Donnerstag, 18.09.2014

Förderung steuerbegünstigter Zwecke

Sie müssen an eine Organisation spenden bzw. dort Mitglied sein, die steuerbegünstigte Zwecke gemäß den §§ 52-54 AO verfolgt (§ 10 b Abs. 1 Satz 1 EStG). Ferner muss die Organisation Ihre Zuwendung auch für diese steuerbegünstigten (satzungsmäßigen) Zwecke verwenden (§ 55 AO). Nicht abziehbar sind daher Spenden für den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb eines Vereins, z.B. die Vereinsgaststätte.

Gemeinnützige Zwecke

Zuwendungen an jede Körperschaft, die gemeinnützige Zwecke verfolgt (z.B. Vereine), ist beim Geber als Sonderausgaben abziehbar. Eine Körperschaft verfolgt gemeinnützige Zwecke, wenn sie die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos fördert (§ 52 Abs. 1 AO). Welche Bereiche darunter konkret fallen, für die Sie steuerbegünstigt spenden können, regeln die Nummern 1-25 des § 52 Abs. 2 AO abschließend. Aufgrund einer Öffnungsklausel kann dieser Katalog von den Finanzbehörden noch erweitert werden. In den Nummern 1-25 sind die folgenden gemeinnützigen Zwecke aufgeführt:

Die Förderung der Wissenschaft und Forschung, der Religion und von Kunst und Kultur (das sind die bisherigen »wissenschaftlichen, religiösen und kulturellen« Zwecke), ferner die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens und der öffentlichen Gesundheitspflege, der Jugend- und Altenhilfe, des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege, der Erziehung, Volks- und Berufsbildung einschließlich der Studentenhilfe, des Naturschutzes und der Landschaftspflege, des Umweltschutzes, des Küstenschutzes und des Hochwasserschutzes, des Wohlfahrtswesens (insbesondere die amtlich anerkannten Verbände der freien Wohlfahrtspflege gemäß Liste in § 23 UStDV), der Hilfe für politisch, rassisch oder religiös Verfolgte, für Flüchtlinge, Vertriebene, Aussiedler, Kriegsopfer, Zivilbeschädigte, Behinderte und der Opfer von Straftaten, Förderung des Andenkens an Verfolgte, Kriegs- und Katastrophenopfer, des Suchdienstes für Vermisste, der Rettung aus Lebensgefahr, des Feuer-, Arbeits-, Katastrophen- und Zivilschutzes sowie der Unfallverhütung.

Ferner die Förderung der internationalen Gesinnung, der Kultur und Völkerverständigung, des Tierschutzes, der Entwicklungszusammenarbeit (Entwicklungshilfe), der Verbraucherberatung und des Verbraucherschutzes, der Fürsorge für (auch ehemalige) Strafgefangene, der Gleichberechtigung von Frauen und Männern, des Schutzes von Ehe und Familie, der Kriminalprävention, des Sports (auch Schach), der Heimatpflege und Heimatkunde, der Tierzucht, der Pflanzenzucht, der Kleingärtnerei, des traditionellen Brauchtums einschließlich des Karnevals, der Soldaten- und Reservistenbetreuung, des Amateurfunkens, des Modellflugs und des Hundesports, des demokratischen Staatswesens in Deutschland und des bürgerschaftlichen Engagements zugunsten gemeinnütziger, mildtätiger und kirchlicher Zwecke (ehrenamtlich).

Mitgliedsbeiträge sind steuerlich nicht absetzbar, wenn sie von den aufgezählten gemeinnützigen Zwecken freizeitnahe Zwecke fördern, und zwar den Sport (z.B. Mitgliedsbeitrag im Fußballklub), die kulturelle Betätigung zur Freizeitgestaltung (eigenes Mitmachen z.B. im Laientheater, Musik- und Gesangverein), Heimatkunde und Heimatpflege sowie Tierzucht, Pflanzenzucht, Kleingärtnerei, das traditionelle Brauchtum einschließlich Karneval, die Soldatenbetreuung, den Amateurfunk, Modellflug und Hundesport (§ 10 b Abs. 1 EStG). Dagegen werden ab 2009 Mitgliedsbeiträge an Fördervereine für Kunst und Kultur steuerlich auch dann anerkannt, wenn dem Mitglied geldwerte Vorteile (z.B. verbilligter Eintritt) gewährt werden (§ 10 b Abs. 1 Satz 2 EStG).

Mildtätige Zwecke

Eine Körperschaft verfolgt mildtätige Zwecke, wenn sie selbstlos Personen unterstützt, die entweder wegen ihres körperlichen, geistigen oder seelischen Zustandes oder wegen ihrer wirtschaftlichen Lage auf die Hilfe anderer angewiesen sind (§ 53 AO). Solche Hilfen leisten beispielsweise Vereine, die Alten-, Pflege-, Behinderten-, Obdachlosenheime, Kranken- oder Waisenhäuser unterhalten, ferner Werkstätten für Behinderte, Einrichtungen der Blinden- und Behindertenfürsorge, Beratungsstellen für Drogensüchtige und UNICEF. Spenden für die Opfer einer Naturkatastrophe oder die Übernahme von Patenschaften für Kinder in der Dritten Welt sind ebenfalls Sonderausgaben.

Kirchliche Zwecke

Religionsgemeinschaften, die als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt sind, verfolgen kirchliche Zwecke (§ 54 AO), z.B. Abhalten von Gottesdiensten. Bei diesen Religionsgemeinschaften ist für den Spendenabzug noch zu unterscheiden, ob sie Kirchensteuer erheben oder nicht: Erhebt die Religionsgemeinschaft Kirchensteuer, sind freiwillige Zuwendungen darüber hinaus zusätzlich als Spenden abziehbar. Das gilt vor allem für die römisch-katholische Kirche, die evangelischen Landeskirchen, die altkatholische Kirche, die jüdischen Kultusgemeinden. Erhebt die Gemeinschaft keine Kirchensteuer (z.B. evangelisch-freikirchliche Gemeinden, Zeugen Jehovas, Heilsarmee), sind die Zuwendungen zunächst wie Kirchensteuer und der evtl. darüber hinausgehende Betrag als Spende abziehbar.

Bei nicht als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannten Religionsgemeinschaften (z.B. Islamische Gemeinschaften) sind freiwillige Zuwendungen wegen »Förderung religiöser Zwecke« abziehbar. Voraussetzung ist allerdings, dass die Gemeinschaft vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt ist. Die Scientology-Kirche fördert keine religiösen Zwecke.

Impressum AGB Kontakt Mediadaten Datenschutz
Seitenanfang