Donnerstag, 23.11.2017

Handwerkerleistungen

Der Staat fördert seit 2006 alle Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsarbeiten, die von einem Handwerkerleistungen ausführenden Selbstständigen durchgeführt werden (§ 35a Abs. 3 EStG). Was zum Handwerk zählt, ist in der Handwerksordnung geregelt. Ob der Handwerksbetrieb in die Handwerksrolle eingetragen ist, spielt keine Rolle. Für alle Arbeiten, die nicht den Einsatz eines Fachmannes oder handwerkliche Fachkenntnisse erfordern, kann jeder beauftragt werden, der selbstständig tätig ist.

Begünstigt sind insbesondere die folgenden Arbeiten in Ihrem Haushalt, wobei nur die Arbeitskosten begünstigt sind, keine Materialkosten:

Arbeiten an Innen- und Außenwänden (Malen, Tapezieren, Verputzen etc., denn Schönheitsreparaturen gehören nicht zu den sonstigen haushaltsnahen Arbeiten, so BFH-Urteil vom 6.5.2010, VI R 4/09, DStR 2010 S. 1717); Arbeiten am Dach, an der Fassade, an Garagen o.Ä.; Reparatur oder Austausch von Fenstern und Türen; Streichen/Lackieren von Türen, Fenstern (innen und außen), Wandschränken, Heizkörpern und -rohren; Reparatur oder Austausch von Bodenbelägen (z.B. Teppichboden, Parkett, Fliesen); Reparatur, Wartung oder Austausch von Heizungsanlagen, Elektro-, Gas- und Wasserinstallationen; nachträglicher Einbau eines Kachelofens und eines Edelstahlschornsteins in ein gasbeheiztes Einfamilienhaus; Modernisierung oder Austausch der Einbauküche beim Altbau; Aufbau von Möbeln in der Wohnung; Renovierung des Badezimmers; Reparatur und Wartung von Gegenständen im Haushalt des Steuerpflichtigen, die in der Hausratversicherung versichert werden können (z.B. Waschmaschine, Geschirrspüler, Herd, Fernseher, Personalcomputer); Arbeiten im Garten, auch dessen Neuanlage bei einem schon bestehenden Haus durch Erd- und Pflanzarbeiten sowie die Errichtung einer Stützmauer (BFH-Urteil vom 13.7.2011, VI R 61/10, BStBl. 2012 II S. 232); Pflasterarbeiten auf dem Wohngrundstück.

Zu den steuerbegünstigten Handwerkerleistungen zählen auch Kontrollarbeiten. Setzen Sie also auch Gebühren für den Schornsteinfeger für Kehr- und Wartungsarbeiten, für die Kontrolle von Blitzschutzanlagen oder die Kosten handwerklicher Tätigkeit für Hausanschlüsse wie Strom-, Telefon-, Fernsehkabel sowie Wasser- und Abwasserleitungen in Ihrer Steuererklärung an. Es müssen die Zuleitungen zum Haus oder zur Wohnung auf Ihrem Privatgrundstück betroffen sein, aber nicht im Rahmen eines Neubaus. Der BFH hat die Steuerermäßigung auch für Handwerkerarbeiten auf einer öffentlichen Straße vor dem Grundstück gewährt, mit denen das Grundstück an die Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung der Gemeinde angeschlossen wurde (BFH-Urteil vom 20.3.2014, VI R 56/12, BFH/NV 2014 S. 1148). Keine Steuerermäßigung gibt es für Arbeiten in der Werkstatt des Handwerkers (FG München vom 24.10.2011, 7 K 2544/09, DStR 2012 S. 6).

In der Anlage 1 zum BMF-Schreiben vom 10.1.2014, BStBl. 2014 I S. 97Rz. 21 findet sich eine beispielhafte Auflistung von begünstigten und nicht begünstigten Leistungen. Sie können die Steuerbegünstigung nur bekommen, wenn Sie selbst der Auftraggeber des Handwerkers sind, der eine der begünstigten Tätigkeiten durchführt.

Nicht steuerbegünstigt sind Arbeiten, die im Rahmen eines Neubaus stattfinden. Als Neubaumaßnahmen gelten alle Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der Errichtung eines Haushalts bis zu dessen Fertigstellung anfallen. Daher ist etwa der Einbau einer Küche im Neubau nicht steuerbegünstigt (Schleswig-Holsteinisches FG vom 2.2.2011, 2 K 56/10, EFG 2011 S. 1241).

Die Steuerermäßigung gibt es aber für Flächenerweiterungen in einem bereits bestehenden, selbst bewohnten Haushalt (BMF-Schreiben vom 10.1.2014, BStBl. 2014 I S. 97Rz. 21). Dazu zählt etwa ein nachträglicher Dachgeschossausbau, eine Terrassenüberdachung (Wintergarten), ein Kamineinbau sowie die Errichtung von Außenanlagen, Wegen, Zäunen und Stützmauern auf dem Grundstück. Das gilt rückwirkend in allen noch offenen Fällen ab 2006.

Zu den nicht steuerbegünstigten Gutachterkosten zählte die Finanzverwaltung bisher die Gebühren für Mess- oder Überprüfungsarbeiten, Legionellenprüfungen, Kontrollen von Aufzügen durch den TÜV oder von Blitzschutzanlagen, Feuerstättenschauen des Schornsteinfegers sowie andere technische Prüfdienste (BMF-Schreiben vom 10.1.2014, BStBl. 2014 I S. 97Rz. 22). Der Bundesfinanzhof hat jedoch entschieden, dass die Überprüfung der Funktionsfähigkeit einer Anlage durch einen Handwerker keine gutachterliche Tätigkeit sei und damit ebenso steuerbegünstigt sein könne wie die Beseitigung eines bereits eingetretenen Schadens oder vorbeugende Maßnahmen zur Schadensabwehr. Das gelte etwa für die Dichtheitsprüfung von Abwasserleitungen, die Grundstückseigentümer vornehmen lassen müssen (BFH-Urteil vom 6.11.2014, VI R 1/13, BStBl. 2015 II S. 481). Da das BMF das BFH-Urteil im Bundessteuerblatt veröffentlicht hat, hat es diese Rechtsprechung zur regelmäßigen Überprüfung von Geräten und Anlagen auf deren Funktionsfähigkeit nun allgemein akzeptiert.

Zur Vermeidung von Doppelförderungen gibt es für ab 2011 durchgeführte Renovierungs-, Erhaltungs- oder Modernisierungsarbeiten an Häusern und Wohnungen keine Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen, wenn diese Maßnahmen mit zinsgünstigen Darlehen oder steuerfreien Zuschüssen aus öffentlichen Mitteln mitfinanziert werden, z.B. von der KfW (§ 35a Abs. 3 Satz 2 EStG).

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