Dienstag, 21.10.2014

In welcher Höhe sind Altersvorsorgeaufwendungen abziehbar?

Die Berechnung der abzugsfähigen Altersvorsorgeaufwendungen ist ziemlich kompliziert und je nach Berufsgruppe unterschiedlich. Das Wichtigste aber ist für alle gleich - die Übergangsregelung:

Im Jahr 2005 waren nur 60 % Ihrer Altersvorsorgeaufwendungen im Rahmen eines Höchstbetrages steuerlich abziehbar. Dieser Anteil steigt jedes Jahr um zwei Prozentpunkte, im Jahr 2006 also auf 62 %, 2007 auf 64 %,..., 2010 auf 70 %, 2011 auf 72 % usw. Erst ab dem Jahr 2025 werden die Aufwendungen in voller Höhe, also zu 100 % berücksichtigt.

Das Finanzamt erkennt die Beiträge nur bis zu einem bestimmten Höchstbetrag an (§ 10 Abs. 3 Satz 1 EStG).

Der jährliche Höchstbetrag für Altersvorsorgeaufwendungen beträgt

für Alleinstehende

für Verheiratete

20.000,00 €

40.000,00 €

Bei Verheirateten verdoppelt sich der Höchstbetrag für die Altersvorsorgeaufwendungen, unabhängig davon, wer von den Ehepartnern die Beiträge zur Altersvorsorge zahlt (BMF-Schreiben vom 13.9.2010, BStBl. 2010 I S. 681 Tz. 30). So ist es möglich, dass Sie den vom Ehepartner nicht ausgenutzten Höchstbetrag für sich nutzen können.

Haben Sie keine Rürup-Rente abgeschlossen, zählen für Sie als Angestellter in der Regel nur Ihre Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zu den abzugsfähigen Altersvorsorgeaufwendungen. Zunächst wird Ihr Gesamtbeitrag zur Rentenversicherung (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil, ausgenommen der Pauschbetrag des Arbeitgebers zur gesetzlichen Rentenversicherung bei weiterbeschäftigten Altersrentnern: LfSt Bayern vom 10.11.2008, DStR 2008 S. 2420) ermittelt: Wegen der Beitragsbemessungsgrenze beträgt der Gesamtbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 2010 höchstens € 13.134,00 (19,9 % von € 66.000,00). Da er unter dem Höchstbetrag von € 20.000,00 liegt, spielt der Höchstbetrag bei der Berechnung keine Rolle. Im Jahr 2010 werden vom Finanzamt nur 70 % des Gesamtbeitrags angesetzt. Davon abgezogen wird anschließend der steuerfreie Arbeitgeberanteil von 50 % des Gesamtbeitrags (§ 10 Abs. 3 Satz 5 EStG). Letztlich für Sie abziehbar sind also im Jahr 2010 20 % des jährlichen Gesamtbeitrags zur gesetzlichen Rentenversicherung. Das entspricht 40 % Ihres Arbeitnehmeranteils zur Rentenversicherung. Dieser absetzbare Anteil erhöht sich um 4 %-Punkte pro Jahr. Erst ab dem Jahr 2025 können Angestellte 100 %, also ihren gesamten Arbeitnehmerbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung steuerlich geltend machen.

Bei Abschluss einer Rürup-Rente sind bei Angestellten die Beiträge maximal bis in Höhe der Differenz zwischen Höchstbetrag und dem Gesamtbeitrag zur Rentenversicherung berücksichtigungsfähig. Bei einem Jahresverdienst 2010 über der Beitragsbemessungsgrenze von € 66.000,00 sind z.B. für Ledige höchstens Beiträge in eine Rürup-Rente bis zu € 6.866,00 (€ 20.000,00 ./. € 13.134,00) begünstigt.

Bei Personen, die ohne eigene Beitragsleistung Anspruch auf Altersvorsorge haben, wird der Höchstbetrag um einen fiktiven Gesamtbeitrag (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil) zur gesetzlichen Rentenversicherung gekürzt zwecks Gleichbehandlung mit Angestellten (§ 10 Abs. 3 Satz 3 EStG). Obergrenze für die Berechnung der Beiträge sind die Bruttobezüge aus der rentenversicherungsfreien Tätigkeit bis in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze (Ost). Das sind im Jahr 2010 € 55.800,00 im gesamten Bundesgebiet (BMF-Schreiben vom 13.9.2010, BStBl. 2010 I S. 681 Tz. 35). Der maßgebliche Beitragssatz beträgt im Jahr 2010 19,9 %.

Betroffen von der Kürzung sind Arbeitnehmer, die zum Personenkreis des § 10 c Abs. 3 Nr. 1 oder Nr. 2 EStG gehören, z.B. Beamte. Da Beamte in der Regel keine Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung, berufsständische Versorgungseinrichtungen oder landwirtschaftliche Alterskassen zahlen, können sie keine Altersvorsorgeaufwendungen absetzen, wenn sie keine Rürup-Rente abschließen.

Da Selbstständige ihre Aufwendungen für die Altersvorsorge voll selbst tragen müssen und hierfür auch keine steuerfreien Zuschüsse erhalten, können sie seit 2005 grundsätzlich ihre Altersvorsorgeaufwendungen bis zum Höchstbetrag von € 20.000,00 bzw. € 40.000,00 bei Verheirateten im Jahr geltend machen. Abziehbar sind im Jahr 2010 nur 70 % der Altersvorsorgeaufwendungen. Dieser Prozentsatz steigt jedes Jahr um 2 Prozentpunkte an.

Die Finanzämter erlassen Steuerbescheide ab 2005 vorläufig hinsichtlich der beschränkten Abziehbarkeit von Vorsorgeaufwendungen (BMF-Schreiben vom 1.4.2009, BStBl. 2009 I S. 510). Denn über die Verfassungsmäßigkeit der Änderungen beim Abzug von Vorsorgeaufwendungen durch das Alterseinkünftegesetz für die Jahre ab 2005 muss das Bundesverfassungsgericht noch entscheiden. Gegen die Entscheidungen des BFH, dass Rentenversicherungsbeiträge nicht als vorweggenommene Werbungskosten abgesetzt werden können und dass 2005 die Beschränkung der absetzbaren Altersvorsorgeaufwendungen auf 60 % rechtens ist, wurde Verfassungsbeschwerde eingereicht (z.B. Az. 2 BvR 288/10). Ferner ist eine Revision zur Höhe der Arbeitslosenversicherungsbeiträge anhängig (Az. X R 15/09). Die Rechtslage bis 2004 ist verfassungsgemäß (BVerfG, Urteil vom 9.7.2009, 2 BvR 92/09).

Der BFH ist der Meinung, dass die Frage, ob die beschränkte Absetzbarkeit der Altersvorsorgeaufwendungen ab 2005 zu einer Doppelbesteuerung führt, erst bei Rentenbezug zu prüfen ist. Daher empfiehlt es sich, alle Unterlagen über die Zahlung von Rentenversicherungsbeiträgen bis zum Rentenbeginn aufzubewahren.

Impressum AGB Kontakt Mediadaten Datenschutz
Seitenanfang