Dienstag, 03.05.2016

In welcher Höhe sind Altersvorsorgeaufwendungen abziehbar?

Die Berechnung der abzugsfähigen Altersvorsorgeaufwendungen ist ziemlich kompliziert und je nach Berufsgruppe unterschiedlich. Das Wichtigste aber ist für alle gleich – die Übergangsregelung:

Absetzbarer Anteil der Altersvorsorgeaufwendungen (§ 10 Abs. 3 Satz 4 und Satz 6 EStG)

Jahr

absetzbar
sind

Jahr

absetzbar
sind

Jahr

absetzbar
sind

2005

60 %

2012

74 %

2019

88 %

2006

62 %

2013

76 %

2020

90 %

2007

64 %

2014

78 %

2021

92 %

2008

66 %

2015

80 %

2022

94 %

2009

68 %

2016

82 %

2023

96 %

2010

70 %

2017

84 %

2024

98 %

2011

72 %

2018

86 %

2025

100 %

Das Finanzamt erkennt die Beiträge nur bis zu einem bestimmten Höchstbetrag an (§ 10 Abs. 3 Satz 1 EStG).

Der jährliche Höchstbetrag für Altersvorsorgeaufwendungen beträgt 2015

für Alleinstehende (Grundtarif)

für Verheiratete (Splittingtarif)

22.172,00 €

44.344,00 €

Seit 2015 wird der Höchstbetrag für Altersvorsorgeaufwendungen an den jährlichen Höchstbetrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung (West) gekoppelt (§ 10 Abs. 3 Satz 1 EStG).

Bei Verheirateten bzw. eingetragenen Lebenspartnern verdoppelt sich der Höchstbetrag für die Altersvorsorgeaufwendungen, unabhängig davon, wer von den Partnern die Beiträge zur Altersvorsorge zahlt (BMF-Schreiben vom 19.8.2013, BStBl. 2013 I S. 1087Tz. 46). So ist es möglich, dass Sie den vom Ehepartner nicht ausgenutzten Höchstbetrag für sich nutzen können.

Haben Sie keine Rürup-Rente abgeschlossen, zählen für Sie als Angestellter in der Regel nur Ihre Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zu den abzugsfähigen Altersvorsorgeaufwendungen. Zunächst wird Ihr Gesamtbeitrag zur Rentenversicherung (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil, ausgenommen der Pauschbetrag des Arbeitgebers zur gesetzlichen Rentenversicherung bei weiterbeschäftigten Altersrentnern: LfSt Bayern 10.11.2008, DStR 2008 S. 2420) ermittelt: Wegen der Beitragsbemessungsgrenze beträgt der Gesamtbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 2015 höchstens 13.576,20 € (18,7 % von 72.600,00 €). Da er unter dem Höchstbetrag von 22.172,00 € liegt, spielt der Höchstbetrag bei der Berechnung keine Rolle.

Im Jahr 2015 werden vom Finanzamt nur 80 % des Gesamtbeitrags angesetzt. Von dem so verbleibenden Gesamtbetrag abgezogen wird anschließend der steuerfreie Arbeitgeberanteil von 50 % des Gesamtbeitrags (§ 10 Abs. 3 Satz 5 EStG). Letztlich für Sie abziehbar sind also im Jahr 2015 nur 30 % des jährlichen Gesamtbeitrags zur gesetzlichen Rentenversicherung (80 % ./. 50 %). Das entspricht nur 60 % Ihres Arbeitnehmeranteils zur Rentenversicherung. Dieser absetzbare Anteil erhöht sich um 4 Prozent-Punkte pro Jahr. Erst ab dem Jahr 2025 können Angestellte 100 %, also ihren gesamten Arbeitnehmerbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung steuerlich geltend machen.

Bei Abschluss einer Rürup-Rente sind bei Angestellten die Beiträge maximal bis in Höhe der Differenz zwischen Höchstbetrag und dem Gesamtbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung berücksichtigungsfähig. Bei einem Jahresverdienst 2015 über der Beitragsbemessungsgrenze von 72.600,00 € sind z.B. für Ledige höchstens Beiträge in eine Rürup-Rente bis zu 8.596,00 € (22.172,00 € ./. 13.576,20 €) begünstigt.

Bei Personen, die ohne eigene Beitragsleistung Anspruch auf Altersvorsorge haben, wird der Höchstbetrag um einen fiktiven Gesamtbeitrag (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil) zur gesetzlichen Rentenversicherung gekürzt zwecks Gleichbehandlung mit Angestellten (§ 10 Abs. 3 Satz 3 EStG). Obergrenze für die Berechnung des fiktiven Beitrags sind die Bruttobezüge aus der rentenversicherungsfreien Tätigkeit bis in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze (Ost). Das sind im Jahr 2015 62.400,00 € für das gesamte Bundesgebiet. Der maßgebliche Beitragssatz beträgt im Jahr 2015 18,7 %.

Betroffen von der Kürzung sind Arbeitnehmer, die zum Personenkreis des § 10c Abs. 3 Nr. 1 oder Nr. 2 EStG gehören, z.B. Beamte. Da Beamte in der Regel keine Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung, berufsständische Versorgungseinrichtungen oder landwirtschaftliche Alterskassen zahlen, können sie keine Altersvorsorgeaufwendungen absetzen, wenn sie keine Rürup-Rente abschließen.

Da Selbstständige ihre Aufwendungen für die Altersvorsorge voll selbst tragen müssen und hierfür auch keine steuerfreien Zuschüsse erhalten, können sie seit 2005 grundsätzlich ihre Altersvorsorgeaufwendungen bis zum Höchstbetrag von 20.000,00 € bzw. 40.000,00 € bei Verheirateten im Jahr geltend machen. Abziehbar sind im Jahr 2015 nur 80 % der Altersvorsorgeaufwendungen. Dieser Prozentsatz steigt jedes Jahr um 2 Prozentpunkte an.

Die Finanzämter erlassen Steuerbescheide ab 2005 vorläufig hinsichtlich der beschränkten Abziehbarkeit von Vorsorgeaufwendungen (BMF-Schreiben vom 17.8.2015, DStR 2015 S. 1927). Denn über die Verfassungsmäßigkeit der Änderungen beim Abzug von Vorsorgeaufwendungen durch das Alterseinkünftegesetz für die Jahre ab 2005 muss das Bundesverfassungsgericht noch entscheiden (z.B. Az. 2 BvR 288/10).

Der BFH ist der Meinung, dass die Frage, ob die beschränkte Absetzbarkeit der Altersvorsorgeaufwendungen ab 2005 zu einer Doppelbesteuerung führt, erst bei Rentenbezug zu prüfen ist (BFH-Urteil vom 18.11.2009, X R 34/07, BStBl. 2010 II S. 414). Daher empfiehlt es sich, alle Unterlagen über die Zahlung von Rentenversicherungsbeiträgen bis zum Rentenbeginn aufzubewahren.

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