Freitag, 22.09.2017

Pflicht zur Meldung der Kapitalerträge

Es wurde keine Abgeltungsteuer an der Quelle einbehalten

Sie sind zur Nachmeldung von steuerpflichtigen Kapitalerträgen im Rahmen Ihrer Einkommensteuererklärung verpflichtet, wenn von diesen während des Jahres die Abgeltungsteuer in Form der Kapitalertragsteuer an der Quelle nicht erhoben werden konnte und Ihre Kapitalerträge insgesamt über dem Sparer-Pauschbetrag liegen (§ 32d Abs. 3 Satz 1 EStG). Das ist insbesondere der Fall,

  • wenn Sie Ihre Wertpapiere von einer ausländischen Depotbank verwalten lassen oder ein Auslandskonto unterhalten und darauf realisierte Kursgewinne oder sonstige Kapitalerträge angefallen sind;

  • wenn Sie Anteile an einem ausländischen thesaurierenden Fonds besitzen (auch bei einer inländischen Depotbank);

  • wenn Sie Kirchenmitglied sind und von Ihrem Kreditinstitut keine Kirchensteuer einbehalten wurde;

  • bei Verkauf von Lebens- und Rentenversicherungen (bei vor 2005 abgeschlossenen Verträgen nur, wenn die Mindestvoraussetzungen für Steuerfreiheit nicht erfüllt sind);

  • bei Gewinnen aus dem Verkauf von GmbH-Anteilen unterhalb der 1 %-Beteiligungsgrenze oder von nicht börsennotierten Aktien;

  • bei Gewinnen nach Beendigung einer typischen stillen Gesellschaft;

  • bei Zinsen auf Steuererstattungen vom Finanzamt sowie Zinszahlungen unter Privatleuten (u.U. ausgenommen bei nahestehenden Personen).

In diesen Fällen müssen Sie nur die Kapitalerträge ohne Abgeltungsteuerabzug in der Anlage KAP in die Zeilen 14 bis 19 eintragen (§ 32d Abs. 3 Satz 1 EStG) und in der Zeile 13 den für Ihre übrigen Kapitalerträge per Freistellungsauftrag beanspruchten Sparer-Pauschbetrag angeben. Dann werden vom Finanzamt im Steuerbescheid die Kapitaleinkünfte außerhalb der Steuerberechnung für Ihre übrigen Einkünfte mit 25 % belastet und der Abgeltungsteuerbetrag auf die tarifliche Einkommensteuer aufgeschlagen (§ 32d Abs. 3 Satz 2 EStG). Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag und ggf. die Kirchensteuer abzüglich der Kirchensteuerermäßigung und ggf. abzüglich anrechenbarer ausländischer Quellensteuer.

Die Kapitalerträge sind individuell zu versteuern

Ein weiterer Verpflichtungsgrund für die Abgabe der Anlage KAP ist, wenn Ihre Kapitalerträge kraft Gesetzes statt mit dem Abgeltungsteuersatz von 25 % mit Ihrem persönlichen Steuersatz zu versteuern sind (auch wenn dieser höher als 25 % ist). Dann fließen die Kapitaleinkünfte in Ihren Gesamtbetrag der Einkünfte ein. Beispiele dafür sind die Einmalauszahlung aus einer ab 2005 abgeschlossenen steuerbegünstigten Kapitallebensversicherung; Kapitalerträge, die nicht zu Ihren Einkünften aus Kapitalvermögen gehören, sondern zu einer anderen Einkunftsart (z.B. Einkünfte aus Gewerbebetrieb); Erträge aus einer (typischen) stillen Gesellschaft eines Gewerbetreibenden mit einer nahestehenden Person; Zinsen aus Darlehen zwischen nahestehenden Personen , wenn die gezahlten Zinsen als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzbar sind.

In diesen Fällen müssen Sie in der Anlage KAP die Zeilen 21 bis 24 ausfüllen, wobei Ihnen vom Finanzamt eine ggf. von Ihrer Bank einbehaltene Abgeltungsteuer (einzutragen in die Zeile 53) auf die festzusetzende Einkommensteuer als Vorauszahlung angerechnet bzw. erstattet wird. Gleiches gilt für Solidaritätszuschlage und ggf. Kirchensteuer (Zeilen 54 und 55). Dazu müssen Sie Ihrer Einkommensteuererklärung eine Steuerbescheinigung Ihrer Bank beilegen.

Es werden Steuervergünstigungen oder Sozialleistungen beantragt

Wollen Sie Steuervergünstigungen in Anspruch nehmen, bei denen es auf die Einkunftshöhe ankommt, spielen die Kapitalerträge weiterhin eine Rolle. Dann müssen die Kapitalerträge trotz Abgeltungsteuerabzugs dem Finanzamt mitgeteilt werden (§ 2 Abs. 5b Satz 2 EStG). Das gilt bei der Ermittlung der Bezüge eines Unterhaltsempfängers in der Anlage Unterhalt.

Die Einkünfte aus Kapitalvermögen werden bei der Prüfung der Anspruchsberechtigung für außersteuerliche Leistungen ebenfalls mitberücksichtigt, wenn diese auf Einkommensbegriffe des Einkommensteuergesetzes abstellen (§ 2 Abs. 5a EStG). In Betracht kommen hier Zuschüsse und Sozialleistungen, insbesondere die Arbeitnehmer-Sparzulage, die Wohnungsbauprämie, BAföG, Wohngeld und Hartz lV.

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