Akademische Arbeitsgemeinschaft Verlag Wolters Kluwer Deutschland GmbH

Gezahlte Kirchensteuern sind Sonderausgaben

Nur Religionsgemeinschaften, die als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt sind, dürfen Kirchensteuer erheben. Dazu gehören insbesondere die römisch-katholische Kirche, die evangelischen Landeskirchen, die altkatholische Kirche sowie die meisten israelitischen Religionsgesellschaften. Zahlungen an ausländische Religionsgemeinschaften im EU-/EWR-Raum werden berücksichtigt, wenn diese bei Ansässigkeit in Deutschland als Körperschaften des öffentlichen Rechts anzuerkennen wären (H 10.7 Kirchensteuern an Religionsgemeinschaften in EU-/EWR-Staaten EStH 2014; BMF-Schreiben vom 16.11.2010, BStBl. 2010 I S. 1311).

Die von Ihnen tatsächlich gezahlte Kirchensteuer ist in voller Höhe als Sonderausgaben abziehbar (§ 10 Abs. 1 Nr. 4 EStG). Dazu zählt nicht nur die während des Jahres entrichtete Steuer, die Sie aus der Lohnsteuerbescheinigung bzw. Ihrem Vorauszahlungsbescheid entnehmen können, sondern auch die für das vergangene Jahr nachbezahlte (aufgrund von Steuerbescheiden für zurückliegende Jahre) oder für das nächste Jahr vorausbezahlte Kirchensteuer und die Kirchensteuer auf die Einkommensteuer bei individueller Besteuerung von Kapitalerträgen (die Kirchensteuer auf die Abgeltungsteuer ist nicht als Sonderausgaben absetzbar).

Das Gleiche gilt für das besondere Kirchgeld bei glaubensverschiedener Ehe, das in bestimmten Fällen anstelle der Kirchensteuer erhoben wird.

Wurde Ihnen im laufenden Jahr Kirchensteuer für vergangene Jahre erstattet, vor allem mit der Einkommensteuererstattung für das letzte Jahr, vermindert sich die abzugsfähige Kirchensteuer des laufenden Jahres um diesen Erstattungsbetrag. Sowohl den insgesamt gezahlten als auch den erstatteten Betrag geben Sie in der Steuererklärung im Mantelbogen Seite 2 gesondert an.

Ist die Erstattung höher als die von Ihnen gezahlte Kirchensteuer, trägt das Finanzamt den Erstattungsüberhang seit 2012 nicht mehr in das Jahr zurück, in dem die erstattete Kirchensteuer entrichtet wurde, und ändert den damaligen Steuerbescheid. Vielmehr wird jetzt der Überhang dem Gesamtbetrag der Einkünfte des Erstattungsjahres hinzugerechnet und damit versteuert (§ 10 Abs. 4b EStG).

Müssen Sie für das Vorjahr Kirchensteuer nachzahlen und wirkt sich die Nachzahlung im Zahlungsjahr wegen zu geringer Einkünfte steuerlich nicht aus, ist ein Rücktrag nicht möglich (FG Nürnberg vom 22.11.2007, VI 246/2006, EFG 2008 S. 520).

Nachzahlungszinsen können erst 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres erhoben werden, in dem der Steuerbescheid für das Erstattungsjahr ergangen ist (Verfügung der OFD Karlsruhe vom 5.3.2010, DStR 2010 S. 701).

Der BFH muss noch entscheiden, ob ein Erbe Nachzahlungen für die Kirchensteuer des Erblassers bei sich als Sonderausgaben absetzten kann (Az. X R 43/13).

Wenn Kirchenbeiträge freiwillig geleistet werden

Sind Sie Mitglied einer Religionsgemeinschaft, die mindestens in einem Bundesland als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt ist, aber während des ganzen Jahres keine Kirchensteuer erhebt – dazu gehören z.B. die Neuapostolische Kirche, die evangelisch-freikirchlichen Gemeinden, die Griechisch-Orthodoxe Metropolie, die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche, die Bischöfliche Methodistenkirche, die Heilsarmee, die Zeugen Jehovas und die Ahmadiyya Muslim Jamaat –, können Sie Ihre freiwilligen Beiträge wie Kirchensteuer absetzen. Dazu müssen Sie eine Empfangsbestätigung der Religionsgemeinschaft vorlegen.

Der Abzug ist zulässig bis in Höhe der sonst üblichen Kirchensteuer von 8 bzw. 9 % der festgesetzten Einkommensteuer, und zwar auf das um die Kirchenbeiträge verminderte zu versteuernde Einkommen unter Abzug etwaiger Freibeträge für Kinder (H 10.7 Beiträge an Religionsgemeinschaften EStH 2014). Bei unterschiedlichen Kirchensteuersätzen im betreffenden Bundesland ist der höchste Steuersatz maßgeblich. Kein Abzug ist möglich, wenn Sie gleichzeitig als Mitglied einer öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft zur Zahlung von Kirchensteuer verpflichtet sind.

Den übersteigenden, nicht als Sonderausgaben absetzbaren Betrag können Sie als Spenden für kirchliche Zwecke ansetzen.

Ist die Religionsgemeinschaft in keinem Bundesland als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt, sind freiwillige Zahlungen weder wie Kirchensteuer noch als Spenden für kirchliche Zwecke abziehbar. Sie können diese aber als Spenden für religiöse Zwecke im Rahmen der Sonderausgaben geltend machen, wenn die Religionsgemeinschaft vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt worden ist. Das gilt beispielsweise für die altbuddhistische Gemeinde. Die Scientology-Church ist keine Religionsgemeinschaft.