Freitag, 24.11.2017

Aufwendungen für die Zweitwohnung

Als Aufwendungen für die Zweitwohnung am auswärtigen Beschäftigungsort können Sie Ihre tatsächlich entstandenen Kosten als Werbungskosten geltend machen. Ein Ansatz von Übernachtungspauschbeträgen ist nicht möglich. Bei einer Mietwohnung sind die gezahlte Miete plus Nebenkosten abziehbar sowie Renovierungskosten, Maklerprovision, Inseratskosten, Gerichts- und Anwaltskosten wegen eines Mietrechtsstreits, ebenso die Zweitwohnungsteuer.

Seit 2014 werden die tatsächlichen Kosten der Zweitunterkunft – ob Mietwohnung oder Eigenheim – am Ort der ersten Tätigkeitsstätte im Inland nur bis maximal 1.000,00 € pro Monat als Werbungskosten anerkannt (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 4 EStG). Der Höchstbetrag wird nicht zeitanteilig gekürzt, wenn die doppelte Haushaltsführung mitten im Monat beginnt.

Zu den Unterkunftskosten rechnen auch die Stellplatzmiete und die Einrichtungskosten (BMF-Schreiben vom 24.10.2014, BStBl. 2014 I S. 1412Rz. 103 und 104), nicht aber die Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers in der Zweitwohnung, da diese getrennt absetzbar sind.

Näheres zum Begriff der ersten Tätigkeitsstätte findet sich im Kapitel zur Entfernungspauschale.

Soweit Sie den Höchstbetrag von 1.000,00 € in einem Monat nicht ausschöpfen, muss das Finanzamt das nicht ausgeschöpfte Volumen in andere Monate desselben Kalenderjahres übertragen. Das kann nützlich sein, wenn Sie etwa wegen in einem Monat anfallender Reparaturkosten oder wegen einer Mieterhöhung über die Grenze von 1.000,00 € Wohnungskosten kommen. Dann können Sie die nicht ausgeschöpfte Obergrenze anderer Monate nutzen. Ein Übertrag nicht ausgeschöpfter Obergrenzen in das Folgejahr ist nicht möglich.

Betragen im November 2015 die Unterkunftskosten 800,00 € und im Dezember 2015 1.200,00 €, sind für beide Monate zusammen 2.000,00 € absetzbar.

Beziehen mehrere berufstätige Arbeitnehmer (z.B. berufstätige Ehepartner, Lebenspartner, Mitglieder einer Wohngemeinschaft) eine gemeinsame Zweitwohnung, kann jeder den Höchstbetrag für die tatsächlich von ihm getragenen Aufwendungen jeweils für sich beanspruchen (BMF-Schreiben vom 24.10.2014, BStBl. 2014 I S. 1412Rz. 106).

Die Zweitunterkunft muss nicht direkt am Ort der ersten Tätigkeitsstätte liegen. Es genügt, wenn die Entfernung zum Arbeitsplatz weniger als die Hälfte der kürzesten Straßenverbindung zwischen der Hauptwohnung am Heimatort und dem Arbeitsort beträgt. Anderenfalls vermutet das Finanzamt eine private Mitveranlassung des Zweitwohnsitzes.

Frau Althammer hat ihren eigenen Hausstand im Ort H und in der Stadt T ihre erste Tätigkeitsstätte. Die Entfernung von H (Mittelpunkt der Lebensinteressen) nach T beträgt 250 km. Frau Althammer findet im Ort Z eine günstige Zweitwohnung. Die Entfernung von dieser Zweitwohnung in Z nach T (erste Tätigkeitsstätte) beträgt 70 km. Auch wenn die Zweitwohnung immerhin 70 km von T entfernt liegt, wird sie als doppelter Haushalt steuerlich anerkannt, da sie weniger als die Hälfte der Entfernung von der Hauptwohnung in H zum Arbeitsplatz in T entfernt liegt (1/2 von 250 km = 125 km).

Bei Übernachtungen in einem Hotel oder einer Pension sind nur die reinen Übernachtungskosten ohne Frühstück absetzbar. Für die Kürzung der Rechnung bei Frühstück inklusive gilt das Gleiche wie bei Hotelübernachtungen im Rahmen einer Auswärtstätigkeit.

Als Eigentümer der Zweitwohnung können Sie die Aufwendungen (2 % Abschreibungen p.a., Schuldzinsen, Renovierungskosten, Nebenkosten und ggf. Zweitwohnungssteuer) bis zum o.g. Höchstbetrag von 1.000,00 € monatlich absetzen. Alternativ kann der eine Ehegatte am Beschäftigungsort des anderen Ehegatten eine Eigentumswohnung erwerben und diesem die Wohnung im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung zu fremdüblichen Bedingungen vermieten (BFH-Urteil vom 11.3.2003, IX R 55/01, BStBl. 2003 II S. 627). Dann sind die gesamten Wohnungskosten als Werbungskosten aus Vermietung und Verpachtung absetzbar.

Maklergebühren zählen zu den Anschaffungskosten der Wohnung und erhöhen damit die Abschreibung. Auch die separate Miete für eine Garage oder Stellplatz ist absetzbar (BFH-Urteil vom 13.11.2012, VI R 50/11, BStBl. 2013 II S. 286).

Absetzbar sind ferner Aufwendungen für notwendige Einrichtungs- und Ausstattungsgegenstände in der Zweitwohnung. Überhöhte Anschaffungskosten, z.B. für eine Einbauküche, werden vom Finanzamt auf das Angemessene gekürzt (Sächsisches FG vom 18.9.2008, 2 K 863/08, EFG 2010 S. 131). Anschaffungskosten bis zu 487,90 € (inkl. 19 % MwSt.) bzw. 410,00 € (ohne MwSt.) können im Jahr der Anschaffung in voller Höhe abgezogen werden. Anschaffungskosten darüber hinaus müssen über die Jahre der Nutzung abgeschrieben werden. Bei Möbelstücken wird eine Nutzungsdauer von 13 Jahren zugrunde gelegt bei Anschaffung ab 1.1.2001. Für die Ablöse einer gebrauchten Einbauküche ist eine Restnutzungsdauer von sieben Jahren angemessen (FG München vom 29.12.2003, 8 K 4428/00, EFG 2005 S. 1677), für eine Waschmaschine i.d.R. 10 Jahre (FG München vom 19.2.2008, 9 K 1524/05 ).

Der noch nicht abgeschriebene Restwert der Wohnungseinrichtung ist nicht absetzbar, wenn die doppelte Haushaltsführung früher endet (FG Düsseldorf vom 29.11.2000, 17 K 2076/97 E, EFG 2001 S. 425).

Rundfunk- und Fernsehgebühren können ebenfalls absetzbar sein (Niedersächsisches FG vom 11.3.1998, II 459/96 ). Vom FG München wurden die Kosten für einen Kabelanschluss aber nicht anerkannt (FG München vom 19.2.2008, 9 K 1524/05 ).

Erwerben Sie die Einrichtungsgegenstände schon im Jahr vor Begründung des Zweithaushaltes, müssen Sie die Anschaffungskosten bzw. die AfA im Jahr des Kaufs als vorweggenommene Werbungskosten ansetzen.

Ihre Aufwendungen für den Umzug in die Zweitwohnung sind zusätzlich zum Höchstbetrag absetzbar. In Betracht kommen insbesondere die Speditionskosten für den Transport von Mobiliar und Hausrat sowie die Kosten Ihrer Besichtigungsfahrten. Sonstige Umzugskosten müssen Sie einzeln nachweisen, da mangels Wegverlegung des Lebensmittelpunkts die Umzugskostenpauschale nicht gewährt wird (R 9.11 Abs. 9 Satz 2 LStR 2015).

Sofern der doppelte Haushalt aus beruflichem Anlass entstanden ist, sind auch die Aufwendungen für die Auflösung der Zweitwohnung und den Rückumzug abziehbar (BFH-Urteil vom 29.4.1992, VI R 146/89, BStBl. 1992 II S. 667). Auch Aufwendungen für notwendige Schönheitsreparaturen beim Auszug aus der Zweitwohnung können anerkannt werden (FG München vom 6.1.1991, 1 K 1065/88, EFG 1992 S. 187).

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