Akademische Arbeitsgemeinschaft Verlag Wolters Kluwer Deutschland GmbH

Was zählt zur Fachliteratur?

Bücher

Fachbücher

Steuerlich anerkannt werden Bücher, die sich von Titel und Inhalt her eindeutig auf Ihr berufliches Aufgabengebiet beziehen und rein fachliche Informationen enthalten (sog. Fachbücher). Dazu gehören zum Beispiel der Gesetzeskommentar bei einem Rechtsanwalt oder Steuerberater, Chemiebücher bei einem Chemielehrer oder eine Formelsammlung bei einem Mathematiker. Das gilt ebenso für Fachbücher im Rahmen einer Fortbildungsmaßnahme.

Allgemeinbildende Bücher

Wenn Titel und Inhalt von Büchern nicht in einem klar erkennbaren Zusammenhang mit Ihrer beruflichen Tätigkeit stehen, wie z.B. bei allgemeinbildenden Büchern (etwa schöngeistiger Literatur), müssen Sie Ihr Finanzamt davon überzeugen, dass Sie diese nahezu auschließlich beruflich verwenden. Dabei liegt bei Lehrern und Dozenten eine berufliche Nutzung nicht nur beim Einsatz im Unterricht vor, sondern auch bei Verwendung für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, selbst wenn die Unterrichtsstunde nicht abgehalten wurde (BFH-Urteil vom 20.5.2010, VI R 53/09, BStBl. 2011 II S. 723).

Solche Bücher werden aber nicht schon dadurch zu Arbeitsmitteln, dass Lehrer sie zur Verbesserung ihrer Allgemeinbildung anschaffen, die sie ihren Schülern vermitteln müssen (BFH-Urteil vom 28.4.1972, VI R 305/69, BStBl. 1972 II S. 723). Sie sollten daher in der Steuererklärung immer angeben, welches allgemeinbildende Buch Sie wann und in welcher Klasse für welchen Kurs benutzt haben (BFH-Urteil vom 2.2.1990, VI R 112/87, BFH/NV 1990 S. 564). Eine Bestätigung durch einen amtlichen Stempel Ihrer Schule ist immer nützlich. Belegen können Sie Ihre Angaben aber auch mit dem Lehrplan des betreffenden Schuljahres.Unerheblich ist, ob solche Bücher auch häufig von Lesern aus privaten Motiven gekauft werden.

Werden allgemeinbildende Bücher fast ausschließlich beruflich genutzt, verhindert ein zusätzliches privates Interesse an den in den Büchern behandelten Themen den vollen Werbungskostenabzug nicht. Bei teils beruflich, teils privat verwendeter Literatur ist ggf. eine Aufteilung des Kaufpreises anhand der Seiteninhalte oder zeitlichen Nutzungsanteile vorzunehmen, sofern das möglich ist.

Nachschlagewerke

Die Anschaffungskosten fachbezogener Nachschlagewerke können Sie als Werbungskosten geltend machen, wenn der fachliche Bezug gegeben ist und eine private Nutzung so gut wie ausgeschlossen ist. So wurden beispielsweise anerkannt: Riemann-Musiklexikon in fünf Bänden bei einem Musiklehrer am Gymnasium (Niedersächsisches FG vom 9.3.1988, VII 360/85 ), Propyläen-Weltgeschichte bei einem Lehrer für Geschichte (FG Münster vom 5.7.1965, fehlt, EFG 1965 S. 578), Weltatlas des Tierlebens bei einer Biologielehrerin (BFH-Urteil vom 21.6.1989, VI R 138/86, BFH/NV 1990 S. 89), Encyclopaedia Britannica in englischer Sprache bei einem Englischlehrer (BFH-Urteil vom 16.10.1981, VI R 180/79, BStBl. 1982 II S. 67).

Die Anschaffungskosten allgemeiner Nachschlagewerke (z.B. Der Große Brockhaus) sind steuerlich nicht absetzbar. Denn solche Universallexika dienen der Erweiterung des Allgemeinwissens.

Zeitschriften

Fachzeitschriften

Zeitschriften werden als Fachliteratur anerkannt, wenn sie Fachzeitschriften sind, sich also eindeutig auf Ihr berufliches Tätigkeitsfeld beziehen und rein berufsbezogene Informationen vermitteln. Anerkannt wurden beispielsweise die Zeitschriften Spektrum der Wissenschaft bei einem Physiker (Niedersächsisches FG vom 16.3.1989, III 489/88 ), Kosmos und Das Tier bei einer Biologielehrerin (BFH-Urteil vom 21.6.1989, VI R 138/86, BFH/NV 1990 S. 89), Neue Wirtschafts-Briefe bei einer Finanzbeamtin (FG Bremen vom 12.10.1993, 1 92 158 K 3, EFG 1994 S. 199), Der Aktionär und Euro am Sonntag bei einem Kapitalanleger (Niedersächsisches FG vom 8.12.2009, 14 K 244/09 ).

Normale Computer-Zeitschriften sind keine Fachzeitschriften. Diese werden nur dann anerkannt, wenn Sie solche Zeitschriften so gut wie ausschließlich aus beruflichen Gründen lesen, z.B. weil Sie einen EDV-Kernberuf ausüben. Als Werbungskosten anerkannt wurden beispielsweise die Aufwendungen für die Zeitschriften Chip und Elrad (Vorgänger der Zeitschrift c't) bei einem Elektroingenieur (Niedersächsisches FG vom 5.9.1991, VIII (II) 700/89 ). Nicht anerkannt wurden dagegen die Kosten für Computerzeitschriften eines Netzwerkadministrators, weil dieser die berufliche Verwendung nicht nachweisen konnte (FG Münster vom 27.7.2014, 5 K 2767/13 ).

Illustrierte

Viele Zeitschriften enthalten jedoch nicht nur fachbezogene Themen, sondern auch Beiträge von allgemeinem Interesse (Illustrierte). Der BFH hat entschieden, dass Zeitschriftenkosten dann absetzbar sind, wenn sie ausschließlich oder überwiegend beruflich genutzt werden (BFH-Urteil vom 20.5.2010, VI R 53/09, BStBl. 2011 II S. 723). Hilfreich für die steuerliche Anerkennung kann eine Bestätigung Ihres Arbeitgebers über Ihr Tätigkeitsfeld und die berufliche Notwendigkeit Ihres Zeitschriftenabonnements sein. Ggf. ist eine Aufteilung des Kaufpreises vorzunehmen, sofern das möglich ist.

Anerkannt wurden beispielsweise Börsenzeitschriften (z.B. Effekten Spiegel, Finanztip) bei einem Diplom-Ingenieur, der diese beruflich benötigte (FG München vom 3.3.2011, 5 K 3379/08 ).

Nicht anerkannt wurden zum Beispiel Abonnements der Zeitschriften Capital bei einem Abteilungsleiter (FG Baden-Württemberg vom 5.12.1997, 6 K 414/97 ), Impulse, Wirtschaftswoche und Manager-Magazin bei einem in der Anlageberatung tätigen Bankangestellten (FG Baden-Württemberg vom 28.3.1996, 6 K 195/95, EFG 1996 S. 850), Test bei einem im Bereich Marketing, Einkauf und Materialwirtschaft tätigen Beamten (BFH-Urteil vom 27.4.1990, VI R 35/86, BFH/NV 1990 S. 701), GEO bei einem Erdkundelehrer (FG Münster vom 8.4.1986, VI 5361/84 E, EFG 1986 S. 491), Flight bei einem Flugkapitän (Niedersächsisches FG vom 8.12.1992, XV 334/90, EFG 1993 S. 375), der Spiegel bei einem Redakteur (FG Münster vom 30.9.2010, 5 K 3976/08 E, EFG 2011 S. 228).

Der Kauf eines einzelnen Heftes ausschließlich wegen bestimmter berufsbezogener Beiträge kann aber steuerlich abziehbar sein. Daher sollten Sie in den Zeitschriften die Artikel ankreuzen, die für Sie beruflich wichtig waren.

Zeitungen

Tageszeitungen

Ausgaben für den Kauf oder laufenden Bezug von regionalen oder überregionalen Tageszeitungen sind grundsätzlich nicht als Werbungskosten abziehbar (BFH-Beschluss vom 7.4.2005, VI B 168/04, BFH/NV 2005 S. 1300). Damit sind ohne Chance z.B. die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Hessisches FG vom 8.5.2008, 13 K 3379/07 ; BFH-Urteil vom 30.6.1983, IV R 2/81, BStBl. 1983 II S. 715), die Frankfurter Rundschau, die Süddeutsche Zeitung und die International Herald Tribune (FG Baden-Württemberg vom 29.10.1992, 6 K 119/90, EFG 1993 S. 384). Auch ein anteiliger Werbungskostenabzug ist nicht zulässig (BMF-Schreiben vom 6.7.2010, BStBl. 2010 I S. 614).

Beim Handelsblatt sind die Kosten anzuerkennen, wenn im Einzelfall der Bezug nahezu ausschließlich beruflich veranlasst ist (steuerliche und wirtschaftliche Beratung von Mandanten: BFH-Urteil vom 12.11.1982, VI R 193/79, DB 1983 S. 372). Anderenfalls ist kein Werbungskostenabzug möglich (Informatikprofessor: FG Brandenburg vom 29.4.2008, 6 K 1567/04, EFG 2008 S. 1356; Regionalleiter einer Sparkasse: Hessisches FG vom 6.6.2002, 3 K 2440/98, EFG 2002 S. 1289; Revision vom BFH zurückgewiesen).

Wochen(end)zeitungen

Was für Tageszeitungen gilt, gilt ebenfalls für allgemeinbildende Wochenzeitungen wie etwa Die Zeit (abgelehnt bei einem Kulturkritiker: BFH-Urteil vom 7.9.1989, IV R 128/88, BStBl. 1990 II S. 19). Kaufen Sie eine Zeitung nur wegen beruflich interessierender Informationen, kann ein steuerlicher Abzug möglich sein. Beispielsweise wurde bei einem Gebietsleiter in der Kfz-Branche der Kauf der Wochenendausgaben entfernter regionaler Tageszeitungen anerkannt, weil er glaubhaft machen konnte, dadurch den Kfz-Markt beobachten zu können (FG Köln vom 7.7.1993, 6 K 4481/92, EFG 1994 S. 199).

Empfangen Sie oft Kunden, Lieferanten und Vertreter zu geschäftlichen Besprechungen und legen Sie daher im Büro oder Wartezimmer Zeitungen und Magazine für die Besucher aus, so sind die Bezugskosten beruflich veranlasst.

Der Nachweis Ihrer Aufwendungen

Achten Sie darauf, dass beim Kauf der Literatur der jeweilige Fachtitel auf dem Kassenzettel eingetragen wird. Die bloße Bezeichnung Fachliteratur genügt nicht, denn für jedes Fachbuch muss durch die genaue Angabe des Titels feststellbar sein, wofür es angeschafft und wie es verwendet wurde (BFH-Beschluss vom 22.12.2000, IV B 4/00, BFH/NV 2001 S. 774). Ist aus dem Titel der eindeutige Bezug zu Ihrer beruflichen Tätigkeit nicht erkennbar, sollten Sie Angaben darüber machen, in welcher Weise Sie das Buch für Ihren Beruf nutzen und dass keine privaten Gründe für die Anschaffung ausschlaggebend waren.

Kaufen Sie sich in einem Jahr mehrere Bände eines Fachlexikons oder eines juristischen Gesamtwerkes, so können Sie die einzeln bis zu einem Kaufpreis von 410,00 € ohne MwSt. bzw. 438,70 € inkl. 7 % MwSt. erworbenen Bände sofort in voller Höhe als Werbungskosten abziehen (FG Düsseldorf vom 13.11.2000, 11 K 4437/98 E, EFG 2001 S. 281). Eine Abschreibung der Anschaffungskosten des Gesamtwerks über die voraussichtliche Nutzungsdauer (meist 10 Jahre) ist nur dann vorzunehmen, wenn das Gesamtwerk im Buchhandel als Einheit verkauft wird (FG Köln vom 31.5.1999, 15 K 3241/92, FR 1999 S. 847).

Sie können auch versuchen, ohne Nachweis einen Betrag von 110,00 € geltend zu machen, wenn Sie beruflich Fachliteratur benötigen (Arbeitsmittelpauschale). Voraussetzung ist, dass Sie nicht bereits für andere Arbeitsmittel Ausgaben bis zu dieser Nichtbeanstandungsgrenze angesetzt haben. Die Anerkennung von Fachliteratur ohne Beleg kann aber vom Finanzamt abgelehnt werden (FG Baden-Württemberg vom 29.7.2014, 6 K 767/14, EFG 2014 S. 1958).