 32.2 EStR 2012 steuerlich anerkannt, wenn Sie das Kind in Ihren Haushalt aufgenommen haben und zu ihm ein auf Dauer angelegtes Aufsichts-, Betreuungs- und Erziehungsverhältnis besteht (familienähnliches Band), wenn das Obhuts- und Pflegeverhältnis zu den leiblichen Eltern nicht mehr besteht (A 10.4 Satz 6 DA-KG) und das Kind für Sie kein Kostkind ist (Aufnahme von nicht mehr als 6 Kindern in Ihren Haushalt). Eine volljährige, behinderte Person kann nur dann Pflegekind sein, wenn sie in ihrer geistigen Entwicklung einem Kind gleichsteht (A 10.3 Abs. 2 DA-KG).

Kindergeld gibt es auch für in den Haushalt aufgenommene Stiefkinder und Enkelkinder (§ 63 Abs. 1 Nr. 2, 3 EStG) oder für das die Stief- bzw. Großeltern mangels Leistungsfähigkeit der Eltern unterhaltspflichtig sind (§ 32 Abs. 6 Satz 10 EStG). Dazu muss der leibliche Elternteil, dem das Kindergeld zusteht, gegenüber der Kindergeldkasse schriftlich auf seinen Vorrang verzichten. Da bei Stief- oder Enkelkindern kein steuerliches Kindschaftsverhältnis vorliegt, stehen den Stief- bzw. Großeltern nicht automatisch die Freibeträge für Kinder zu. Die leiblichen Eltern (bzw. ein leiblicher Elternteil) können jedoch ihre Freibeträge für Kinder auf den Stiefelternteil oder die Großeltern in der Anlage K übertragen, wenn diese das Kind in ihren Haushalt aufgenommen haben (§ 32 Abs. 6 EStG).

Rückwirkend ab 2012 wird der Kindergeldanspruch sowohl für verheiratete Kinder als auch für Kinder mit eigenen Kindern ohne Einkommensprüfung des Partners anerkannt (Erlass des Bundeszentralamtes für Steuern vom 5.3.2014, BStBl. 2014 I S. 553).

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