Freitag, 24.11.2017

Der Abzug von Werbungskosten ist ausgeschlossen

Seit 2009 dürfen keine Werbungskosten aus Kapitalvermögen mehr abgesetzt werden! Mit dem Sparer-Pauschbetrag sind nämlich alle Werbungskosten im Zusammenhang mit Kapitalerträgen abgegolten (§ 20 Abs. 9 Satz 1 EStG). Sie dürfen also Ihre Depotgebühren, Fachliteraturkosten, Vermögensverwaltergebühren, Kreditzinsen, Fahrtkosten zur Hauptversammlung usw. steuerlich nicht mehr in tatsächlicher Höhe geltend machen, auch nicht bei freiwilliger Abgabe einer Einkommensteuererklärung im Rahmen der Günstigerprüfung.

Das Abzugsverbot für Aufwendungen gilt aber nicht für

  • auf der Ebene der Fondsgesellschaft im Fondsvermögen angefallene Werbungskosten, die zu 90 % zu berücksichtigen sind. Dies ist seit 2009 ein Vorteil der Anlage in Investmentfonds gegenüber der Direktanlage;

  • Aufwendungen im Zusammenhang mit Kapitalerträgen, die dem Teileinkünfteverfahren unterliegen. Die Kosten sind zu 60 % als Betriebsausgaben absetzbar (§ 3c Satz 2 EStG);

  • die bei Veräußerungsgeschäften anfallenden Transaktionskosten sowie die beim Kauf entstandenen Anschaffungsnebenkosten (z.B. Maklercourtage, Bankspesen). Diese Kosten sind erst bei Veräußerungsgeschäften gemäß § 20 Abs. 2 Satz 2 EStG absetzbar, und zwar zum Zeitpunkt der Bezahlung als Verlust, der in den Verlustverrechnungstopf einzustellen ist.

  • eine pauschale Vermögensverwaltungsgebühr (all-in-fee). Von dieser können maximal 50 % als Transaktionskosten angesetzt werden, sofern die Transaktionskostenpauschale auf einer sachgerechten und nachprüfbaren Berechnung beruht (BMF-Schreiben vom 9.10.2012, BStBl. 2012 I S. 953Rz. 93), siehe Berechnung des Veräußerungsergebnisses;

  • alle unmittelbar mit einem Termingeschäft zusammenhängenden Aufwendungen, z.B. auch Schuldzinsen (§ 20 Abs. 4 Satz 5 EStG);

  • Kapitalerträge, die nicht unter die Abgeltungsteuer fallen, z.B. Zinsen aus Darlehen unter nahestehenden Personen, wenn die gezahlten Zinsen beim Darlehensnehmer als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzbar sind (§ 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG). Ausnahme: Werbungskosten im Zusammenhang mit steuerbegünstigten Kapitallebensversicherungen sind nicht absetzbar (§ 32d Abs. 2 Nr. 2 Satz 2 EStG, der den § 20 Abs. 9 EStG nicht ausschließt).

Der Bundesfinanzhof hat in mehreren Entscheidungen die Frage verneint, ob nach Einführung der Abgeltungsteuer seit 2009 nachgewiesene Werbungskosten über den Sparer-Pauschbetrag von 801,00 € hinaus abgesetzt werden dürfen. Negativ zulasten der Kapitalanleger entschieden wurden die folgenden Fälle:

  • Kein Abzug von Werbungskosten im Zusammenhang mit Kapitalerträgen, die im Rahmen der Günstigerprüfung nach Abzug des Sparer-Pauschbetrages mit dem niedrigeren persönlichen Steuersatz nach dem Grund- oder Splittingtarif besteuert werden (BFH-Urteil vom 28.1.2015, VIII R 13/13, DStR 2015 S. 565). Das heißt, ein Werbungskostenabzug ist auch dann nicht möglich, wenn der Abgeltungsteuersatz gar nicht zur Anwendung kommt, sondern normal nach Tarif besteuert wird.

  • Kein Abzug für nach 2008 entstandene Werbungskosten im Zusammenhang mit bereits vor 2009 zugeflossenen Kapitalerträgen, beispielsweise Rechtsanwaltskosten infolge einer nach 2008 erstatteten Selbstanzeige (BFH-Urteil vom 2.12.2014, VIII R 34/13, DStR 2015 S. 634) oder Schuldzinsen aus einer nach 2008 darlehensfinanzierten Bürgschaftsinanspruchnahme des Gesellschafters einer vor 2009 insolventen GmbH (BFH-Urteil vom 21.10.2014, VIII R 48/12, BStBl. 2015 II S. 270). Das gilt auch für vor 2009 bereits dem Grunde nach entstandene Ausgaben, die erst nach 2008 bezahlt wurden.

    Umgekehrt sind aber 2008 angefallene Schuldzinsen als Werbungskosten absetzbar, auch wenn die Erträge aus den kreditfinanzierten Kapitalanlagen erst ab 2009 zugeflossen sind (BFH-Urteil vom 27.8.2014, VIII R 60/13, BStBl. 2015 II S. 255).

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